Die IG Metall Baden-Württemberg hatte auf dem Bundeskongress im Oktober in Frankfurt eine Niederlage erlitten, als ihr per Mehrheitsbeschluss untersagt wurde, einen mit dem Arbeitgeberverband Südwestmetall über Jahre weitgehend ausgehandelten Tarifvertrag zur Betriebsrente fertigzustellen. Das Sozialpartnermodell könnte zum Januar 2025 in die Praxis umgesetzt werden, wird nun aber auf Eis gelegt. Zitzelsberger weist im Interview unserer Zeitung den Verdacht von sich, dass er aus Ärger darüber hinwerfe.
Doch der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Daimler Truck, Michael Brecht, mahnt eine Aufarbeitung der Ereignisse an. „Ich habe oft nicht das Gefühl gehabt, dass es um sachliche Kritik und die Klärung von irgendwelchen Missverständnissen ging“, sagte er unserer Zeitung. Vielmehr sei personifiziert worden, und „bestimmte politische Meinungen sollten einfach durchgedrückt werden“. Es dürfe nicht sein, „dass es nach so einem politischen Diskurs fast keine andere Möglichkeit mehr gibt, als die persönliche Reißleine zu ziehen“, kritisierte er. „Das ist nicht okay für unsere Organisation.“
Es dürfe „nicht noch einmal passieren, dass wir führende Köpfe verlieren, die sich jeden Tag für unsere Organisation ins Zeug legen“, betonte Brecht. Er erwarte nun eine positive Diskussion in der Organisation darüber, wie die IG Metall die wirkungsvollsten Ergebnisse für die Beschäftigten erzielt, statt einer Neiddebatte nach dem Motto: „Was haben die in Baden-Württemberg schon wieder hingekriegt.“
Geschäftsführender Vorstand äußert Bedauern
Zitzelsberger hatte vor der Großen Tarifkommission in Pforzheim angekündigt, nächstes Jahr neue Ziele anzustreben. Brecht zufolge „verliert die IG Metall einen ihrer bedeutendsten Köpfe“. Der Bezirkschef habe viele Veränderungen vorangetrieben – er stehe „mindestens auf der gleichen Stufe“ wie seine namhaften Vorgänger. „Für mich wäre er auch ein super erster Vorsitzender der IG Metall gewesen“, sagte Brecht, ein langjähriger Weggefährte des Bezirksleiters. Vielleicht sei dieser aber an der einen oder anderen Stelle zu schnell gewesen, sodass viele Menschen mit der Veränderungsdynamik nicht zurecht kämen.
Die neue Führungsspitze traf die Ankündigung unvorbereitet. Der geschäftsführende Vorstand bedauerte den Schritt in einer gemeinsamen Erklärung. Zitzelsberger sei „auf allen Ebenen ein herausragender Kollege, ein Schwergewicht in der Tarifpolitik und ein Mensch, auf den man sich immer verlassen konnte“. Er habe „die IG Metall als Ganzes mit seinen Ideen, seinen Strategien und seinem Enthusiasmus weiterentwickelt und nach vorne gebracht“, hieß es. „Dafür sind wir ihm enorm dankbar.“
Südwestmetall lobt den „Weitblick“ Zitzelsbergers
Der Südwestmetall-Vorsitzende Joachim Schulz lobte Zitzelsberger als „Tarifpolitiker, der bereit war, alte Denkmuster über Bord zu werfen und zeitgemäße Regelungen mitzugehen“. Der Bezirksleiter wisse, „dass in einer Tarifrunde Kompromisse gefunden werden müssen, die für beide Seiten akzeptabel sein sollten“, so Schulz. Bei der betrieblichen Altersversorgung habe er seinen „tarif- und sozialpolitischen Weitblick unter Beweis gestellt“. Umso bedauerlicher sei es, „dass diese Sichtweise innerhalb der IG Metall keine Mehrheit gefunden hat“.
Südwestmetall wünscht sich nun, „dass die IG Metall bald eine personelle Nachfolge findet, die uns Kontinuität und eine weiterhin konstruktive Sozialpartnerschaft verspricht“.