Illegaler Handel fliegt in Sachsenheim auf Geschäft mit Welpen aus Qualzucht boomt
Hundewelpen von dubiosen Züchtern aus Osteuropa werden skrupellos gehandelt. Ein Fall schlug jetzt in Sachsenheim auf.
Hundewelpen von dubiosen Züchtern aus Osteuropa werden skrupellos gehandelt. Ein Fall schlug jetzt in Sachsenheim auf.
Hunde können treue Begleiter sein – und liegen im Trend, wie Studien belegen. Doch auch der illegale Handel mit Welpen boomt. Experten warnen indes vor schnellen Billigkäufen aus Online-Portalen. Hinter den Anbietern stecken häufig dubiose Züchter in Osteuropa, die Tiere rücksichtslos quälen. Am Ende eines langen Transports aus Kroatien landete vor einigen Tagen der Malinois Hercules in Sachsenheim im Kreis Ludwigsburg.
Der Welpe war für 900 Euro auf dem Internetportal Quoka.de angeboten worden. Die Händler wollten das ungeimpfte Tier mit falsch ausgestellten Dokumenten an den Mann bringen. Wahrscheinlich hätte Hercules einen dankbaren Käufer gefunden, wenn nicht zwei Mitarbeiterinnen der Tierschutzorganisation Peta die Pläne der skrupellosen Händler durchkreuzt hätten. Sie hatten sich als mögliche Käufer ausgegeben. Bei der geplanten Übergabe in Sachsenheim stellten die Peta-Frauen mithilfe der Polizei und Mitarbeitern des Veterinäramtes im Kreis Ludwigsburg den illegal gehandelten Hund sicher.
Das Geschäft mit Tierbabys über Internetportale floriert. Allein im Januar 2024 wurden auf den größten Onlineplattformen mehr als 20 000 Welpen angeboten, berichtet Jana Hoger, Fachreferentin bei der Peta in Stuttgart. Händler verlangten für die süßen Welpen häufig mehr als 1000 Euro. Die Muttertiere in den osteuropäischen Zuchtfarmen würden tagtäglich gezwungen, teils ohne Tageslicht in engen Käfigen in ihren eigenen Fäkalien auszuharren. Viele von ihnen leiden laut der Tierschutzorganisation an schmerzhaften Hautkrankheiten. „Die Mütter erfüllen in ihrem kurzen Leben in der Branche nur einen Zweck: dauerhaft Welpen zu gebären“, sagt Jana Hoger. Seien die ausgemergelten Tiere nicht mehr „produktiv“ genug oder zu alt, würden sie schließlich getötet oder ausgesetzt.
Ein argloser Käufer in Deutschland erlebt in der Regel später eine böse Überraschung. Die angebotenen Tierbabys sind oftmals schwer krank, verwurmt, ohne Impfschutz und voller Parasiten, erklärt Jana Hoger. „Die Quote illegaler Verkäufe ist erschreckend hoch“, sagt sie. Für die Peta stoße sie bei ihren Recherchen von Online-Angeboten fast täglich auf Fälle. Die Tierschutzorganisation setze sich deshalb für ein Verbot des Online-Handels von Tieren ein. Beim Anbieter eBay Kleinanzeigen habe man Erfolg gehabt. Dort sei der Handel mit unter einjährigen Hunden untersagt worden.
Der neue Entwurf für das Tierschutzgesetz der Regierungskoalition verbietet unter anderem den Verkauf von Tieren auf öffentlichen Plätzen, wie es bei dem Fall in Sachsenheim geschehen sollte. Doch diese Regelung geht der Peta-Mitarbeiterin Jana Hoger nicht weit genug. „Wir fordern, generell den Verkauf von Tieren über Online-Plattformen zu verbieten.“ Die Kaufinteressenten sollte sich vor allem an Tierheime wenden müssen. „Die Händler werden mit ihren Methoden immer raffinierter.“
Die Transporte aus fernen Ländern nach Deutschland schwächen die Welpen. Völlig verstört war auch der in Sachsenheim sichergestellte Hercules, hat Ursula Gericke, Leiterin des Tierheims in Ludwigsburg beobachtet. Bei ihr ist Hercules nun untergebracht. Er müsse drei Wochen in Quarantäne bleiben. Das sei nötig, weil er schon nach acht und nicht erst nach zwölf Wochen gegen Tollwut geimpft worden sei. „Es tut ihm nicht gut, wenn er in Quarantäne ist, aber wir kümmern uns um ihn.“ Hercules sei sehr schüchtern gewesen und voller Parasiten.
Wer einen Hund illegal erwirbt, muss mit hohen Folgekosten rechnen. „Es kommen schnell 1000 Euro zusammen“, erzählt Ursula Gericke, denn die Untersuchungen durch die Tierärzte, deren Behandlungen und die mögliche Unterbringung in einer Tierklinik summierten sich. Zudem seien Welpen, die früh von ihrer Mutter getrennt würden, meistens verhaltensgestört. Sie bereiteten den neuen Besitzern viel Kummer.
Ein generelles Verbot des Online-Angebots hielte der Verband für Deutsches Hundewesen mit Sitz in Dortmund für übertrieben. Das Internet ermögliche die Kontaktaufnahme mit seriösen Züchtern, außerdem böte das Medium Chancen für Ermittlungen und Registrierung. Allerdings müsse der Handel im Netz stärker kontrolliert werden.
Ein Auge auf den Welpenhandel hat auch das Landratsamt Ludwigsburg. Es gebe jedoch keinen Verdacht, dass ein organisierter krimineller Händlerring hier ansässig sei, teilt der Sprecher Andreas Fritz mit. Vom Online-Erwerb rieten die Veterinäre der Kreisbehörde ab. „Beim Hundekauf sollte man sich grundsätzlich an seriöse Züchter oder Tierheime in der Umgebung wenden.“
Das Hauptproblem für das Veterinäramt sind offenbar nicht Händlerringe, sondern fehlende Tollwutimpfungen – und die träten bei Privatpersonen auf, die einen Hund aus dem Ausland mitbrächten. Das Tollwutvirus sei zwar in Deutschland erfolgreich bekämpft worden, doch könnten sich ungeimpfte Tiere im Herkunftsland infiziert haben und das Virus weitergeben. Das Landratsamt registrierte im Jahr 2022 163 illegale Welpeneinfuhren, im Jahr 2023 standen 89 Fälle zu Buche und in diesem Jahr bereits 17.
Kauf
Der Verband für Deutsches Hundewesen (VDH) mit bundesweit 600 000 Mitgliedern weist auf den zeitlichen Aufwand, aber auch auf die Kosten für einen Hund aufmerksam. Zum rassenabhängigen Kaufpreis von 800 bis 2000 Euro für einen Welpen kommen weitere Ausgaben.
Haltung
Als Posten führt der VDH 25 bis 50 Euro monatlich für Futter, zwei Näpfe (15 bis 60 Euro), eine Hundedecke (20 bis 40 Euro), ein Hundebett (30 bis 90 Euro), Leine und Halsband (30 bis 80 Euro) und Sicherheitsequipment (10 bis 30 Euro in der Dunkelheit, 30 bis 120 Euro für das Auto) auf. Jährliche Kosten kommen für Entwurmungen (25 bis 50 Euro), für Impfungen (60 bis 120 Euro mit Untersuchung), Hundesteuer (25 bis 160 Euro) und Haftpflichtversicherung (60 bis 80 Euro) hinzu.