Ingo Zamperoni bei den ARD-„Tagesthemen“ Ein Hallo-wach-Effekt darf ruhig mal sein

Von René Martens 

Der neue Moderator der „Tagesthemen“ ist eigentlich ein alter Hase: Von Montag an moderiert Ingo Zamperoni die Nachrichtensendung der ARD. Er hofft, einige neue Ideen einbringen zu können.

Zurück aus Washington: Ingo Zamperoni freut sich auf seine neue Aufgabe. Foto: ARD
Zurück aus Washington: Ingo Zamperoni freut sich auf seine neue Aufgabe. Foto: ARD

Hamburg - Zweieinhalb Jahre lang war Ingo Zamperoni auf der „anbietenden Seite“, wie er sagt. Der TV-Journalist berichtete für die ARD aus Washington und musste damit leben, dass er manches Thema, das sein Team am Ort „unglaublich wichtig“ fand, angesichts der intensiven Nachrichtenlage in Europa nicht in den „Tagesthemen“ unterbringen konnte. Ab kommenden Montag ist Zamperoni nun jedoch wieder auf der „annehmenden Seite“: Nach dem Abschied des Moderators Thomas Roth, der sich in den Ruhestand begeben hat, ist er neben Caren Miosga zweites Gesicht der „Tagesthemen“. Von 2012 bis Anfang 2014 hat er die Nachrichtensendung im Ersten schon einmal moderiert. Zamperoni legt Wert darauf, dass er zugleich Redakteur ist: „Ich bin der, der es am Ende verkauft, aber ansonsten nicht anders als die anderen Redakteure.“

Einerseits kommt es einem vor, als sei Zamperoni als Moderator gar nicht lange weg gewesen, andererseits wirkt die damalige Zeit schon beinahe wie eine andere Medienepoche. Im Laufe des Jahres 2014 gerieten die Medien allmählich in eine Glaubwürdigkeitskrise, die sich seitdem immer weiter verschärft hat. Als Zamperoni am 1. Februar 2014 nach Washington ging, kannte er den Begriff „Lügenpresse“ noch nicht, bekennt er. Er sei nun „gespannt, was es für Gegenwind geben wird“. „Ich werde mich aber hüten, bei irgend­etwas vorab eine Schere im Kopf anzusetzen. Ein Thema nicht anzupacken, weil man denkt, dass es Ärger gibt, ist der falsche Weg.“

Für Ingo Zamperoni gibt es im Vergleich zu seiner ersten Zeit als „Tagesthemen“-Moderator noch einen weiteren maßgeblichen Unterschied. Seit April 2014 sendet die Redaktion von ARD aktuell aus einem wesentlich moderneren Studio, in dem Zamperoni bisher noch nicht gearbeitet hat. In den vergangenen Tagen hat er darum bereits einige Stell- und Gehproben hinter sich gebracht. „Früher saß man in den ‚Tagesthemen‘ am Schreibtisch, es gab zwei Kamerapositionen, und das war’s“, sagt er. „Jetzt, im neuen Studio, ist der Gestaltungsspielraum viel größer.“ Diesen gemeinsam mit der Redaktion noch stärker zu nutzen als bisher, „dafür stehe ich ein bisschen ein“, sagt er. Zamperoni kann sich vorstellen, „vielleicht mehr mit Grafiken zu arbeiten und mehr die Tiefe des Raumes im Studio zu nutzen“. Natürlich müsse das „Sinn ergeben und nicht nur zeigen, wie schön lang und breit unsere Monitorwand ist“.

Er wünscht sich Experimentiergeist

Der zurückgekehrte Moderator erhofft sich, mit der einen oder anderen Idee, „eine Sehgewohnheit brechen“ zu können: „Wenn man auf diese Weise den Zuschauer dazu bringt, mehr über ein Thema erfahren zu wollen, ergibt das Sinn. Das kann man nicht ständig machen, aber ich finde es wichtig, immer mal wieder einen Hallo-wach-Effekt zu erzeugen.“ Zamperoni lobt in diesem Zusammenhang eine ungewöhnliche Aktion seiner Kollegin Caren Miosga. Als vor zwei Jahren der Hollywood-Schauspieler Robin Williams verstarb, stieg sie an jenem Tag in den „Tagesthemen“ auf den Moderatorentisch und rezitierte aus Walt Whitmans Gedicht „O Captain! My Captain!“ – wie einst Williams in seiner bekanntesten Szene in dem Film „Club der toten Dichter“.

Vor den „Tagesthemen“ hatte Zamperoni das „Nachtmagazin“ der ARD moderiert, und er hofft nun, dass der Experimentiergeist, der dieses Spätformat manchmal auszeichnet, auch in der populäreren Sendung zum Tragen kommt. „Das ‚Nachtmagazin‘ hatte immer den Vorteil, die kleine Schwester der ‚Tagesthemen‘ zu sein und etwas weniger im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen“, sagt er. „Wir haben uns oft gefragt: Was kann man wagen, was geht einen Tick zu weit, was geht möglicherweise nur im ‚Nachtmagazin‘?“

Zamperoni hatte als „Nachtmagazin“-Moderator schon Hunde im Studio, spielte während der Sendung Computerspiele auf der Monitorwand und ließ sich für die Anmoderation eines Beitrags zum Deutschen Synchronsprecherpreis vom Nachrichtensprecher der Sendung „synchronisieren“.




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