In Holzmaden dreht sich alles um Fossilien Der perfekte Tag für Urzeit-Fans

Schon nach wenigen Minuten hat Franziska Hauff die ersten Fossilien gefunden. Foto: Ines Rudel

Erst im Holzmadener Museum (Kreis Esslingen) etwas über Fossilien lernen und einen Einblick in eine vergangene Welt erhaschen, dann ab in den Steinbruch und selbst auf Spurensuche gehen: Ein runder Tag für Museumsleiterin Franziska Hauff.

Es ist das kaum Greifbare, das Fossilien ihren atmosphärischen Reiz verleiht: In Abermillionen von Jahren verwandelten sich die teils gigantischen Bewohner einer untergegangenen Welt in Stein. „Holzmaden gehört zu den beeindruckendsten Fundstätten der Welt“, sagt Franziska Hauff über das Örtchen am Rande der Schwäbischen Alb. Die Geologin leitet in vierter Generation gemeinsam mit ihrem Bruder Bernhard Hauff das gleichnamige Naturkundemuseum. Holzmaden ist für sie der perfekte Ort für einen gelungenen Urzeit-Tag. Dort gibt es neben dem Museum zwei Schiefersteinbrüche, wo man selbst nach Fossilien suchen kann.

 

„Das Zusammenspiel zwischen Museum und Steinbruch ist toll“, sagt Hauff. Doch was zuerst: schauen oder Steine klopfen? Die Museumsleiterin hält die Reihenfolge erst Museum und dann Schiefersteinbruch für sinnvoll. „Vor allem, wenn man mit Kindern kommt. Die sind nach dem Steinbruch meistens komplett platt.“ Zudem müsse man bedenken, dass die Arbeit dort eine ausgesprochen schmutzige Angelegenheit sein könne.

Abtauchen im Jurameer

Also ab ins Museum. Vor über 100 Jahren habe ihr Urgroßvater seine Liebe für die Zufallsfunde im väterlichen Schieferbruch entdeckt und später das Museum mit den zahlreichen Relikten von Ichthyo- und Plesiosauriern, Krokodilen, Fischen, Flugsauriern und vielem mehr eröffnet. Zeugnisse des Jurameers, das vor 180 Millionen Jahren große Teile Deutschlands bedeckte. Im Altbau gibt es jede Menge Versteinertes zu entdecken. Kernstück der Ausstellung: Ein von der Natur geschaffenes Kunstwerk in Form einer 18 Meter langen Seelilien-Kolonie. „Die reine Präparationszeit betrug 18 Jahre. Im Tagebuch meines Urgroßvaters stand, dass der Tag, als er das fertige Fossil zum ersten Mal komplett gesehen hat, einer der schönsten seines Lebens war“, erzählt Hauff. Auch wenn der Name anderes vermuten lasse, seien Seelilien keine Pflanzen, sondern Tiere, die sich von Plankton ernährten.

Im Neubau des Museums gehe es darum, die zeitlichen Dimensionen von der Erdentstehung bis zum fertig präparierten Fossil multimedial darzustellen. Beispielsweise wird anhand eines Ichthyosaurus in Dioramen gezeigt, wie das Tier lebte, starb, zum Fossil wurde und schließlich auf der Werkbank eines Präparators landete. An einem Monitor kann man sich durch die Erdgeschichte scrollen, und treppenartig werden über zwei Stockwerke die verschiedenen Schichten des schwarzen Posidonienschiefers – auch Schwäbischer Ölschiefer genannt – ausgefächert. Im Garten des Museums stehen im „Dino-Park“ mehrere lebensgroße Modelle von Diplodocus und Co.

Für ein Päuschen gibt es im Museumskiosk Getränke, Kuchen oder ein Eis, bevor es in den Schiefersteinbruch weitergeht. Für die Anfahrt empfiehlt Franziska Hauff generell eher das Auto. Dort könne man Wechselkleidung bunkern und hinterher gebe es, je nachdem, wie viel Finderglück man hatte, einiges zu tragen.

