Hymne auf Baltmannsweiler Ein Heimatlied zum Geburtstag

Erst wird geprobt – und dann gefeiert. Der Musikverein Baltmannsweiler bereitet sich mit dem Männerchor Grupps Groupe auf das Jahreskonzert vor. Foto: Horst Rudel

2021 ist der Musikverein Baltmannsweiler 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass haben die Musikerinnen und Musiker ein ganz besonderes Geschenk bekommen.

Region: Corinna Meinke (com)

„Es gibt so manch’ schöne Orte, aber nur ein Zuhaus’, in Baltmannsweiler, da wohn’ i, da kenn i mi aus.“ Es ist geradezu eine Hymne auf Baltmannsweiler, die der Musikverein und der Männerchor Grupps Groupe am Samstag unter dem Titel „Baltmannsweiler Heimat“ aufführen.

 

Heimatlieder sind im Kreis Esslingen rar. Nur Deizisau, Notzingen und Ohmden können sich ebenfalls damit schmücken. Den Vogel schießen die Deizisauer mit ihrem 77 Strophen langen Stimmungslied ab, das der 2020 verstorbene, überregional bekannte Chorleiter Gotthilf Fischer populär machte. Der Refrain lautet so: „Jetzt geht’s nach Deizisau, da ist der Himmel blau, da tanzt der Ziegenbock mit seiner Frau im Unterrock.“

Betulich oder einfach nur heimatverbunden?

Noch etwas betulicher kommt das Ohmdener Heimatlied daher, das seit dem 100. Geburtstag des Vereins Liederlust im Jahr 2007 die Lage des Orts im Albvorland samt den Saurierfunden vierstimmig preist. Das ebenfalls für vierstimmigen Chor geschriebene Notzinger Heimatlied aus der Feder von Otto Kälberer erinnert an die ruhige Ortslage „umkränzt von alten Eichenwäldern“.

Brav und etwas bieder mögen solche Heimatlieder manchen in den Ohren klingen und auch etwas aus der Zeit gefallen. Gleichzeitig hat Heimat wieder Konjunktur. Junge Familien entscheiden sich für ein Leben auf dem Dorf, weil es dort erschwinglichen Wohnraum gibt, Kindergarten und Schule nah sind, das soziale Netzwerk funktioniert und sich die Arbeit dank Homeoffice auch im ländlichen Raum organisieren lässt.

Der ehemalige Konditor regelt die Finanzen

Aber zurück nach Baltmannsweiler, wo Herbert Schrag der Uraufführung des Baltmannsweiler Heimatlieds entgegenfiebert. Schrag gilt als Urgestein des Musikvereins, in dem er 30 Jahre lang die Tuba spielte, bis heute die Finanzen regelt und wegen seiner mannigfachen Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Auch noch im Ruhestand bildet Schrag als Finanzvorstand gemeinsam mit Arnim Schleeh und Lisa Umrath das Dreier-Vorstandsteam.

Schrag hatte sich für den 100. Geburtstag des Vereins ein besonderes Geschenk ausgedacht: Das Baltmannsweiler Heimatlied von Thomas Amann sollte für Blaskapelle arrangiert werden. Schrag hofft, dass das Lied viele Menschen anspricht. Denn „auch junge Menschen interessieren sich für ihre Heimat“. Das Lied passe gut zum Ort, besinge dessen Schönheiten und die Geschichte als Jagdrevier der württembergischen Herzöge.

Der katholische Pfarrer hatte die Idee

Schon vor Jahren hatte der frühere katholische Geistliche der Kirchengemeinde Baltmannsweiler-Aichwald dieses Lied gedichtet und dafür einen zweistimmigen Chorsatz geschrieben. In Abstimmung mit Amann beauftragte Schrag den Komponisten und Musiker Michael Kuhn, das Stück für Blaskapelle zu arrangieren. Herausgekommen ist ein beschwingter Polka-Walzer mit Gesang, der wunderbar zu Baltmannsweiler passe, wie der Chorleiter Gerhard Grupp lobt.

Das Heimatlied soll nun coronageschuldet ein Jahr nach dem runden Geburtstag beim Jahreskonzert zum ersten Mal intoniert werden. Jugend- und Stammorchester haben zudem ein abwechslungsreiches Programm ausgewählt, das auch den Rahmen für die Verleihung der Pro-Musica-Plakette bilden soll. Die Plakette ist die Auszeichnung des Bundespräsidenten für seit 100 Jahren wirkende Orchestervereinigungen.

Termin Das Konzert ist am Samstag, 19. November, im Kulturzentrum von Baltmannsweiler; Beginn ist um 18.30 Uhr.

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