Infektionen im Alb-Donau-Kreis Sechs Corona-Tote in Laichinger Pflegeheim

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In zwei Seniorenzentren im Alb-Donau-Kreis häufen sich Coronafälle. Sechs weitere Bewohner sind in einem kritischem Zustand.

Auch in Alten- und Pflegeheimen steigt landesweit die Zahl von Coronafällen – das kann tödliche Folgen haben. Foto: 7aktuell.de/Moritz Bassermann
Auch in Alten- und Pflegeheimen steigt landesweit die Zahl von Coronafällen – das kann tödliche Folgen haben. Foto: 7aktuell.de/Moritz Bassermann

Laichingen - In einem Seniorenheim in Laichingen (Alb-Donau-Kreis) kam es zu einem Corona-Ausbruch, bei dem sechs Menschen gestorben sind. 43 Bewohner und 22 Mitarbeiter der Einrichtung sind positiv getestet worden. Auch in einem Altenheim in Blaustein haben sich 26 Bewohner und 19 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. „Das ist eine traurige Situation für alle“, sagt Daniela Rieker, Sprecherin des Trägers, der ADK GmbH für Gesundheit und Soziales. Sechs Bewohner seien in einem kritischen Zustand, davon einer im Krankenhaus.

„Wir gehen angesichts der hohen Zahlen davon aus, dass das Virus über mehrere Wege in die Einrichtungen gelangt ist“, sagt die Sprecherin. Zum einen über Mitarbeiter, aber vermutlich auch über Angehörige. Trotz Hygienekonzept und Schutzmaßnahmen habe man die Infektionen nicht verhindern können. In den sieben ADK-Seniorenzentren habe es unter den rund 500 Bewohnern zuvor noch keinen Coronafall gegeben. Ein Mitarbeiter sei im Sommer positiv getestet worden.

Beide Altenheime sind geschlossen worden

Beide Pflegeheime sind in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt geschlossen worden, Besuche nicht mehr möglich. „Natürlich gilt unsere Sorge im Moment vor allem den erkrankten Bewohnern und Mitarbeitern“, betont Verena Rist, Geschäftsführerin der Pflegeheim GmbH Alb-Donau-Kreis. Um die aufgrund von Quarantänemaßnahmen entstandenen Personalengpässe aufzufangen, würden Mitarbeiter aus anderen Einrichtungen und aus der Tagespflege eingesetzt und Mitarbeiter von Zeitarbeitsfirmen angefordert.

Die Coronafälle in den ADK-Einrichtungen wirken sich stark auf die Infektionszahlen im Alb-Donau-Kreis aus. Dort wurden 89,9 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen verzeichnet, sagt eine Sprecherin des Landratsamtes Alb-Donau-Kreis. Für die Alten- und Pflegeheime kann es ein harter Winter werden. Mirko Hohm, der den Bereich Ältere Menschen und Pflege beim Paritätischen Baden-Württemberg leitet, betrachtet die steigenden Infektionszahlen mit Sorge. Es sei nicht auszuschließen, dass es zu weiteren solch tragischen Ereignissen wie in Laichingen komme. Corona-Ausbrüche könnten leider nicht gänzlich verhindert werden, dafür gebe es zu viele symptomlose Erkrankungen. „Aber niemand möchte noch einmal einen Shut-Down erleben“, sagt Hohm. Er geht davon aus, dass aufgrund von bestehenden Schutzkonzepten und einem Besuchermanagement lokale Lösungen gefunden werden können. In Abwägung der Grundrechte der Bewohner gäbe es für eine landesweite Schließung keine Rechtfertigung, sagt der Bereichsleiter. Umso wichtiger sei es, dass die Einrichtung in Habtachtstellung blieben und gemäß der Kurzem in Kraft getretenen neuen Corona-Testverordnung ein Konzept erarbeiteten.

Es kann ein harter Winter werden

Schnelltest sollen helfen

Um Infektionsketten schneller zu erkennen und zu unterbrechen, werden künftig auf Kosten der Krankenkassen Antigen-Schnelltests eingesetzt. Als hilfreich bezeichnet Hohm die Tests, die nach wenigen Minuten ein Ergebnis zeigen. Allerdings hapere es bei der Beschaffung – es seien nicht genügend erhältlich. 20 Tests sind pro Bewohner im Monat vorgesehen. Hohm hält das für zu wenig, zumal damit Personal, Besucher und Bewohner regelmäßig getestet werden sollen.

Trotz strenger Maßnahmen könne es keinen 100-prozentigen Schutz geben, sagt auch Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider von der Evangelischen Heimstiftung. Er begrüßt die Verwendung der Schnelltests, aber sieht die damit verbundenen Probleme. Die Pflegekräfte seien zum Pflegen da und nicht, um Abstriche zu machen. Deshalb werde man innerhalb der Besuchszeiten Testzeiten anbieten. Ganz deutlich spricht sich Schneider gegen eine erneute Komplettschließung der Heime in Baden-Württemberg aus. „Natürlich ist und bleibt der Gesundheitsschutz die oberste Priorität. Wir können aber jetzt dafür Sorge tragen, ohne die alten Menschen einzusperren.“

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