Immersive Ausstellungen in Stuttgart Adieu, Tutanchamun! Willkommen, Da Vinci!

Das 360-Grad-Kino der Ausstellung „Tutanchamun“ läuft noch bis zum 28. März. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

An den Rekord von Monet reicht Tutanchamun nicht heran, doch die Veranstalter sind sehr zufrieden. Sie verlängern die Öffnungszeiten der immersiven Schau, die ins alte Ägypten führt, bis zum 28. März. Nach Ostern folgt Da Vincis Abendmahl.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Vor einem Jahr sind die Verkaufszahlen für die 360-Grad-Ausstellung „Monets Garden“ im Anbau der Schleyerhalle geradezu explodiert. Die Grenzen zwischen Illusion und realer Welt verschwinden dank digitaler Technik. Man schaut sich nicht Originale an, sondern klettert quasi mittenrein in Kopien. Seitdem setzen immer mehr Veranstalter auf das Zauberwort Immersiv.

 

Der französische Altmeister Claude Monet lockte als neues Rundum-Erlebnis von Dezember 2022 bis März 2023 mehr als 170 000 Besucherinnen und Besucher allein in Stuttgart an. Mit so einer hohen Zahl kann die Nachfolge-Schau „Tutanchamun“ nicht aufwarten, die sich am 28. März aus Stuttgart verabschiedet. Am Ende werden es bei der Zeitreise ins alte Ägypten, in die geheimnisvolle Welt der Götter und Pharaonen, über 100 000 zahlende Gäste sein. Der Rückgang überrascht Birgit Hohl, die Sprecherin von Alegra Exhibition, freilich nicht: „Aufgrund der beiden VR-Erlebnisse bei ,Tutanchamun’ war klar, dass die Taktung der Besucherzahlen pro Tag anders ist.“

In Stuttgart hat das Metaversum Weltpremiere gefeiert – dies ist ein Extra-Raum, in dem eine irrwitzige Expedition an der Seite von Howard Carter möglich wird, dem Entdecker des Grabes von Tutanchamun im Tal der Könige in West-Theben. Dazu muss man sich eine Virtual-Reality-Brille aufsetzen. Diesen Bereich gab es bei den „Tutanchamun“-Ausstellungen in Hamburg und in Wien nicht.

Es gibt wieder Karten

Im Endspurt ist die Nachfrage noch einmal gewaltig angestiegen. Es gibt nun wieder Karten für den Anbau der Schleyerhalle, weil die Veranstalter die Öffnungszeiten erweitert haben. Freitags, samstags und sonntags kann man nun die Ausstellung gar bis 22 Uhr besuchen. Während der Osterferien vom 25. bis zum 28. März werden die Tore bereits um 9 Uhr geöffnet. Reservierungen sollten online erfolgen.

Eine weitere Verlängerung von „Tutanchamun“ ist nicht möglich, da auch der Anbau der Schleyerhalle im April für das Porsche Tennis Grand Prix 2024 benötigt wird. In Madrid, wo die Ausstellung zum 100. Jahrestag des archäologischen Sensationsfunds von Howard Carter im November 2022 Premiere gefeiert hatte, lief sie über acht Monate und lockte mehr als 325 000 Besucherinnen und Besucher an. Jelle de Jong, der Chef des weltweit führenden Anbieters  Madrid Artes Digitales mit Sitz in Spanien, freut sich, dass der früh verstorbene Knabenpharo, der noch heute Rätsel aufgibt, seine Erfolgreise weltweit fortsetzt – weitere Stationen sind unter anderem Brasilien und Ägypten.

Gleich nach dem Tennis kommt die nächste Immersion in die Schleyerhalle: Die Stuttgarter Veranstaltungsagentur C2 Concerts zeigt vom 30. April bis 28. Juli Leonardo da Vincis „Das letzte Abendmahl“ ebenfalls auf der Fläche, die gerade von „Tutanchamun“ genutzt wird. „Mit dem laufenden Vorverkauf sind wir sehr zufrieden“, berichtet Veranstalter Christian Doll. Er ist überzeugt davon, dass der immersive Ausstellungstrend „weiter ungebrochen“ ist.

Pompeji kommt vorerst doch nicht nach Stuttgart

Leonardo da Vinci hat mit dem „letzten Abendmahl“ eines der bekanntesten Kunstwerke der Geschichte geschaffen. Das Original des weltberühmten Wandgemäldes ist im Speisesaal des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie in Mailand nur in einem kleinen Zeitfenster von wenigen Minuten zu sehen. „Zu wenig, um das berühmte Meisterwerk auch nur ansatzweise genau betrachten zu können oder es bis ins kleinste Detail zu studieren“, findet Christian Doll.

In der audiovisuellen, immersiven 360 Grad-Ausstellung tauchen die Besucherinnen und Besucher in das Szenario ein, so wie es sich Leonardo da Vinci vorgestellt und verewigt hat. Mit Hilfe modernster Technik wird auf jedes noch so kleine Detail des Gemäldes gezoomt und die minutiös inszenierten Reaktionen der zwölf Jünger gezeigt, als Jesus verkündet: „Einer von euch wird mich verraten!“.

Tickets sind erhältlich unter www.c2concerts.de/tickets und www.easyticket.de sowie telefonisch unter 0711 2 555 555 und bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Die Veranstalter von Alegra Exhibition wollen Ende des Jahres erneut mit einer immersiven Ausstellung nach Stuttgart kommen. Noch steht das Thema laut Sprecherin Birgit Hohl nicht fest. Vom Plan, die Erlebnisschau „ Die letzten Tage von Pompeji“ zu zeigen, die gerade in Madrid zu sehen ist, sei man allerdings abgerückt, sagt Hohl.

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