Infektionszahlen steigen auch im Rems-Murr-Kreis Corona: Die gelbe Ampel rückt näher

Von Harald Beck 

Über das Wochenende sind im Rems-Murr-Kreis 65 neue Infektionen nachgewiesen worden. Mit 28 Neuansteckungen je 100 000 Einwohner binnen der vergangenen sieben Tage liegt der Wert nur noch knapp unter dem ersten Warnwert von 35.

Um schnell auch in größerer Zahl Tests durchführen zu können,  steht neuerdings das Infektomobil des Landratsamtes parat. Foto: /Gottfried Stoppel
Um schnell auch in größerer Zahl Tests durchführen zu können, steht neuerdings das Infektomobil des Landratsamtes parat. Foto: /Gottfried Stoppel

Infektionen - In der Kreisbilanz erschien die Lage für den Rems-Murr-Kreis in Sachen Corona-Zahlen zum Ende der vergangenen Woche mit knapp 18 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner während der vorangegangenen sieben Tage noch vergleichsweise entspannt. Der Nachbarkreis Esslingen hatte da den Status als Risikogebiet mit einem Wert von 56 bereits erreicht. Allein am vergangenen Wochenende, so lautet die aktuelle Botschaft von Landrat Richard Sigel wurden aber mehr als 50 Neuinfektionen verzeichnet. Damit rücke die gelbe Corona-Ampel näher. „Wir sind mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 28 aktuell kurz vor dem Schwellenwert der gelben Ampel“, sagt Sigel. Diese Vorwarnstufe wird bei 35 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche erreicht. Vom Wert 50 an würde auch der Rems-Murr-Kreis zum „Risikogebiet“ erklärt.

Kreis verstärkt Nachverfolgungsteams

„Wir müssen jetzt sicherstellen, dass wir trotz steigender Fallzahlen Infektionsketten schnell und effektiv nachverfolgen können. Wenn uns das nicht mehr gelingt, droht ein Kontrollverlust“, betont der Landrat in seiner Stellungnahme zu den steigenden Zahlen. „Eine effektive Kontaktpersonennachverfolgung ist das beste Mittel gegen drohende Beschränkungen.“ Deshalb verstärke der Kreis die personellen Kapazitäten in den hierfür zuständigen interkommunalen Teams: Pro 20 000 Einwohner kümmern sich je fünfköpfige Teams, bestehend aus Mitarbeitern des Landratsamts und Vertretern aus den Rathäusern, um die Kontakte.

Er habe am Montag auch erstmals die „Task-Force Corona“ einberufen, die den Krisenstab Corona des Landratsamts ergänze, so Sigel. In der „Task Force“ sind neben Vertretern der Städte und Gemeinden auch das Staatliche Schulamt, das Polizeipräsidium Aalen, der Direktor des Amtsgerichts und die Kreisärzteschaften vertreten. „Unser Ziel ist es, gemeinsam die Lage zu bewerten und weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie abzustimmen.“

Die höchsten Zahlen kommen aus Fellbach

Am kreisinternen Hotspot Fellbach wurde am Wochenende deutlich, wie schnell dieser Tage eine Vervielfachung der Corona-fälle gehen kann. „Die Zahl der Infizierten nimmt leider deutlich zu“, sagte die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull, nachdem am Freitag in der Unterkunft auf dem alten Freibadgelände bei einer Reihentestung gleich mehrere Infektionen nachgewiesen wurden und damit die Zahl der wegen nachgewiesener Infektion in Quarantäne Befindlichen in Fellbach auf momentan 54 hochgeschnellt ist. Zusätzlich seien zwei weitere Unterkünfte im Stadtgebiet betroffen. „Hier sind bisher zwei Einzelansteckungen nachgewiesen, doch wir werden am Dienstag auch hier eine Reihentestung durchführen“, sagt der Ordnungsamtsleiter Peter Bigalk und rechnet mit einem weiteren Anwachsen der Infektionszahlen.

Ein weiteres Warnzeichen sind die in immer schnellerer Abfolge eingehenden Einschläge in Schulen, Kitas oder Heimen im Kreis. Dort, wo die Kreisverwaltung bislang auf ihren Internetseiten immer über die Corona-Verdachtsfälle in Schulen und Kitas berichtete, stand zum Ende der vergangenen Woche lediglich der Verweis, dass man angesichts der hohen Zahl der Corona-Fälle in Schulen sowie Kitas eine neue, handhabbare Berichtsform suche. Die gibt es inzwischen, berichtet die Landratsamtssprecherin Martina Keck. Künftig würden dort keine Verdachtsfälle, sondern nur noch bestätigte Krankheitsfälle aufgelistet. Allein seit Mittwochabend gibt es auch so schon wieder elf betroffene Bildungseinrichtungen.

Am Wochenende ist außerdem in der Schorndorfer Flüchtlingsunterkunft in der Wiesenstraße ein Bewohner positiv getestet worden. Der Betroffene kam sofort nach dem Befund in der Unterkunft in Quarantäne und ist inzwischen in einer für solche Fälle leer stehenden Wohnung in Schorndorf untergebracht. Die Mitbewohner und enge Kontaktpersonen in der Flüchtlingsunterkunft sind auf Anweisung des Gesundheitsamtes des Rems-Murr-Kreises ebenfalls in Quarantäne. In solchen Fällen soll künftig das von Landkreis und Kreisärzteschaft eingerichtete neue „Infektomobil“ zum Einsatz kommen. Auch hier ist als Ergebnis der durchgeführten Tests wohl mit einigen weiteren Fällen zu rechnen

Auffällig ist bei den aktuellen Zahlen eine deutliche Häufung im Südwesten des Kreises, wo momentan Fellbach und Waiblingen mehr als die Hälfte der kreisweiten akuten Fälle aufweisen. Stand Montagnachmittag sind im Rems-Murr-Kreis laut den Zahlen des Landratsamtes 135 Personen mit positivem Corona-Befund in Quarantäne. Steigt der Sieben-Tage-Wert von den derzeit 28 über die „35er-Schwelle“, dann sind private Feiern in öffentlichen Räumen nur noch mit 50 Personen, in privaten Räumen nur noch mit 25 Personen möglich. Sollten 50 Infektionen auf 100 000 Einwohner verzeichnet werden, wären private Feiern in öffentlichen Räumen nur noch mit höchstens 25 Personen, in privaten Räumen nur noch mit zehn Personen möglich.




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