Das Postgebäude gegenüber dem Bahnhof bleibt den Böblingern noch etwas länger erhalten als bisher geplant. Das teilte die Böblinger Baugesellschaft (BBG), der der graue Koloss gehört, unlängst mit. Ursprünglich plante die BBG einen Abbruch des mittlerweile komplett geräumten Gebäudes im ersten Quartal 2024, nun soll es frühestens das vierte Quartal 2024 sein. Dadurch verzögert sich die Neubebauung in Gänze, eine Fertigstellung pünktlich zur Internationalen Bauausstellung (IBA) 2027 in Stuttgart und Region wird damit unwahrscheinlicher.
Hintergrund sind geänderte Förderrichtlinien für das Projekt sowie gestiegene Baukosten. „Wir prüfen derzeit mehrere Fördermöglichkeiten für den Abbruch, dadurch verzögert sich der Zeitplan“, sagt BBG-Geschäftsführer Rainer Ganske. Geplant sei, Teile des Abbruchmaterials wieder zu verwenden. Die Förderkulisse sei wichtiger Bestandteil der weiteren Planungen. Nicht zuletzt gehe es um die Optimierung der für die BBG anfallenden Baukosten. Ganske rechnet für das Projekt mit einer Bauzeit von rund vier Jahren.
Die BBG plant auf dem 6000 Quadratmeter großen Grundstück drei Gebäudekörper. Größtes und markantestes Gebäude soll ein 60-Meter-Hochhaus werden, das die Stadtsilhouette deutlich verändern wird und Böblingen vom Bahnhof aus ein neues Erscheinungsbild geben soll. Im Inneren sind verschiedene Wohnformen und Nutzungen vorgesehen. Das Gebäude soll in Holz-Hybrid-Bauweise erstellt werden und hohen Ansprüchen an nachhaltiges Bauen entsprechen. „Wir sind derzeit dabei, einen Standard der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen zu erfüllen, der erst von 2030 an gelten soll“, sagt Ganske.
Schattiger Vorplatz geplant
Auf der Nullebene soll es Durchwegungen in Richtung der Wilhelmstraße und Karlstraße geben. In den Entwürfen der madrilenischen Architekten Gutiérrez de la Fuente und UTA Stadtplaner aus Stuttgart sind ansprechende Flächen zu sehen mit schattigen Sitzgelegenheiten. Im hinteren Bauteil C plant die BBG mit gesundheitsnahen Nutzungen sowie Wohnungen. Insgesamt sollen auf dem gesamten Areal an die 160 Einheiten entstehen – mit Angeboten zum studentischen Wohnen oder auf Zeit.
Entstanden ist die Idee zu dem Hochhaus im Rahmen eines von der IBA vorgegebenen Prozesses unter Einbeziehung von Bürgern. Gemeinsam mit Experten wägten diese zwischen verschiedenen Kubaturen für einen Neubau ab – und entschieden sich für das Hochhaus und zwei weitere Gebäudekörper. Einer davon, der Bauteil B zur Bahnhofstraße hin, soll von der Stadt Böblingen erworben werden. Sie beabsichtigt, darin die Volkshochschule und die Stadtbibliothek unterzubringen. In den derzeitigen Entwürfen ist ein Lesegarten auf dem Dach oberhalb der Bahnhofstraße geplant.
Post zieht langfristig ins Hospiz
Schon seit Längerem zogen die Postbank und die darin integrierte Postfiliale ins Einkaufszentrum jenseits der Brumme-Allee, das sich ebenfalls im Besitz der BBG befindet. In diesem Interim bleibt die Post, bis die BBG 2024 das Hospiz an der Ecke Tal- und Karlstraße fertigstellt. Dort ist im Erdgeschoss bereits eine Fläche für die Post vorgesehen, den geplanten Einzug bestätigte die Postbank jüngst noch einmal.