Impfungen im Kreis Ludwigsburg Betriebe impfen erst schleppend
Einige Firmen im Kreis Ludwigsburg haben angefangen, ihre Mitarbeiter zu immunisieren. Das Impftempo könnte schneller sein, wenn es nur mehr Impfstoff gäbe.
Einige Firmen im Kreis Ludwigsburg haben angefangen, ihre Mitarbeiter zu immunisieren. Das Impftempo könnte schneller sein, wenn es nur mehr Impfstoff gäbe.
Kreis Ludwigsburg - Nach Aufhebung der Impfpriorisierung sollen nun auch die Betriebsärzte zur Steigerung der Impfquote im Land beitragen. Einige Firmen im Landkreis Ludwigsburg haben bereits begonnen, ihren Mitarbeitern ein Impfangebot zu machen. Da Impfstoffe jedoch nur in begrenztem Umfang zur Verfügung stehen, sind die Unternehmen weit davon entfernt, Impfungen im Volllastbetrieb zu machen, wie eine Umfrage unserer Zeitung ergeben hat.
So hat die Firma Mann und Hummel in Ludwigsburg in der ersten Woche gerade einmal 80 Dosen der Marke Biontech an Mitarbeiter verabreichen können. „Angemeldet haben sich bisher 280 Mitarbeiter“, sagt Bernhard Wimmer, der Leiter der Personalabteilung bei Mann und Hummel. Allerdings sei die Beschaffung durch den Betriebsarzt reibungslos verlaufen. Neben diesem seien bei Mann und Hummel noch drei Kollegen aus dem lokalen Covid-19-Steuerkreis und der IT-Abteilung beteiligt.
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Auch bei Trumpf in Ditzingen sind in der vergangenen Woche die ersten Vakzine an Mitarbeiter verabreicht worden. „Wir hatten 804 Dosen bestellt, aber nur 102 der Marke Biontech erhalten, die wir komplett verimpft haben“, erläutert Pressesprecher Rainer Berghausen. Für diese Woche seien 300 Dosen bestellt, man rechne jedoch mit maximal 84. Wegen der geringen Menge habe man die Mitarbeiter intern priorisiert: Als erste würden diejenigen mit direktem Kundenkontakt berücksichtigt, also Außendienstler, technischer Service, Pforte und alle Produktionsmitarbeiter.
Trumpf habe in einem Nebengebäude ein eigenes Impfzentrum nach dem Vorbild eines Kreisimpfzentrums in kleinerem Maßstab nachgebaut. Die Abläufe seien dieselben: Nach Anmeldung, Datenerfassung für Sozialministerium und Robert-Koch-Institut, Information, Aufklärung und Einverständnis würden die Mitarbeiter 15 Minuten lang nachbeobachtet. Trumpf werde vom ASB Ludwigsburg mit Ärzten, medizinischem Fachpersonal und Rettungssanitätern unterstützt, da circa zehn bis zwölf Personen für den korrekten Ablauf nötig seien. Mittelfristig sei das hauseigene Impfzentrum für 250 bis 300 Impfungen pro Tag ausgelegt, nach den Mitarbeitern soll auch deren Angehörigen ein Impfangebot unterbreitet werden.
54 Impfdosen hat in der vergangenen Woche auch die Firma Flex Elektrowerkzeuge in Steinheim an aktive und ehemalige Mitarbeiter verabreicht. „Uns war eigentlich Astra Zeneca für einen früheren Termin versprochen worden, nun haben wir Biontech erhalten“, berichtet Stefanie Dittrich, die Assistentin der Geschäftsführung. An der Vorbereitung und Durchführung seien neben dem Betriebsarzt Oliver Scheuermann auch der Arbeitssicherheitsbeauftragte Stefan Däuber sowie zwei weitere Mitarbeiterinnen beim Empfang beteiligt gewesen. „Viele der Geimpften haben die Initiative und den reibungslosen Ablauf gelobt“, freut sich Stefanie Dittrich. Am 24. Juni sei ein weiterer Impftag für nochmals 54 Mitarbeiter geplant, auch die Daten für die Zweitimpfungen stünden fest.
Als erstes Unternehmen im Kreis Ludwigsburg hat Hahn und Kolb die Kapazitäten des Kreisimpfzentrums genutzt. „Da wegen des knappen Impfstoffangebots nicht alle Impfstraßen im Kreisimpfzentrum genutzt werden, können Betriebe diese mit der gesamten Infrastruktur für sich in Anspruch nehmen“, erläutert der Erste Landesbeamte des Landkreises Ludwigsburg, Jürgen Vogt. Das sei eine klassische Win-Win-Situation. Die Organisation von Impfstoff, benötigtem Material sowie die Verwaltung der Patientendaten habe Hahn und Kolb durch seine Betriebsärztin übernommen.
Auch die Firma Bosch hat vom 8. Juni an damit begonnen, seinen Mitarbeitern in Deutschland Impfungen zu verabreichen. In der ersten Woche seien 6000 Impftermine vergeben worden. Bei Vollauslastung könne das aus rund 200 Mitarbeitern bestehende medizinische Team mit 50 Betriebsärzten bis zu 6000 Impfungen pro Tag durchführen, erklärt die Pressesprecherin Agnes Mazzei. Allein auf dem Gelände des Forschungscampus in Renningen sollen mittelfristig bis zu 1400 Impfungen pro Tag möglich werden. Für kleinere Standorte sei bei Bosch ein Konzept für mobile Impfteams erarbeitet worden. Bereits seit einigen Wochen würden Videosprechstunden zur Impfaufklärung angeboten, zudem gebe es eine interne Hotline.