Fünf Monate haben sich Besucherinnen und Besucher in den Urbanharbour MM Studios in Ludwigsburg die Kunst von Gustav Klimt angeschaut. Am Sonntag endet die Ausstellung des österreichischen Jugendstil-Malers – wegen der großen Nachfrage zwei Monate später als geplant. Wie bei der vorherigen Ausstellung zu Vincent van Gogh hängen in den Räumen nicht Klimts Gemälde selbst. Sie werden durch Lichtin-stallationen mehrfach vergrößert und auf den Boden und an die Wände gestrahlt. Zu sehen sind mehr als 200 Kunstwerke.
60 000 Besucher haben die Ausstellung bislang besucht. Ein Großteil davon kam aus der Region, aber auch aus Würzburg, Saarbrücken und Frankfurt kamen die Menschen angereist, vereinzelt sogar aus dem europäischen Ausland. Den typischen Besucher gibt es nicht. Vertreten waren alle Altersgruppen, ungefähr jeder Zweite war über 50 Jahre alt.
Kein einziges Original
Animationen statt dem Original an der Wand, akustische Effekte statt andächtiger Stille im Museum: Ist die Klimt-Ausstellung auch für den fachmännischen Kunstkenner einen Besuch wert? „Der Rückmeldung nach wird die Ausstellung sowohl von Laien als auch von Kunstliebhabern besucht“, sagt Kerstin Bähker, Sprecherin des Veranstalters Livemacher. Wobei die möglicherweise enttäuscht werden, vermutet sie. Denn mit der gewohnten Kunstausstellung hat die „Klimt – The Immersive Experience“ kaum etwas gemeinsam. „Es ist eine neue Herangehensweise. Kunst wird durch das Multimediale in die aktuelle Zeit geholt“, sagt Bähker.
Die multimediale Erfahrung scheint der Grund für die vielen Besucher zu sein. „Ich muss zugeben, mit Kunst kann ich nicht viel anfangen. Aber diese Art von Ausstellung spricht mich an“, schreibt eine Besucherin in einer Google-Bewertung. Besonders beliebt: Der goldene Tunnel, ein Durchgang, worin viele Selfies entstanden sind. Kritisiert hingegen wurde der Aufpreis für die Nutzung der Virtual Reality-Brillen und die vielen Infotafeln, deren Inhalte sich mancher Besucher als Video ausgespielt gewünscht hätte.
„Es werden ganz neue Zielgruppen angesprochen“
Die Klimt-Ausstellung präsentiere Kunst zugänglicher als das klassische Kunstmuseum, sagt Bähker. Und auch Elmar Kunz, Geschäftsführer von Tourismus und Events Ludwigsburg, glaubt, dass sich der Zugang zu Kunst damit ausweitet. „Durch das Immersive Experience werden hier – das haben wir bereits bei Van Gogh, der Vorgänger-Ausstellung, festgestellt – ganz neue Zielgruppen, auch überregional angesprochen.“ Er beobachtet bei dieser Art von Ausstellung, die national wie international in Großstädten immer häufiger aufkommt, einen regelrechten Boom. Er sei froh, dass Ludwigsburg vorne mitspiele. Wie Kerstin Bähker freut er sich über die vielen Schulklassen, die in der Ausstellung mehr über den Wiener Künstler (bekanntestes Werk: „Der Kuss“) gelernt haben. „Die Klimt hat einen pädagogischen Auftrag und Wert“, sagt Kunz.
Die Stadt Ludwigsburg zieht ein durchweg positives Feedback. Dennoch: Museen, in denen man das gesamte Programm der Kunstvermittlung bereitgestellt bekomme, würden solche Ausstellung nicht ersetzen, sagt eine Sprecherin der Stadt.
Van Gogh, Klimt – und jetzt? Es wird weitere Immersive Experiences in Ludwigsburg geben, so viel stehe fest. „Der Standort bietet sich an, und die Leute wissen jetzt, dass es in den Urbanharbour Studios solche Ausstellungen gibt“, sagt Bähker. Konkrete Pläne gebe es allerdings noch nicht.
Die Ausstellung ist bis Sonntag, 18 Uhr, geöffnet. Tickets kosten am Wochenende 22 Euro. Besucher bis zum Alter von 15 Jahren zahlen 13 Euro, Studierende 16 Euro.