Sonnenschein, frühsommerliche Temperaturen: Was gibt es da Schöneres, als die Zeit im Freien zu genießen – und sei es nur bei einem gemütlichen Spaziergang oder einem Besuch auf dem Spielplatz? Oft vergisst man dabei, dass diese scheinbaren Selbstverständlichkeiten für manche Menschen gar nicht so selbstverständlich sind.
Damit möglichst alle Einwohner am Leben im Ort teilhaben können, bemühen sich viele Kommunen um mehr Barrierefreiheit. Oft ist das schon mit kleinen Veränderungen zu erreichen – zum Beispiel mit Sitzbänken speziell für Senioren, bei denen erhöhte Sitzflächen das Aufstehen nach einer Pause erleichtern. Immer mehr Kommunen versuchen zudem, ihre Spielplätze inklusiver zu gestalten: mit erleichterten Zugängen und mit Spielgeräten, die für Kinder mit und ohne Handicap interessant sind. Wie ist der ehemalige Kreis Leonberg dahingehend ausgestattet? Ein Überblick.
Erhöhte Bänke für leichteres Aufstehen
Beim Thema Seniorenbänke sind die meisten Kommunen schon recht weit. Viele achten mittlerweile beim Aufstellen neuer Bänke darauf, dass immer auch seniorengerechte darunter sind. Leonberg verfügt zum Beispiel über 43 Seniorenbänke auf allen Friedhöfen in der Kernstadt und den Teilorten, in verschiedenen Parkanlagen und an den Wegen in den Außenbereichen, berichtet Leila Fendrich, Sprecherin der Stadt. Im neu gestalteten Brühlwiesenpark in Weil der Stadt stehen seniorengerechte Bänke mit erhöhter Sitzfläche. Heimsheim bietet eine Bank am Wasch- und Backhaus in der Mönsheimer Straße. „Diese wird auch gut und gerne von Senioren angenommen“, erzählt Andor Varszegi, Bauamtsleiter in Heimsheim. Am See soll noch eine weitere entstehen. Beispiele aus Renningen sind die Bänke am Rankbach in Malmsheim (zwischen Calwer Straße und Auenweg). „Diesen Weg haben wir 2026 neu angelegt“, berichtet der Stadtbaumeister Hartmut Marx. „Eine Seniorenbank haben wir dort aufgebaut, weil das Pflegeheim in der Schöckengasse nicht weit entfernt liegt und die Senioren dort diesen Weg häufig nutzen und auf halber Strecke gerne ein Päuschen machen.“ Über das restliche Stadtgebiet verteilt befinden sich zudem immer wieder Bänke mit Armstützen, die für Senioren ebenfalls „willkommene Helferlein beim Hinsitzen und Aufstehen sind“.
In Korntal-Münchingen gibt es zu diesem Thema sogar eine eigene Initiative, die bestehende Bänke auf ihre „Seniorentauglichkeit“ hin überprüft. Der OGV Münchingen hat erst vor wenigen Wochen eine geeignete Bank für den Stiegelplatz gespendet. Eine sogenannte „Baumelbank“ steht in Hemmingen am Seedamm. Besucher jeden Alters können dort die Füße baumeln lassen. Das soll die Gelenke entlasten.
