Immobilienprojekt am Bodensee Eine ganze Region ist fassungslos

Von Wolfgang Messner 

Am 28. Dezember 2010 erklärte der Werfteigner Dittmann der geschockten Belegschaft, die Werft müsse schließen. Eine ganze Region war fassungslos. Was sollte nun werden? Der Bodensee braucht eine große industrielle Werft. Aber zu dem Zeitpunkt hatten die drei Männer wohl schon längst ihre eigenen Pläne geschmiedet. Schon am 20. Oktober 2010 hatte der Gemeinderat ohne großes Federlesen den Bebauungsplan für das 50 000 Quadratmeter große Areal geändert. Der Weg für die Luxusbebauung war damit vorgezeichnet.

Aber warum sollte der Werftbetrieb eingestellt werden? Das Problem für Vater Wilhelm und Sohn Robert Dittmann war seit Langem die Vorfinanzierung der Aufträge. Am Ende drückten den Betrieb Schulden von rund 16 Millionen Euro. Dittmann junior war es leid, immer wieder die Banken anzubetteln, um die Gelder für neue Projekte vorzustrecken. Manche meinen auch, der 39-Jährige habe einfach nie richtig Lust auf den Schiffsbau gehabt.

Dabei hätte Dittmann schon im August 2010 aller Sorgen ledig sein können, denn die Stadtwerke Konstanz wollten schon damals einen Neubau für 20 Millionen Euro auf dem Bodan bauen. Dann kam Dittmann mit merkwürdigen Vorschlägen. Am Ende wollte er die Werft mehr als hundert Meter in ein Naturschutzgebiet hinein verlegen. Am Ende waren die Stadtwerkebosse so verärgert, dass sie mit Dittmann nichts mehr zu tun haben wollten. Der Weg für den Investor Schmeh war geebnet.

Anfang 2014 soll der Bebauungsplan stehen

Aber auf Schmeh ist man nicht überall gut zu sprechen. Mit seinem Projekt „Wohnen mit Bäumen“ in Überlingen etwa, das dem Kressbronner Vorhaben sehr ähnlich ist, hat er so seine Probleme – und mancher Eigentümer mit ihm. Schmeh muss sich vor Gericht und außergerichtlich gegen unzufriedene Erwerber der teuren Wohnungen mit Seesicht wehren. Diese klagen über eine mangelhafte und wenig luxuriöse Ausstattung der vermeintlichen Hochpreiswohnungen. Die Mängel würden, wenn überhaupt, nur schleppend und auch mangelhaft behoben. Grundsätzlich werde jedweder Mangel in Abrede gestellt.

Schmeh bestreitet die Vorwürfe entschieden. Alle Wohnungen seien in dem „vertraglichen Zustand geliefert und abgenommen worden“. Richtig sei, dass sein Unternehmen gegen vier Eigentümer Klage „auf Zahlung des Restkaufpreises“ eingereicht habe. Er vermute, dass die Zahlung „durch den Verweis auf Mängel hinausgezögert werden soll“. Die Gegner der Bodan-Bebauung wollten auch nach der Entscheidung des Gemeinderats nicht aufhören, ihn „mit Lügen und Verleumdungen“ zu beschädigen, schreibt er weiter.

Wie dem auch sei: mit dem Ende dieses Jahres werden die drei Männer ihrem Ziel ein großes Stück näher gekommen sein. Schon Anfang 2014 soll der Bebauungsplan folgen. Aber werden sich auch Käufer für das edle Luxusquartier am See nebst Yachthafen finden? Der Investor Schmeh, so ist zu hören, akquiriert bereits eifrig bei der einschlägigen Klientel vermögender Stuttgarter und sondiert Termine mit Notaren.

Kressbronn -