IBA 2027 Kreis Göppingen bei Bauausstellung schwach vertreten

Führung über IBA-Gelände: Salach hat sich mit der Neugestaltung des Gebiets beim Mühlkanal für die Ausstellung beworben Foto: /Giacinto Carlucci

Nur Vorhaben aus Salach und Uhingen sind wahrscheinlich bei der internationalen Schau IBA 2027 zu sehen. Die Stadt Göppingen dämpft die Erwartungen auf eine Teilnahme, obwohl sie fünf Vorschläge einreichen wollte. Auch in Eislingen ist eine Verwirklichung des Projekts ungewiss.

Es sieht danach aus, als werde der Kreis Göppingen bei der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2027 schwach vertreten sein. Zwar haben einige Kommunen Interesse bekundet, Projektskizzen geschickt und Gespräche geführt. Bisher habe aber nur das Gebiet Mühlkanal in Salach den Status eines Projekts erreicht, erklärte Tobias Schiller vom IBA-Team. Das Spinnweberei-Areal in Uhingen sei auf dem Weg dahin. Aufgerufen hat das Team hinter der Ausstellung vor fünf Jahren zur Teilnahme.

 

Die Kreisstadt Göppingen wird wohl nicht vertreten sein. Und das, obwohl die Stadt unter dem früheren Baubürgermeister Helmut Renftle gleich mit fünf Vorschlägen ins Rennen gehen wollte: Neben der Sanierung des Hohenstaufen-Gymnasiums, dem Kunsthallen-Quartier und dem Staufen-Pharma-Areal war es das Boehringer-Areal und ein mögliches innovatives Eigenheim-Quartier der Wohnbau am Geisrain. Es wurden auch Projektskizzen eingereicht. Zu Beginn der Amtszeit von Baubürgermeisterin Eva Noller wollte sich Göppingen dann auf zwei Vorhaben konzentrieren, erklärt die Dezernentin. Vor etwa eineinhalb Jahren seien Vertreter der Bauausstellung um den Intendanten Andreas Hofer in der Stadt gewesen, um sich über die Projekte Geisrain und Boehringer-Areal zu informieren. Eine Realisierung des Wohngebiets Geisrain bis 2027 sei aufgrund personeller Veränderungen in der Stadtplanung aber nicht mehr realistisch.

Hat die Verwaltung beim Boehringer-Areal geschlafen?

Beim 48 000 Quadratmeter großen und weitgehend unter Denkmalschutz stehenden Boehringer-Areal, das der Kommune seit sieben Jahren gehört, habe die Stadt zwar intensiv weiter geplant und erarbeite für ein Teilgebiet auch schon Konzepte zur Umsetzung sowie eine Finanzierungsübersicht. Die IBA-Bewerbung sei aber nicht weitergegangen, räumt Noller ein. Zu den Gründen sagt die Baubürgermeisterin, die Verwaltung habe den Eindruck bekommen, dass das Quartier bei den IBA-Vertretern „nicht so gezündet hat“, vor allem weil die Wohnfunktion fehle. Sie warte aber noch auf Rückmeldung. Hingegen sagt Tobias Schiller, das IBA-Team sei mit der Stadt in gutem Austausch gewesen und habe das Boeringer-Areal spannend gefunden, habe nun aber „schon länger nichts mehr von der Stadt gehört“.

Baubürgermeisterin Noller fürchtet außerdem, dass es für das Boehringer-Areal „im Zeithorizont zu knapp“ wäre, um bis 2027 schon ausreichend Entwicklungen vorzeigen zu können.

Zu den IBA-Projekten der ersten Stunde gehört hingegen die Entwicklung des Gebiets Mühlkanal in Salach. Der Bereich besteht aus zwei Teilen. Nördlich der Bahnlinie wird ein Gemeinschaftszentrum mit Kindergarten, Vereins- und Jugendräumen entstehen. Dort sei die Entwicklung sehr weit, berichtet Bürgermeister Dennis Eberle. Die Gemeinde sei dabei, erste Planungsleistungen zu vergeben. Er rechnet mit dem Baubeginn Ende 2024. Eberle ist sich ziemlich sicher, dass das Gemeinschaftszentrum im IBA-Jahr 2027 stehen wird.

Etwas zäher vollzieht sich die Entwicklung südlich der Bahnlinie auf dem Schachenmayr-Areal. Dort sollen Wohnungen, Gewerbe und eine soziale Einrichtung wie ein Pflegeheim Platz finden. An dem Konzept sind die Gemeinde und zwei Investoren beteiligt. Dort sei bis 2027 das Vorhaben sicherlich nicht fertig. Das sei auch nicht schlimm: „Das muss organisch wachsen.“

Auch in Uhingen schielt die Stadt mit einem neuen Stadtquartier, dem 1,25 Hektar großen ehemaligen Spinnweberei-Gelände auf die IBA. Es sei das Ziel, bis 2027 etwas vorzeigen zu können, erklärt Ilja Siegemund, Pressesprecher der Stadt. Im Juli beschloss der Gemeinderat die Umsetzung des ersten Bauabschnitts. Es gab aber auch Umplanungen. IBA-Mann Schiller bestätigt, dass man auch in Uhingen wie in Salach sehr eng in die Projektentwicklung eingebunden sei.

Durch die Preisexplosion steht das Projekt im Klingengraben nun auf der Kippe

Das IBA-Projekt im Klingengraben in Eislingen umfasst fünf Grundstücksgruppen mit vier Mehrfamilienhäusern und sechs Doppelhäusern mit insgesamt 60 Wohneinheiten. Die Baugenehmigung ist erteilt, teilt die Stadtverwaltung mit. Aufgrund der Preisexplosion im Baugewerbe wird eine erneute Kalkulation und Wirtschaftlichkeitsberechnung notwendig: „Ob der bisherige Bauträger das Projekt umsetzen wird, ist derzeit noch offen.“

Öffentlichkeit soll Projekte 2027 sehen

Ablauf
 Die „IBA 2027 StadtRegion Stuttgart“ läuft über zehn Jahre. Die internationale Ausstellung endet mit Präsentationen 2027: Gebäude, Quartiere und Infrastrukturprojekte, aber auch neuartige Instrumente der Planung und Projekte aus dem sozialen, kulturellen und ökologischen Bereich.

Auswahl
Ein Kuratorium mit zwölf Mitgliedern empfiehlt Projekte dem Aufsichtsrat zur Aufnahme.

Projekte
 Im Austausch mit den Trägern identifiziert die IBA’27 GmbH aus den Einreichungen Bauprojekte, die Potenzial für eine Weiterentwicklung als Ausstellungsorte im Jahr 2027 haben. Diese werden vom interdisziplinären Team der IBA intensiv begleitet und unterstützt.

Quartiere
Mehrere Quartiere sollen im Abschlussjahr 2027 Ankerpunkte der Ausstellung sein. Diese Gebiete müssen in den nächsten vier Jahren fertig werden. 

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