IHK-Berufsparcours in Nürtingen Betriebe wollen mehr Mädchen einstellen
Vor allem Mädchen werden von den Betrieben umworben. Das haben mehrere Betriebe beim Berufsparcours der IHK in Nürtingen deutlich gemacht.
Vor allem Mädchen werden von den Betrieben umworben. Das haben mehrere Betriebe beim Berufsparcours der IHK in Nürtingen deutlich gemacht.
Wie bekommen Schülerinnen und Schüler Lust auf eine duale Ausbildung? Anfassen und ausprobieren sind wohl ein gutes Rezept, Interesse zu wecken, denn die Kennenlernstationen von 21 Betrieben, die in der Nürtinger Mörikehalle vertreten waren, konnten immerhin 400 Schülerinnen und Schüler zum Mitmachen animieren.
Berufsparcours nennt die IHK Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen ihr Angebot, das vor zehn Jahren eingeführt wurde, um Betriebe und junge Menschen zusammenzubringen. Diesmal reichte die Auswahl von der Balluff GmbH über die Dehoga Baden-Württemberg und das Finanzamt Nürtingen bis zu den Mövenpick Hotels Stuttgart und dem Transportunternehmen Schenker.
„Das ist eine hydraulische Pressschere“, erklärt eine junge Frau, die bei Netze BW in Esslingen ausgebildet wird. Am Tisch sitzen zehn Schülerinnen und Schüler, die aus den bereitgelegten Kabelabschnitten Schlüsselanhänger fertigen, indem sie die Kabel mit einem Metallstreifen verbinden und daran einen Ring anbringen. Während die Jugendlichen ihr Geschick beweisen, berichtet Ausbilder Andreas Pfäffle, wie wichtig die Azubis für den Betrieb seien. Der Nachwuchs trage viele technische Neuerungen wie beispielsweise den Drohneneinsatz in die berufliche Praxis, und das ergänze gut die Berufserfahrung, mit der wiederum langjährige Kolleginnen und Kollegen punkten können.
„Wir schätzen den IHK-Berufsparcours sehr, denn wir wollen Mädchen interessieren“, sagt Ausbilder Pfäffle, und seine Kollegin von der Berufsorientierung ergänzt: „Mädchen sind die besseren Techniker“, das sehe man beispielsweise an den Schaltschränken, wo sie mit präzisen und umsichtigen Installationen überzeugen könnten.
Da die typischerweise von Netze BW benötigten Fachkräfte wie Elektroniker und Anlagentechniker allerdings immer noch überwiegend als Männerberufe angesehen würden, veranstaltet Netze BW am 25. November einen ganztägigen Girls4Future-Tag, der sich an Mädchen ab Klasse 9 richtet.
Dass gemischte Gruppen gut fürs Betriebsklima sind, kann auch Thomas Kromer von Metabo bestätigen. Der Ausbilder bedauert den geringen Frauenanteil bei den gewerblich-technischen Berufen bei dem Nürtinger Traditionsunternehmen. Die letzte weibliche Auszubildende habe man 2013 eingestellt, während der Frauenanteil in der Lagerlogistik immerhin 50 Prozent betrage. „Wir suchen die Guten“, auf die bestehe ein regelrechter Run, darin sind sich David Simmons und Andreas Mathe vom Untertürkheimer Werk der Mercedes-Benz AG einig. Gesucht seien auch Hauptschüler mit Interesse an technischen Themen, und auch mit Noten zwischen drei und vier stünden noch alle Türen offen. Der beste Weg zum Ausbildungsvertrag sei nach wie vor ein vorgeschaltetes Praktikum, um sich gegenseitig kennenzulernen.
„Wir können die Klischees nicht aufbrechen, aber hier gibt es die Chance, viele Berufe spielerisch auszuprobieren“, beschreibt der IHK-Geschäftsführer Christoph Nold die Intention der Veranstaltung, die die IHK gemeinsam mit der Stadt Nürtingen, der Geschwister-Scholl-Realschule, der Mörikeschule, Grund- und Werkrealschule, und der Neckar-Realschule sowie dem Max-Planck-Gymnasium ausgerichtet hat.
„Das riecht interessant und macht Spaß zu verarbeiten“, erklärt eine Schülerin, die am Infotisch der Firma Pfänder Fensterbau eine Glasscheibe in einen Fensterrahmen einkittet. Tatsächlich ist der Beurener Betrieb der einzige Handwerksvertreter beim Berufsparcours. Warum die händeringend nach Nachwuchs suchende Branche kaum bei der Nürtinger Messe vertreten ist, versucht IHK-Mann Dieter Proß, der das Referat Beruf und Qualifikation leitet, so zu erklären: „Die Kreishandwerkerschaft versucht, die Betriebe dafür zu begeistern, aber vor allem den kleineren fehlt für so etwas einfach die Zeit.“
Laut der Agentur für Arbeit Göppingen-Esslingen hat sich die Hitliste der zehn beliebtesten Berufswünsche übrigens auch im vergangenen Ausbildungsjahr kaum geändert. Ganz oben rangiert weiter der Kfz-Mechatroniker. Zugewinne erleben neuerdings der Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik und der Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik. Dabei ist die Auswahl mit rund 350 Ausbildungsberufen im Kreis Esslingen weiterhin sehr groß.
Auszeichnung
Das von der IHK Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen betreute Netzwerk Schule Wirtschaft Esslingen-Nürtingen wurde vom Bundeswirtschaftsministerium mit einem Preis beim bundesweiten Wettbewerb „Das hat Potenzial!“ in der Kategorie „Vorbildliches regionales Netzwerk“ ausgezeichnet. Gewürdigt wurde das herausragende Engagement im Bereich Übergang Schule/Beruf. Die Berufsorientierungs-Plattform für den Kreis Esslingen wird vom Staatlichen Schulamt Nürtingen betrieben.
Beginn
Der erste IHK-Berufsparcours fand am 20. November 2013 in Neuffen statt. Seither konnten fast 10 000 Schülerinnen und Schüler in 18 Veranstaltungen Berufe anhand von Aufgaben kennenlernen.
Termin Das Zehn-Jahr-Jubiläum des IHK-Berufsparcours wird noch ein zweites Mal gefeiert: Die nächste Veranstaltung wird am 30. November in Kirchheim stattfinden.