Impfpflicht gilt ab Mittwoch Akzeptable Impfquoten in Stuttgarter Heimen und Kliniken

Eine Auszubildende wird in einem Stuttgarter Altenheim geimpft. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Nicht alle Beschäftigten in Kliniken und Altenpflegeheimen haben sich gegen Corona impfen lassen. Inzwischen aber doch recht viele. Die Träger rechnen derzeit wegen der von Mittwoch an geltenden Impfpflicht nicht mit Einschränkungen des Betriebs.

Familie/Bildung/Soziales: Mathias Bury (ury)

Vor der am Mittwoch in Kraft tretenden Impfpflicht unter anderem für Beschäftigte der Gesundheitsberufe melden die Träger von Altenpflegeheimen und Kliniken recht hohe Impfquoten. Einschränkungen des Betriebs durch ausfallende Ungeimpfte erwartet man nicht. Freigestellt werden muss zum Stichtag ohnehin noch niemand, der nicht geimpft ist.

 

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„Es haben sich noch viele unserer Pflegekräfte für eine Impfung entschieden“, sagt Katja Kubietziel, die Pressesprecherin der Stuttgarter Caritas. Derzeit seien in den stationären Pflegeeinrichtungen nur noch „etwa 15 Mitarbeitende“ nicht gegen das Coronavirus immunisiert. Auch wenn in der Pflege „jede einzelne Hand“ gebraucht werde und wegen der Personalausfälle durch Corona-Erkrankungen und Quarantänefälle die Lage derzeit ohnehin angespannt sei, „können wir den Betrieb aber aufrechterhalten“, erklärt die Sprecherin.

Nur einzelne Beschäftigte nicht immunisiert

Ähnlich äußern sich andere größere Pflegeheimträger, die Einrichtungen in Stuttgart und in der Region betreiben. Man sei von „zwei bis drei Prozent unserer knapp 10 000 Mitarbeitenden ausgegangen, die nicht immunisiert sind“, sagt Bernhard Schneider, der Hauptgeschäftsführer der Evangelischen Heimstiftung. „Wie es aussieht, sind es deutlich weniger geworden.“ Eine genaue Zahl könne man zwar noch nicht nennen, „wir erwarten aber keine Versorgungsengpässe“, so Schneider. In den Häusern seien nur „einzelne Mitarbeitende“ nicht immunisiert.

„Im Prinzip hat es sich entwickelt, wie wir vermutet hatten: Wir haben eine Impfquote im pflegerischen Bereich von 97,4 Prozent“, sagt Marc Bischoff, der Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs Leben und Wohnen (ELW). Dies sei ein Impfquote, „mit der wir gut umgehen können“, erklärt Bischoff. Nur noch insgesamt 29 der in den Heimen des ELW Beschäftigten, die auch nicht alle in der Pflege arbeiteten, seien aktuell noch nicht gegen das Coronavirus geimpft.

Prüfungen des Gesundheitsamts beginnen

Florian Bommas, der Geschäftsführer der Diak Altenhilfe in Stuttgart, geht davon aus, dass zuletzt sieben Beschäftigte sich nicht impfen lassen werden. Derzeit seien es neun (etwa drei Prozent der Belegschaft), von diesen habe eine Mitarbeiterin aber bereits die erste Novavax-Dosis erhalten, der zweiten Kraft rät ihr Arzt wegen einer sehr starken Impfreaktion bei der ersten Impfung vom zweiten Piks ab. Weil in einem der Wohnheime des Pflegeträgers aber aus anderen Gründen Personal verloren geht, macht der Geschäftsführer schon jetzt deutlich, dass man in dieser Einrichtung „auf zwei nicht geimpfte Mitarbeiter nicht verzichten kann“.

Darüber wird das Stuttgarter Gesundheitsamt in den nächsten Wochen bei seiner Prüfung entscheiden. In der Nacht auf Mittwoch wird für die Heimträger das digitale Meldeportal des Landes freigeschaltet. Dieses solle „die Übermittlung so einfach wie möglich halten“, erklärte am Dienstag das Landessozialministerium. Das dürfte bei einigen Heimträgern auf Sarkasmus stoßen. Bernhard Schneider spricht von einem „katastrophalen Meldeprozedere“ und von „unfassbarer Bürokratie“. Schneider: „Selbst in der Krise ist der Datenschutz wichtiger als der Gesundheitsschutz.“ Auch Florian Bommas ist deshalb verärgert. Er sagt, das ganze Verfahren sei „unnötig kompliziert“.

Keine Einschränkungen des Betriebs

In den Stuttgarter Krankenhäusern ist die Lage ähnlich wie in den Altenpflegeheimen. „Wir sind in der erfreulichen Lage, dass 96 Prozent unserer Mitarbeitenden geimpft sind“, sagt die Sprecherin des Marienhospitals, Sabine Zeller. Wenn sich auch der Krankenstand wegen Corona-Infektionen wieder normalisiert habe, „können wir diese Zahl ganz gut verkraften“, erklärt Zeller.

Von den Beschäftigten im Klinikum der Stadt Stuttgart haben laut Medizin-Vorstand Jan Steffen Jürgensen „97 Prozent einen Immunitätsnachweis“. Angesichts dessen erwarte man auch „keine wesentlichen Einschränkungen im Betrieb“, so Jürgensen.

Klinik kann auf Ungeimpfte nicht verzichten

Weniger zuversichtlich ist zurzeit dagegen Mark Dominik Alscher, der medizinische Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK). Vor einer Woche seien noch 93 Prozent der Beschäftigten gegen das Coronavirus immunisiert gewesen, aktuell rechnet er mit 95 Prozent. „Aber auch auf die fünf Prozent können wir nicht verzichten“, macht Alscher zur angespannten Personallage deutlich, es handle sich immerhin um etwa 150 Kräfte. Der Klinikchef ist aber davon überzeugt, dass das Gesundheitsamt bei seiner Prüfung „mit viel Augenmaß einen guten Wegen finden wird“.

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