In Kirchheimer Naturschutzgebiet Fressen und Suhlen für die Artenvielfalt

Die tierischen Landschaftspfleger bei der „Arbeit“ im Naturschutzgebiet Wiestal. Foto: Nabu BW

Seit Anfang Mai sind sechs Tiere im Naturschutzgebiet Wiestal bei Kirchheim im Einsatz. Darum ist die „Arbeit“ der tierischen Landschaftspfleger so wichtig.

Feuchte Talauen, nasse Wiesen und Schilfröhrichte – im Wiestal zwischen Jesingen und Ohmden gibt es eine Fülle von Biotopen, die zahlreichen Tieren und Pflanzen besondere Lebensräume bieten. Doch obwohl das Stuttgarter Regierungspräsidium das 136,5 Hektar große Gebiet im Landkreis Esslingen 1992 unter Naturschutz gestellt hat, nahm der Artenreichtum dort ab. Ein Grund dafür war, dass sich die Vegetation so rasant entwickelte, dass das Amphibienlaichgewässer immer mehr verlandete.

 

Inzwischen wurde es mit großem Aufwand von Schlamm und Sedimenten befreit. Und damit es künftig für selten gewordene Arten wie Erdkröten und Grasfrösche zugänglich bleibt, sind jetzt tierische Helfer im Einsatz.

Büffel fressen Gestrüpp und Geäst

Seit Anfang Mai sorgt eine kleine Wasserbüffelherde für eine extensive Beweidung auf 6,5 Hektar Fläche im Naturschutzgebiet Wiestal. Ihre Aufgabe: Fressen und Suhlen für die Artenvielfalt. Denn durch das Weideverhalten der Büffel entsteht eine abwechslungsreiche Vegetation mit kleinen Gehölzinseln, kurzrasigen Bereichen und Brachflächen. Die anspruchslosen Nutztiere fressen alles, was das hiesige Hausrind verschmähen würde; etwa Gestrüpp und Geäst.

Wasserbüffel sind die optimalen Landschaftspfleger“, sagt Ingrid Eberhardt-Schad vom Naturschutzbund (Nabu) Baden-Württemberg. „Mit ihren breiten Füßen können sie auf sumpfigen und feuchten Flächen weiden. Relativ einförmige Schilfbestände werden aufgelockert, durch Trittspuren bilden sich Kleinstgewässer und feuchte Schlammstellen.“ Zudem hätten die robusten Tiere mit den eindrucksvollen Hörnern eine Vorliebe für Hautpflege durch Schlammbäder: Weil sie mit ihrer dicken Haut so gut wie nicht schwitzen können, suhlen sie sich zur Abkühlung in Pfützen. „Dabei schaffen sie weitere Vertiefungen im Gelände“, sagt Eberhardt-Schad. „In diesen Kuhlen finden Grasfrösche oder auch die bedrohte Gelbbauchunke gute Laichplätze.“

Landwirt hatte 2007 erste Büffel gekauft

Die genügsamen Pflanzenfresser seien ein wichtiger Teil im Naturgefüge, fügt Dieter Ilg vom Vorstand der Nabu-Gruppe Teck hinzu. „Ein ausgewachsenes Rind produziert pro Monat rund eine Tonne Dung. Hochgerechnet auf ein Jahr können mehr als hundert Kilogramm Insekten und ihre Larven in diesem Dung leben. Diese ernähren wiederum eine Vielzahl an Vögeln und anderen Insektenfressern.“ Diese Nahrungskette zeige, welche Bedeutung eine naturnahe Beweidung für die Biodiversität habe, betont er.

Die sechs Büffel stammen von Landwirt Reiner Frey aus Bärenbach im Filstal, der im Auftrag des Nabu schon seit Jahren seine Tiere auf einigen feuchten Wiesen im Kreis Göppingen grasen lässt. 2007 hatte er in Rumänien die ersten drei Tiere gekauft und züchtet sie seither erfolgreich. Was durchaus wichtig ist: Der letzte wild vorkommende Europäische Wasserbüffel ist schon lange ausgestorben.

Projekt zunächst auf zwei Jahre ausgelegt

Die Beweidung im Wiestal wird mit Mitteln der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg aus Ersatzgeldern für Eingriffe in den Naturhaushalt finanziert. Einen Eigenanteil von zehn Prozent steuert die Nabu-Gruppe Teck bei. Sie trägt außerdem die laufenden Beweidungskosten. Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre ausgelegt. Auch das Stuttgarter Regierungspräsidium unterstützt das Vorhaben. „In diesem Jahr wird ein erstes Artenmonitoring zeigen, welche Tiere und Pflanzen sowie Biotoptypen im Naturschutzgebiet auf der Wasserbüffelweide vorhanden sind. Damit kann man die tatsächlichen positiven Auswirkungen überprüfen“, sagt Susanne Bonn vom Referat Naturschutz und Landschaftspflege. Das Monitoring werde in regelmäßigen Abständen fortgeführt.

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