Böblingen - Schwarze Farbschlieren laufen an der Fassade herunter. Es sieht aus, als wären Farbbeutel gegen die Außenwand der Flüchtlingsunterkunft in der Eugen-Bolz-Straße geworfen worden – ungezählte Male. Als der Landtagsabgeordnete Florian Wahl (SPD) am Dienstag an der Unterkunft für geflüchtete Menschen vorbeifährt, macht er kurzerhand ein Foto der Zerstörung und veröffentlicht es auf seinem Instagram-Kanal.
„Es gibt wohl in dieser Stadt immer noch Menschen, die sich die Mühe machen, ihren Hass auf geflüchtete Menschen immer wieder durch solche Schmierereien auszudrücken“, schreibt er in seinem Beitrag zu dem Foto. „Es ist schon wiederholt passiert, an dieser Stelle“, sagt Florian Wahl. Die Schmierereien an der Fassade zu sehen, habe ihn „unheimlich aufgeregt“. Umso wichtiger sei es, solche Taten öffentlich zu machen, sagt Wahl: „Ich finde, das muss ins Bewusstsein der Stadt.“ Deshalb habe er das Foto bei Instagram gepostet. „Wir verurteilen solche Straftaten scharf, egal welches Motiv dahintersteht“, sagt Böblingens OB Stefan Belz. Gegen die Täter sei umgehend Anzeige erstattet worden. „Es ist nicht nur Farbe“, sagt Florian Wahl, „sondern gibt den Menschen die dort leben ein Gefühl von Ausgrenzung“.
Auch die Stadtverwaltung wurde beschmiert – ein Zufall?
Die Farb-Attacke in der Eugen-Bolz-Straße müsse am 26. Januar zwischen 15 und 23 Uhr stattgefunden haben, sagt Polizeipressesprecher Peter Widenhorn. Schmierereien mit schwarzer Farbe sind derzeit kein Einzelfall in Böblingen: Erst diesen Montag oder Dienstag beschmierten laut Polizei unbekannte Täter das Gebäude, in dem sich die Stadtverwaltung Böblingen befindet mit schwarzer Farbe. Wie in der Eugen-Bolz-Straße hinterließen die Täter keine Parolen oder Schriftzüge. Die beiden Taten ähneln sich stark – doch stehen sie in einem Zusammenhang?
Vor zwei Jahren gab es fremdenfeindliche Parolen an der Unterkunft
Ob es sich bei den Schmierereien an der Flüchtlingsunterkunft um eine gezielt fremdenfeindliche Tat handle, sei noch unklar, so Widenhorn. Für den Fall, dass zwischen den Vorfällen eine Verbindung besteht, sei eher davon auszugehen, dass es sich um Zerstörungswut gegen öffentliche Einrichtungen handle. Anders noch vor zwei Jahren, als ebenfalls Schmierereien in der Eugen-Bolz-Straße entdeckt wurden: Diese hätten „eindeutig fremdenfeindliche Parolen“ aufgewiesen. Es gebe jedoch momentan bei Zerstörungen an Flüchtlingsunterkünften keine „auffälligen Häufungen“, sagt der Polizeisprecher.