Initiative zur Elektromobilität Das zweite Leben der E-Smarts

Jana Höffner inmitten der Smarts, die noch aufgearbeitet werden. Foto: Edgar Layher

Eine Stuttgarter Initiative hat ehemalige Carsharing-Autos gekauft und arbeitet sie vor dem Weiterverkauf auf. Geld soll damit nicht verdient werden – aber es braucht eine Menge Engagement und Handarbeit.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

Stuttgart - Verkehrswende kann richtige Handarbeit sein. Zumindest wenn man den Ansatz von Jana Höffner verfolgt. Unter der Woche arbeitet sie in der Kommunikationszentrale des baden-württembergischen Staatsministeriums. Samstags kriecht sie hingegen unter Autos. Es sind aber nicht irgendwelche Fahrzeuge, die Höffner durch ihr Eingreifen dem Verfall entreißen möchte. Und sie bastelt an den Autos auch nicht ausschließlich deshalb herum, um einem Hobby nachzugehen. Höffner und ihre Mitstreiter bringen E-Fahrzeuge aus Carsharingflotten wieder auf Vordermann, die eigentlich in Richtung Schrottplatz hätten abbiegen sollen. Die Frau ist überzeugte Elektromobilistin und möchte mit ihrem ehrenamtlichen Engagement anderen die Vorteile des stromgetriebenen Autofahrens nahebringen.

 

Auf die Batterie kommt es an

Ein Hinterhof in einem Gewerbegebiet am Rande von Schmiden (Rems-Murr-Kreis) bildet die Kulisse für den ungewöhnlichen Einsatz von Höffner und anderen Engagierten. Penibel aufgereiht sind dort weiße Smarts abgestellt. Nur wer sich die Fahrzeuge näher ansieht, bemerkt die Gebrauchsspuren der Flotte. Das ist kein Wunder: „Die Autos sind alle zwischen 70 000 und 90 000 Kilometer gelaufen“, sagt Höffner mit einem Blick auf „ihre“ Flotte. Dass die Zweisitzer in ihrem ersten Leben als Teil eines Carsharing-Kontingents von zahllosen, wechselnden Nutzern bewegt wurden, tut sein Übriges. Hier eine Delle, dort eine Schramme. Aber auf Optisches kommt es Höffner nicht an. „Die fahren alle noch.“ Und fast noch wichtiger: „Die Batterie kommt beim Laden immer noch 80 bis 90 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität.“ Im Winter bedeute das eine Reichweite von 70 bis 80 Kilometern, im Sommer erhöht sich der Aktionsradius auf 120 bis 130 Kilometer. „Die sind perfekt für die Stadt“, sagt Höffner.

Mit dem E-Mobil nach Madrid

Ein echter Gebrauchtwagenmarkt für E-Mobile – so wie es einen für Fahrzeuge mit Verbrennermotoren gibt – existiert noch nicht. Dazu sind die E-Flotten im Schnitt noch zu jung. Kaum jemand trennt sich schon von seinem aktuellen Stromer. Höffner und ihre Mitstreiter wollen dem ein wenig auf die Sprünge helfen. Im Lauf des vergangenen Jahres hatten sie davon gehört, dass Car2go, wie der Sharing-Flottenbetreiber von Daimler damals noch hieß, sich von einer Tranche seiner Autos trenne – allerdings in Madrid. Weil sie die Katze nicht im Sack kaufen wollten, machten sich Höffner und weitere Engagierte auf die Reise in die spanische Hauptstadt – stilecht in der Elektrolimousine versteht sich. Die Verhandlungen mit dem Flottenmanager für Südeuropa liefen erfolgreich. Mit großen Autotransportern gelangten so in zwei Fuhren insgesamt 53 ausrangierte Smarts in den Großraum Stuttgart. Dort harren sind nun in Schmiden und in Vaihingen/Enz ihrer Aufarbeitung.

Die Gebrauchten sind gefragt

Auch der Stuttgarter Unternehmer Andreas Hohn engagiert sich für die E-Mobilität. Wer ihn auf das Thema anspricht, erhält erschöpfend Auskunft. Er fordert mehr Einsatz von Politik und Automobilherstellern. Er will die Reichweitenangst nehmen und ist der Ansicht, dass nicht die Dichte des Ladestellennetzes bisher der Hemmschuh ist, sondern die überschaubare, verfügbare Modellpalette. Der Mann ist sehr überzeugt von dem, was er tut. Aber was fast noch wichtiger ist: Er verfügte über den nötigen Wagemut und das entsprechende Kapital, um mehr als 50 Gebrauchte auf einen Schlag anzukaufen.

Auch wenn sich Hohn und Höffner aus dem Verein Electrify-BW kennen, die Rettungsaktion der Smarts läuft außerhalb der Vereinsstrukturen, schon aus fiskalischen Gründen. „Wir verdienen mit der Aktion aber kein Geld“, sagt Hohn. Rund 6500 Euro kosten die wieder hergerichteten E-Fahrzeuge. Ein Preis, der offensichtlich attraktiv ist. Die Hälfte der Flotte ist schon wieder verkauft. Man schaue sich die potenziellen Käufer genau an, sagt Hohn. Schließlich möchte man nicht nur einen Ersatzteilspender verkaufen. „Wir wollen, dass die Autos noch so lange wie möglich laufen.“

Ehe es zum Verkauf kommt, werden die Fahrzeuge hergerichtet. „Wir machen alles, nur keine sicherheitsrelevanten Arbeiten“, sagt Höffner. Für die kommen die Fahrzeuge in einer KFZ-Werkstatt, wo sie am Ende des Prozederes auch eine neue Hauptuntersuchung erhalten. Und dann gilt: Gekauft wie gesehen. „Wir können keine Garantie geben, wir sind ja kein Autohaus.“ Wer sich für das Angebot interessiert, muss auch ein wenig Geduld mitbringen. „Wir schaffen derzeit ein Auto pro Woche“, sagt Hohn.

Wenn der Hof in Schmiden leer gekauft ist, müssen sich die Engagierten womöglich ein neues Betätigungsfeld suchen. Denn ihre bisherige Quelle droht zu versiegen. Die Flottenbetreiber haben einen anderen Abnehmer gefunden. „Unsere Fahrzeuge gehen nach Ende der Nutzungsdauer an unseren Leasingpartner zurück“, sagt eine Sprecherin von Share-Now, wie Car2go mittlerweile heißt.

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