Immobilienbeben in USA Droht schon wieder die nächste Bankenkrise?
Es klingt wie ein Déjà-vu: Immobilienbeben in den USA, deutsche Banken müssen bangen. Besonders ein hiesiges Institut steht im Zentrum der Turbulenzen.
Es klingt wie ein Déjà-vu: Immobilienbeben in den USA, deutsche Banken müssen bangen. Besonders ein hiesiges Institut steht im Zentrum der Turbulenzen.
Geschichte wiederholt sich nicht. Oder doch? Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) gilt als größter deutscher Schadensfall der globalen Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 – etliche Milliarden an Steuergeld gingen für die Rettung der Skandalbank drauf. Rund 15 Jahre später rumpelt es wieder am US-Immobilienmarkt, dem Ausgangspunkt der damaligen Malaise. Mit der Deutschen Pfandbriefbank (PBB) steht ausgerechnet eine Nachfolgerin der kollabierten HRE im Zentrum der Turbulenzen. Auch andere deutsche Banken haben Kreditrisiken. Wie kritisch ist es diesmal?
Die Pfandbriefbank bemühte sich vergangene Woche, nervöse Investoren zu beruhigen, als Sorgen vor einer Schieflage aufgrund milliardenschwerer Engagements am kriselnden US-Büromarkt ihre Anleihen abstürzen ließen und die Aktie auf ein Rekordtief drückten. Die PBB bleibe „dank ihrer Finanzstärke weiterhin profitabel“, verkündete das Institut. Aufhorchen ließ, dass die Bank die Situation in ihrer Mitteilung selbst als „größte Immobilienkrise seit der Finanzkrise“ beschrieb. Auch Deutsche Bank, Aareal Bank, LBBW oder Helaba sollen in größerem Umfang am US-Immobilienmarkt engagiert sein.
Waren es 2008 vor allem faule Kredite für Finanzierungen am US-Häusermarkt, die die Finanzwelt erschütterten, liegen die Probleme diesmal bei Gewerbeimmobilien. Die Pandemie dämpfte die Nachfrage nach Büroflächen, dann setzten sich die neuen Arbeitsgewohnheiten durch, und das Homeoffice wurde für viele Beschäftigte zum Standard. Ein von Investoren ersehntes Comeback des Marktes machte nicht zuletzt die Zinswende zunichte, die Kapital- und Finanzierungskosten deutlich steigen ließ und die Immobilienbranche schwer belastete.
Die Pfandbriefbank ist nicht nur wegen ihrer Kreditrisiken in den USA ins Visier von Leerverkäufern geraten, die auf einen sinkenden Aktienkurs wetten. Sie hat auch Geld bei zahlungsunfähigen Signa-Firmen aus dem Reich des umstrittenen österreichischen Geschäftsmanns René Benko im Feuer, wie der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf die Insolvenzanträge berichtete.
Einer der Leerverkäufer ist der Londoner Hedgefonds Petrus Advisers, der Anfang vergangenen Jahres noch mit drei Prozent an der Deutschen Pfandbriefbank beteiligt gewesen war, sich dann aber zu einem der schärfsten Kritiker des Bank-Managements entwickelte. Petrus Advisers bemängelt bereits seit Monaten unzureichende Rückstellungen der Bank für ausfallbedrohte Immobilienkredite.
Die PBB hält den Kritikern entgegen, die Risikovorsorge kräftig erhöht zu haben und mit ihrer Kernkapitalquote – die den Anteil der hochwertigsten Finanzmittel in der Bilanz ausweist – weit über den regulatorischen Anforderungen zu liegen. Ob das bei einem extremen Krisenszenario ausreichen würde, ist unklar. Anleger sind jedenfalls beunruhigt, die Aktie ging in der vergangenen Woche auf Talfahrt und ist in den vergangenen zwölf Monaten um rund 50 Prozent gefallen. Auch die Deutsche Bank geriet an der Börse zuletzt wieder stärker unter Druck.
Die Probleme auf dem US-Gewerbeimmobilienmarkt sind angesichts massenhaft leer stehender Büros seit Langem bekannt. Doch das Ausmaß der Bedrohung verdeutlichte zuletzt die US-Regionalbank New York Community Bancorp, deren Bilanz wegen einer stark erhöhten Risikovorsorge für Kreditausfälle im vierten Quartal überraschend mit 252 Millionen Dollar (234,6 Millionen Euro) ins Minus geriet. An den Finanzmärkten kamen daraufhin Sorgen vor einer erneuten Bankenkrise wie im Frühjahr 2023 auf, als es mit der First Republic Bank, der Silicon Valley Bank und der Signature Bank die größten US-Bankenpleiten seit der Finanzkrise 2008 gab.
Mit einem erneuten Flächenbrand in der Finanzwelt rechnen Experten jedoch nicht. Zwar warnten sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin bereits vor Risiken für den Bankensektor, doch insgesamt gelten die Geldhäuser als wesentlich besser kapitalisiert und robuster aufgestellt als vor anderthalb Jahrzehnten. Entspannt klingt US-Finanzministerin Janet Yellen allerdings auch nicht. „Ich bin besorgt“, sagte sie jüngst vor dem Kongress. Die Situation sei zwar in den Griff zu bekommen, doch für einzelne Institute könne es ungemütlich werden.
Eine Eskalation wie 2023, als vor allem kleinere und regionale US-Institute ins Schlingern gerieten, halten die meisten Fachleute jedoch für unwahrscheinlich. Bislang kam es auch nicht im größeren Stil zu Abzügen von Kundeneinlagen. „Wir rechnen nicht mit einer Wiederholung der Krise des letzten Jahres, da sich die Sichtbarkeit bezüglich potenzieller Schwachstellen drastisch verbessert hat, während die Aussichten für die Zinsen ganz anders aussehen“, sagt Commerzbank-Analyst Marco Stöckle.