Auf Theorie folgt Praxis

Der Urweltsteinbruch Fischer liegt schräg gegenüber des Museums und hat nach mehrjähriger Schließung erst im Juli dieses Jahres wieder eröffnet. Hier gibt es laut der Betreiberin Camilla Guhr einen Kiosk, schattige Sitzplätze sowie ein WC. Im Oktober soll zudem eine Sonderausstellung mit Fossilien aus der ganzen Welt folgen. Einige Stücke seien derzeit bereits im Shop zu sehen. Der Steinbruch ist aktuell inaktiv. Das heißt, man kann nicht direkt an den Wänden arbeiten, sondern nur das lose Material durchforsten. Auf die Anzahl der Funde habe das jedoch keinen Einfluss. Der etwas rustikalere Schiefersteinbruch Kromer liegt etwa zweieinhalb Kilometer entfernt in Ohmden. In diesem aktiven Steinbruch kann man direkt am stehenden Gestein arbeiten oder das ausgebaggerte Material durchsuchen. Auch hier gibt es schattige Sitzplätze sowie zwei Dixie-Klos. Verpflegung muss man selbst mitbringen. Vor allem genügend Wasser und Sonnenschutz sind laut Franziska Hauff wichtig, da sich an wolkenlosen Tagen der schwarze Schiefer aufheizt. Für die richtige Vorbereitung hat die Geologin ein paar Tipps: „Festes Schuhwerk und die richtigen Klamotten.“ Die gebrochenen Schieferplatten seien recht scharfkantig und man werde bei der Arbeit schmutzig. Die Suche sei recht unkompliziert: „Am besten nimmt man sich große Platten, stellt sie auf und spaltet die Schichten gleichmäßig vom Rand her.“

Wichtig: Wasser, Sonnenschutz und festes Schuhwerk

Ein sicheres Indiz für Einschlüsse sei, wenn man braune Stellen an den Kanten entdecken könne. Am häufigsten seien die schneckenhausförmigen Dactylioceras-Fossilien zu finden, eine Ammonitenart. Pflanzenreste und die kegelförmigen Zähne von Ichthyosauriern gebe es auch recht häufig. Beim ersten Besuch direkt einen größeren Fisch oder gar Teile eines Fischsauriers zu finden, sei recht unwahrscheinlich, aber möglich, sagt Franziska Hauff.

Unterwegs in der Region

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Urlaub daheim ist alles andere als langweilig. Die Region Stuttgart bietet vielfältige Möglichkeiten für abwechslungsreiche Tage ohne weite Anreise – für Kulturinteressierte wie für Naturfreunde, für Sportbegeisterte wie für Genießer. In unserer Serie „Der Ferientipp“ stellen wir Ausflugsziele vor. Wetten, dass für Sie etwas dabei ist?

Urweltmuseum Hauff
Von Dienstag bis Sonntag ist das Museum von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene bezahlen neun Euro Eintritt, Kinder ab sechs Jahren sowie Schüler fünf Euro und Kinder ab drei Jahren drei Euro. Informationen zur Anfahrt und über die Geschichte des Museums gibt es online: www.urweltmuseum.de.

Schieferbruch Kromer
Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. An Wochenenden sowie Feiertagen wird eine Stunde später geöffnet. Der Eintrittspreis für Erwachsene liegt bei vier Euro und 2,50 für Kinder. Hammer und Meißel können für 1,50 Euro ausgeliehen werden. Mehr Informationen gibt es auf www.schieferbruch-kromer.de.

Urweltsteinbruch Holzmaden
Von Dienstag bis Sonntag kann dort von 9 bis 18 Uhr geklopft werden. Nur donnerstags wird eine Stunde früher geschlossen. Montag ist Ruhetag. Erwachsene bezahlen neun Euro Eintritt und Kinder 4,50. Auch hier gibt es Werkzeuge zur Vermietung. Weitere Informationen: www.urweltsteinbruch.de.

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