ICE-Neubaustrecke Stuttgart-Ulm Für und Wider der Wendlinger Kurve

Eine der größten Baustellen des Kreises: Der Rohbau der Kleinen Wendlinger Kurve (Mitte) ist fertig, die Große (rechts oben) muss noch gebaut werden. Foto: DB/Arnim Kilgur

Das Bauvorhaben Große Wendlinger Kurve wird sehr unterschiedlich betrachtet. Nachdem die Betroffenen, dazu zählen auch Kommunen und Behörden, ihre Bedenken geäußert haben, geht das Verfahren jetzt in die nächste Phase.

Wendlingen - Das Planänderungsverfahren zum Bau der Großen Wendlinger Kurve befindet sich in der nächsten Phase. Betroffene Bewohner, Kommunen und Behörden hatten die Gelegenheit, Einwendungen gegen das Vorhaben einzureichen. Die DB Projekt Stuttgart-Ulm, die den Träger des Projektes DB Netz vertritt, hat diese Einwände geprüft und Erwiderungen ausgearbeitet, die die Betroffenen nun einsehen können, wie das Regierungspräsidium Stuttgart mitteilt. Bis zum 25. Februar haben die Beteiligten jetzt noch einmal die Möglichkeit, sich schriftlich zu den Erwiderungen zu äußern.

 

Was steckt hinter der Wendlinger Kurve?

Ein Rückblick: Bereits 2016 wurde mit dem Bau der Kleinen Wendlinger Kurve begonnen. Dabei handelt es sich um einen Zugtunnel bei Wendlingen, der die Neubaustrecke von Stuttgart nach Ulm mit der Bestandsstrecke Plochingen – Tübingen verbindet. Dadurch können die Regionalzüge aus Tübingen über den Flughafen zum Stuttgarter Hauptbahnhof fahren.

Weil die Kleine Kurve jedoch nur eingleisig geplant ist, wurde vonseiten des Landes befürchtet, dass diese Stelle zu einem Nadelöhr werden könnte. Deshalb war die zweigleisige Variante, die Große Wendlinger Kurve, mit zusätzlichem Tunnel im Gespräch. Sie sollte eine kreuzungsfreie Anbindung der Regionalzugstrecke an die ICE-Trasse ermöglichen. Allerdings teilte die Bahn mit, dass eine einspurige Variante reiche. Hinzu kamen die Kosten, die auf 100 Millionen Euro geschätzt wurden. Zunächst begannen deshalb nur die Arbeiten an der Kleinen Kurve, der Tunnelrohbau ist mittlerweile fertig.

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Am 3. Mai 2019 erklärte der Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), dass sich Baden-Württemberg doch die zweigleisige Variante leisten möchte. Die Kosten teilen sich deshalb das Land und der Bund untereinander auf. Der Bau der Großen Kurve wird von der Bahn geleitet. Begründet wurde diese Entscheidung des Landes damit, dass in die Zukunft gedacht werde. Wenn das Vorhaben umgesetzt wird, ist zudem eine Verlängerung der S-Bahn vom Flughafen in Richtung Kirchheim baulich möglich.

Was sind die Kritikpunkte?

Zum einen werden die Kosten kritisch gesehen. Im Juni 2020 wurde bekannt, dass der Bau wohl etwa 23 Prozent teurer werden kann, als zunächst angenommen. Ursprünglich war eine Reserve von zehn Prozent einkalkuliert. Das Verkehrsministerium teilte mit, dass der enge Terminplan der Grund für die gestiegenen Kosten sei. Weil die Neubaustrecke Stuttgart-Ulm im Dezember 2022 in Betrieb gehen soll, muss auch der Bau der Kurve bis dahin abgeschlossen sein.

Außerdem beschäftigt das Projekt die Stadt Wendlingen mit Stadtteil Unterboihingen, die sich in der unmittelbaren Nähe des Schienenbaus befinden, sowie die Gemeinden Oberboihingen und Unterensingen. Der Lärm, der auf der gewaltigen Baustelle erzeugt wird, bereitet ihnen Sorge. Genau wie die Straßensperrungen und Einschränkungen, die während der Bauzeit kommen könnten. Im Zuge des Planänderungsverfahrens wurden im Juni und Juli vergangenen Jahres, die Planunterlagen des Projektes im Internet veröffentlicht. Dabei zeigte sich, dass besonders Oberboihingen betroffen ist. Dort rückt der Tunnel sehr nahe an die Bebauung heran. Außerdem könnten dadurch deutlich mehr Züge durch die Gemeinden fahren.

Was passiert nun?

Weil sie die ICE-Neubaustrecke unterquert, befinden sich bereits Teile der Großen Wendlinger Kurve im Bau. Dabei handelt es sich um Arbeiten direkt an der Trasse, die nur unter großem Aufwand hätten nachgeholt werden können. In dem Planänderungsverfahren geht es nun um das Herzstück des Projektes: den Tunnel vor den Toren Wendlingens. Dieser muss noch gebaut werden.

Nachdem die Einwände der Beteiligten geprüft wurden, hätte normalerweise ein Erörterungstermin in Präsenz stattgefunden. Wegen der schwierigen pandemischen Lage ist dies derzeit jedoch nicht möglich. Die zuständige Anhörungsbehörde, das Regierungspräsidium Stuttgart, hat aus diesem Grund eine Online-Konsultation erstellt. Wer einen Einwand gestellt hat, wurde individuell benachrichtigt und hat nun bis kommenden Freitag Zeit, sich schriftlich oder elektronisch zu äußern. Verpflichtend ist die Teilnahme an der Konsultation nicht.

Online-Konsultation zur Wendlinger Kurve

Prinzip
 Bis zum 3. September 2021 hatten Kommunen, Behörden und Betroffene die Möglichkeit, der Deutschen Bahn ihre Ängste, Zweifel und Bedenken bezüglich des Baus der Großen Wendlinger Kurve mitzuteilen. Die Bahn hat diese Einwendungen geprüft und Erwiderungen erarbeitet. Diese können die Beteiligten des Planänderungsverfahrens nun einsehen und sich wiederum dazu äußern.

Konfliktlösung
 Nach der ersten Schleife folgt eine zweite. Danach, so die Hoffnung, sind einige Konflikte bereits geklärt. Am Ende gehen die Einwendungen und Erwiderungen an das Eisenbahn-Bundesamt, das das Bauvorhaben Große Wendlinger Kurve entweder genehmigt oder nicht.

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