Illegale Migranten in den USA Die Unerwünschten müssen raus

Die geplante Reform des US-Einwanderungsgesetzes lässt Abgeschobene, wie diesen 30-jährigen Mexikaner, hoffen. Foto: dpa
Die geplante Reform des US-Einwanderungsgesetzes lässt Abgeschobene, wie diesen 30-jährigen Mexikaner, hoffen. Foto: dpa

In den USA geht jeder Bundesstaat anders mit illegalen Einwanderern um. Arizona ist am grausamsten. Eine Reform des Einwanderungsgesetzes soll das ändern.

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Phoenix - In der North Central Avenue der Stadt Phoenix im US-Bundesstaat Arizona, wohnt das Böse. Für die meisten Bürger ist es eine gewöhnliche Geschäftsgegend, für die Garcías ist es das Herz der Finsternis. „Immigration and Customs Enforcement“ (ICE) prangt über dem Eingang von Hausnummer 2035. Heute wird Familie García das Böse herausfordern. Heute demonstriert sie vor dem Gebäude, denn Edie, der Vater, soll abgeschoben werden. „Als sie ihn geholt haben, durfte ich mich nicht von ihm verabschieden“, erzählt sein Sohn José. „ICE hat diesen Kindern den Vater genommen“, sagt die Mutter und drückt ihre Tochter an sich. ICE ist das Kürzel für die Kälte, die das Land ihrer Träume den Garcías entgegenbringt.

600 Kilometer weiter westlich, in Kalifornien, könnten zwei illegale Migrantinnen glücklicher kaum sein. Miriam González und Mariana Vega sitzen vergnügt im Büro der Studentenorganisation Ideas, die an der University of California Los Angeles immatrikulierte illegale Migranten unterstützt. Sie reden miteinander, worüber Kommilitoninnen so reden: Kurse, Professoren, Prüfungen. Worüber sie nicht mehr sprechen: dass ihre Eltern die Gebühren nicht aufbringen können. Anstatt die zwei Frauen nach Mexiko abzuschieben, hat der Staat Kalifornien ihnen und anderen illegalen Einwanderern Stipendien gegeben.

Mehr als elf Millionen illegale Migranten leben in den USA

Die USA sind das größte Einwandererland der Welt, auch für illegale Migranten. Nach Schätzungen des Department of Homeland Security sind es mehr als elf Millionen. Die meisten stammen aus Zentral- und Südamerika. Ihnen mit einer Reform einen Weg aus der Illegalität zu eröffnen gehört zu den Wahlversprechen von Präsident Barack Obama. Am Dienstag hat ein entsprechendes Gesetz eine zentrale Hürde genommen, die Mehrheit der Senatoren stimmte für eine Reform. Bis diese greift, unterscheidet sich der Umgang mit illegalen Migranten weiterhin von Bundesstaat zu Bundesstaat. Obwohl Einwanderungspolitik Sache des Staates ist, mischen sich die Länder mit eigenen Gesetzen ein und legen föderales Recht unterschiedlich aus. Während Arizona Jagd auf illegale Einwanderer macht, gewährt ihnen Kalifornien Erleichterungen. Zwei Bundesstaaten von 50, zwei direkte Nachbarn, zwei Extreme.

Auf dem Campus in Los Angeles erzählen sich Miriam und Mariana von ihrer behüteten Kindheit. „Als ich mit 16 Jahren jobben wollte und meine Mutter nach meiner Sozialversicherungsnummer fragte, erfuhr ich, dass wir Illegale sind“, sagt Miriam, eine 19-jährige Biologiestudentin. Mariana erzählt, dass ihre Eltern sie sogar auf Klassenfahrten an die mexikanische Grenze haben mitgehen lassen. „Abschiebungsangst hatten wir nicht“, sagt die 20-jährige BWL-Studentin. Den letzten Satz hört ein Kommilitone, der eben das Büro von Ideas betreten hat. „Zumindest nicht so wie die Migranten in Arizona“, fügt er hinzu.

Schluchzend bittet José darum, dass sein Vater bleiben darf

Dort in der Stadt Phoenix lockt die Demonstration vor der Immigrationsbehörde die Medien an. Vor Mikros und Kameras verliest der pummelige José einen Brief an den Präsidenten. Schluchzend bittet er darum, seinen Vater nicht abzuschieben. Edie habe sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Er lebe seit zehn Jahren in den USA, seine Kinder seien hier geboren und damit US-Bürger. Unterstützer halten Schilder hoch. Reden werden gehalten und stürmisch beklatscht.

In Arizona müssen Einwanderer ohne Papiere die Polizei fürchten, doch nirgendwo so sehr wie in Maricopa County. Dort regiert Sheriff Joe Arpaio, der selbst ernannte „härteste Sheriff der Welt“. Für linke Blätter ist er der „Antimigrationskreuzritter“, rechte Medien feiern ihn als Mann der Tat. Obwohl er mehrmals wegen rassistischer Praktiken und Menschenrechtsverletzungen verklagt wurde – unter anderem vom US-Justizministerium – hat Maricopa County, eine Republikaner-Hochburg, ihn zum sechsten Mal wiedergewählt. Seine Lösung für Migranten: abschieben.




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