Die Bilder lassen bei den Experten keinen Zweifel zu: In Rutesheim ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wolf aufgetaucht. Wie das Landratsamt jetzt vermeldet hat, wurde das Tier am 2. April von einer Wildtierkamera fotografiert – offenbar hat es die Stadt um 3.20 Uhr nachts entlang der Autobahn an der Kraxlalm passiert.
In die Kategorie „C1“ fallen neben Fotos noch weitere Faktoren
Fachleute der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg mit Sitz in Freiburg haben die Aufnahmen analysiert und stellten laut Landratsamt einen „sicheren Wolfsnachweis (C1)“ aus. Das heißt: Die Fotos sind eindeutig genug, um als Bestätigung zu dienen. In die Kategorie „C1“ fallen außerdem noch ein gefangenes, lebendes Tier, ein Totfund, ein genetischer Nachweis oder die Telemetrieortung eines mit Sender versehenen Tiers.
Weitere Details gibt es im Augenblick noch nicht. „Eine Individualisierung des Wolfes auf Grundlage des Bildmaterials ist nicht möglich“, heißt es vom Landratsamt. Ebenso können derzeit keine Aussagen zur Herkunft, zum Geschlecht oder zum Alter des Wolfes getroffen werden. „Vermutlich handelt es sich um ein durchziehendes Einzeltier“, teilt das Landratsamt mit.
Hegeringleiter. Wolf ist wahrscheinlich schon lange weg
„Der ist wahrscheinlich schon lange weg“, sagt auch Thomas Philippin, Hegeringleiter für den Bereich des Kammerforsts, zu dem auch das Revier Rutesheim Nord mit seinen rund 580 Hektar gehört. Philippin hält diese einzelne Sichtung für unproblematisch. „Wenn sich ein Wolf an einer Stelle ansiedeln möchte, dann eher im Schwarzwald oder im großen Waldgebiet in der Cleebronner Ecke“, so der Fachmann. Jäger Johannes Aehling, ebenfalls kundig in diesem Revier, ergänzt: „Ins Bild passt allerdings, dass schon vor Ostern in Flacht ein junges Reh mit eindeutigen Rissspuren gefunden wurde.“ Eine Genanalyse zum zweifelsfreien Nachweis eines Wolfes gab es damals allerdings nicht.
Vor gut einem Jahr hatte eine solche Analyse in Weil der Stadt einen Wolf nachgewiesen. Unweit des Teilorts Schafhausen war ein gerissenes Reh gefunden worden – Vermutungen gingen in diesem Fall in Richtung eines Wolfs mit der Kennung „GW852m“, der meist im Nordschwarzwald unterwegs ist. Ein weiteres totes Reh ließ sich Ende April 2023 nahe Merklingen nicht eindeutig auf einen Wolf zurückführen.