Idee für Friedensprojekt in Backnang Kunstwerk für den Frieden
Der Backnanger Bildhauer Norbert Kempf hat ein Kunstwerk entworfen: Ein hufeisenförmiger Friedensort zur gedanklichen Einkehr.
Der Backnanger Bildhauer Norbert Kempf hat ein Kunstwerk entworfen: Ein hufeisenförmiger Friedensort zur gedanklichen Einkehr.
Noch ist es nur eine Idee, so zart wie ein junges Pflänzchen. Doch geht es nach den Vorstellungen der Künstler Ernst Hövelborn, Norbert Kempf und Eduard Losing, dann könnte mithilfe der Stadt Backnang und ihrer Bürger daraus ein neues Projekt erwachsen: ein „Friedensort“, wie die drei ihn nennen.
Es gehe darum, „einen Ort zu schaffen, einen tópos, dessen ,Ortung‘ darin besteht, für den Frieden und das Gebet mit der Bitte für Frieden da zu sein“, erläutert Hövelborn. Hierzu will der Bildhauer Norbert Kempf eine hufeisenförmige, zweischichtige Trockenmauer aus Muschelkalksteinen errichten, wie sie auch im Stiftshof zu sehen sind.
Die Mauer ist nach Süden zur Sonne hin geöffnet und läuft in einer Schlaufe nach oben, erklärt Kempf: „Sie ist am Anfang innen breiter, um dort den Sockel für eine Sitzbank zu bilden.“ Nach jeder Schicht werde die Mitte der Mauer mit Zement verfüllt, um die einzelnen Steine innen zu verbinden und nach außen offene Fugen zu bewahren. „Die könnten als Raum für Pflanzen oder kleine private Gegenstände und Friedensbotschaften der Besucher bieten“, sagt der Bildhauer. Ebenso wurden innen, um mehr Raum für persönliche Gegenstände zu erhalten, an geeigneten Stellen Steine weggelassen, wobei dann kleine Nischen entstehen.
„Im Zentrum der Mauer steht ein Olivenbaum, von Wind und Wetter geschützt durch eine nach Süden geöffnete, umarmende Mauer“, ergänzt Hövelborn. Es sei ein Prozess: „Mauer und Olivenbaum wachsen in Wechselwirkung mit Hilfe interessierter Bürgerinnen und Bürger in die Höhe.“ Deren Hilfe könne durch das tatsächliche Errichten der Trockenmauer erfolgen oder monetär über eine Spende, die zu gleichen Teilen dem konkreten Backnanger Projekt und einem anderen Friedensprojekt auf der Welt zu Gute komme. Infrage kämen laut Norbert Kempf beispielsweise Projekte in den Partnerstädten. „Das müsste man noch konkretisieren, aber ich bin zuversichtlich, dass wir geeignete Projekte finden.“
Wachsen soll das Projekt nicht nur in der Realität, sondern auch im virtuellen Raum. Dazu soll es eine eigene Webseite geben, die den Fortschritt dokumentiert und auf dem die einzelnen Spender, deren Friedensgrüße, beziehungsweise Friedenswünsche oder durch Spenden geförderte Friedens-Projekte benannt werden.
Erste Gespräche mit der Stadtverwaltung und den Kirchen habe es bereits gegeben. Weiter ins Detail gehen wolle man dann Anfang des kommenden Jahres. Mit entsprechender positiver Rückmeldung würde man weitere Schritte zur Realisierung angehen: „Um vor Ort zu beginnen, bräuchten wir ein Startkapital von rund 10 000 Euro“, schätzt Kempf. „Damit könnte man das Fundament schaffen, den Grundstein und die ersten drei Mauerringe legen“. Das Startkapital, das auch dazu dient, die Steine aus Muschelkalk zu besorgen und die Gründungen vorzunehmen, soll durch Spenden akquiriert werden.“ Eine Idee wäre, dass nach der Grundlegung – um den Mauerring nach und nach zu erhöhen – einzelne Steine verkauft würden, die dann mit dem Namen und einer persönlichen Friedensbotschaft der Spenderin oder des Spenders versehen werden könnten. Offen sei neben der Genehmigung und Finanzierung noch die Frage nach einem geeigneten Standort. „Ideal fänden wir einen Bereich im Stiftshof nahe der Kirche gegenüber dem Amtsgericht“, sagt Kempf. „Aber vielleicht haben andere noch bessere Ideen“, auch diese Frage soll im kommenden Jahr noch mit Vertretern der Stadt ausgelotet werden.
Mitgetragen wird das Projekt vom Arbeitskreis Erinnern und Gedenken im Heimat- und Kunstverein Backnang und der Gedenkstätte für die Opfer und Toten der NS-Gewaltherrschaft 1933-1945 in der Friedhofkapelle im Stadtfriedhof.
Aus künstlerischer Sicht handle es sich bei dem Projekt „um einen spezifischen Ort in Bezug auf einen bestimmten Vorgang, in diesem Fall den Frieden und dies wiederum im Zusammenhang mit dem, was ein Mensch zu einem anderen oder zu Gott sagen kann, was diskutabel, plausibel oder überzeugend sein kann“, erklärt Ernst Hövelborn. „Insofern ist auf der Basis dieser ,Ortung‘ dieser Ort verbunden mit der jeweiligen Art des Redens oder des Handelns über Frieden und dem Gebet, beziehungsweise der Bitte darum.
Fest steht für die Initiatoren, dass es sich bei der Pflanze im Zentrum um einen Olivenbaum handeln soll, auch wenn der nicht heimisch ist und er besondere Aufmerksamkeit braucht: „Der Olivenbaum in der Mitte steht als Symbol des Friedens“, so Hövelborn. „Im Winter muss er ähnlich geschützt werden wie der Frieden selbst.“