Illegaler Tierhandel Hinschauen, wenn’s nebenan bellt und riecht

Vom süßen Anblick sollte man sich nicht täuschen lassen (Symbolbild). Foto: imago/Zoonar.com/weh-zet.de

Illegal gehandelte Hunde, Katzen und Co., die in Tierheimen landen, überfordern die Einrichtungen oft. Jeder muss hinschauen und helfen, bevor es zu spät ist, meint unsere Autorin Lena Hummel.

Wer schmilzt nicht dahin, wenn kleine Knopfaugen einen zuckersüß anstrahlen? Wenn sich Welpen und Kitten wie ein riesiges Fellknäuel zusammenkauern und Schutz suchend aneinanderschmiegen. Im Internet werden solche und ähnliche Bilder gezeigt und Tiere, die darauf zu sehen sind, zum Kauf angeboten.

 

Doch das illegale Geschäft mit jungen Tieren im Internet, die oft aus dem Ausland kommen, ist grausam. Das ist dann der Fall, wenn bei der Aufzucht, beim Transport und beim Verkauf gegen den Tierschutz wird. Jungtiere werden oft viel zu früh von ihren Müttern getrennt, gequält und unter tierschutzwidrigsten Bedingungen gehalten. Gut also, dass Polizei und Veterinäramt immer wieder Tierhändler ins Netz gehen, schlecht dass Tierheime, in denen Hunde, Katzen, Vögel, Kaninchen und Co. dann unterkommen, ohnehin überlastet sind.

Umfrage belegt hohe Belastung

Laut Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbunds, ist die Lage in den Einrichtungen so dramatisch wie nie zuvor. Allein den Investitionsstau in Tierheimen des Tierschutzbundes bezifferte Schröder auf 160 Millionen Euro. Insgesamt gehe er von einem Bedarf von gut 200 Millionen Euro aus.

Einer Umfrage des Redaktionsnetzwerk Deutschland in einer Stichprobe von 85 Tierheimen in ganz Deutschland zufolge schätzten drei von vier Einrichtungen ihre Auslastung mindestens als hoch ein. Dass es so weit kommen konnte, dafür gibt es eine ganze Reihe von Problemen und Versäumnissen.

Tierhandel ist lukrativ

Der Handel mit Tieren ist lukrativ: Wer illegal etwa Welpen handelt, kann mit dem Verkauf eines Tieres schon mal mehrere Tausend Euro verdienen. Denn angeboten werden oft reinrassige Tiere, wie Zwergspitz und Malteser. Kosten entstehen auf der anderen Seite kaum: Die Tiere sind in vielen Fällen verwahrlost, krank und werden auf engstem Raum gehalten.

Jeder kommt an ein Tier: Während Züchter und Tierheime in der Regel zumindest im Ansatz wissen wollen, wo das Tier zukünftig leben wird, geht es beim illegalen Handel nicht um das Tierwohl, sondern einzig um den Profit. Die Konsequenz: Jeder, der die nötigen Scheine hat, kann Hund, Katze und Co. kaufen. Ein Chihuahua gegen plötzliche Einsamkeit oder eine Siamkatze zum nächsten Geburtstag? – kein Problem! Ob sich ein Interessent seine Kaufentscheidung wirklich gut überlegt hat, interessiert nicht.

Illegal gehandelte Tiere oft krank

Ein Tier kostet Geld: Ins Haus holt man sich also ein Tier, dass nicht nur in der Anschaffung teuer ist, sondern mit großer Wahrscheinlichkeit krank sein wird. Zu horrenden Tierarztkosten, die seit Einführung der neuen Gebührenordnung im November 2022 noch gestiegen sind, kommen Kosten für Futter, Pflege, Steuer, Versicherung und Hundeschule.

Das Tier ist auffällig: Weil Jungtiere aus dem Ausland meist viel zu früh von der Mutter getrennt werden, die Transporte lang sind und die Bezugspersonen in einer wichtigen Entwicklungsphase oft wechseln, kann es zu Verhaltensstörungen kommen, die bleiben. Insbesondere Hunde sind dann oft ängstlich oder aggressiv – oder anderes formuliert: Problemtiere.

Es geht nicht ums Verpetzen oder Denunzieren

Und was ist die Konsequenz aus all dem? Im besten Fall werden illegale Händler hochgenommen, bevor Tiere überhaupt vermittelt werden. Im schlechteren Fall werden sie verkauft und dann aber doch wieder abgegeben, weil sich Frauchen oder Herrchen die Versorgung nicht mehr leisten können oder wollen, oder mit der Haltung überfordert sind.

Deshalb ist es wichtig, dass jeder und jede genau darauf achtet, ob es nebenan besonders laut bellt und unangenehm riecht, oder ob der geparkte Transporter vor der Türe übermäßig viele Hundeboxen geladen hat. Es geht nicht um Amtsanmaßung oder Spießbürgertum, nicht ums Verpetzen oder Denunzieren. Es geht darum aufmerksam hinzuschauen. Wenn es Zweifel gibt, dass Tierzucht und -haltung krankhaft und illegal sind, dann sollten die Behörden eingeschalten werden. Nur so kann man sichergehen, dass die zuckersüßen Knopfaugen auch wirklich strahlen.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Tierheim Kommentar