Die Erfahrungen sind jedoch unterschiedlich. In Hirschlanden rund um das Haus Guldenhof und in Schöckingen gibt es zum Beispiel eine Art „Bänklesrunde“, bei denen in kurzen Abständen Bänke aufgestellt werden, um auch Senioren die Laufrunde zu ermöglichen, erzählt Jens Schmukal, Sprecher von Ditzingen. „Diese Sitzbänke sind aber keine speziellen Seniorenbänke. Das liegt auch daran, dass wir hierzu unterschiedliche Erfahrungen gesammelt haben und es bei einem Versuch auch die negativen Rückmeldungen von Senioren gab, dass die Sitzbank dann zu hoch sei.“
Ein kühles Plätzchen im Sommer
Auch Weissach will sukzessive die Bänke der Gemeinde auf die Anforderungen von Senioren anpassen. „Zudem wird diesen Sommer eine Seniorenecke am Weissacher Marktplatz zur Verfügung stehen“, berichtet der Bürgermeister, Jens Millow. „Hier sollen entsprechende Sitzmöglichkeiten von der älteren Bevölkerung getestet werden können.“
Eine weitere Besonderheit ist geplant: Es wird eine „adiabatische Kühlung“ für den Hochsommer installiert, die man von heißen Urlaubsorten kennt. Mithilfe von fein zerstäubtem Wasser soll die Temperatur in einem geschützten Bereich um bis zu zehn Grad gesenkt werden können. „Wir haben hierzu ein schattiges und windstilles Eckchen ausgemacht, das bereits rege von Senioren genutzt wird.“
Nachholbedarf auf dem Spielplatz
Inklusive Spielplätze sind dagegen im Altkreis noch nicht sehr verbreitet. Gerade die Zugänglichkeit bildet eine besondere Herausforderung, gerade für kleinere Kommunen. Denn „leider ist es nicht damit getan, dass der Bauhof die speziellen Geräte nachrüstet“, erklärt Jens Millow. „Aktuell sind unsere Spielplätze mit einem Fallschutz aus Sand oder Rindenmulch oder Ähnlichem versehen und umgeben von Rasenflächen.“ Barrierefreie Geräte müssten aber auch barrierefrei erreichbar sein. Der zuständige Mitarbeiter des Bauhofs war jedoch erst kürzlich auf einer entsprechenden Schulung, „und wir werden im Zuge der neuen Ortsmitte solche Bedarfe mitdenken“.
Auch andere Gemeinden haben bereits Projekte vor Augen. In Renningen beispielsweise fiel erst vor wenigen Wochen der Beschluss, bei neuen Spielplätzen und beim Nachrüsten von bestehenden darauf zu achten, auch entsprechende Spielgeräte zu verwenden. Für den Spielplatz am Bismarckplatz, der demnächst erweitert wird, ist so etwas in Planung. In Ditzingen hat der Gemeinderat schon im vergangenen Jahr den Bau eines Inklusionsspielplatzes beschlossen. Als Standort steht inzwischen der Spielplatz Brühlstraße in Hirschlanden fest. „Die Vorbereitungen für die konkretere Planung laufen momentan, sodass der Spielplatz voraussichtlich 2025 gebaut wird“, berichtet Pressesprecher Jens Schmukal. Im gesamten Stadtgebiet soll bei zukünftigen Umbaumaßnahmen geprüft werden, wie der Spielplatz zumindest in Teilen barrierefrei und inklusiv gestaltet werden kann.
Weil der Stadt möchte am Spielplatz an der Stadtmauer barrierefreie Spielgeräte sowie gemeinsame Spielflächen für Menschen mit und ohne Behinderung schaffen. „Unser Ziel ist es, den Spielplatz kommendes Jahr zu bauen“, sagt Ralf Wöschler, Sachgebietsleiter Baubetriebshof, Tief- und Straßenbau.
„Wir haben uns bereits verschiedene Spielgeräte von Herstellern zeigen lassen und wollen in der Zukunft, sobald ein Gerät ersetzt werden muss, prüfen, ob ein solch besonderes Spielgerät möglich und sinnvoll ist“, sagt die Rutesheimer Bürgermeisterin, Susanne Widmaier. „Dies ist zum Beispiel vom Platzbedarf, dem Untergrund und vom Gesamtkonzept des Spielplatzes abhängig.“
Beispielhaftes Leonberg
Verbesserte Zugänglichkeit von Spielplätzen ist nicht nur für Kinder mit Handicap ein Gewinn, sondern auch für betroffene Eltern und Großeltern. Leonberg hat hier schon einiges geschafft – und noch mehr: „Entsprechende Spieleinrichtungen oder Spielpunkte werden dort angeboten, wo sie sinnvoll sind und von den betroffenen Personengruppen genutzt werden können“, erklärt Leila Fendrich. „Das können verschiedene Elemente sein: Klangkörper, Karussells, Akustikeinheiten, leichte Aufstiegsmöglichkeiten für weniger mobile Kinder, mit Rollstuhl oder Rollator unterfahrbare Tische.“
Kürzlich wurde der Spielplatz Ezach Mitte fertiggestellt – unter anderem mit einem Karussell, das mit dem Rollstuhl oder Rollator genutzt werden kann. „Wenn der Rasen gewachsen ist, kann der Spielplatz eröffnet werden.“ Weitere Beispiele sind die Akustikmuscheln am Spielplatz Niederhofen, die für Sehbehinderte geeignet sind, sowie Klangkörper am Spielplatz Dietrich-Bonhoeffer-Straße. Am Spielplatz Binsenweg ist der Fallschutzbelag der Schaukeleinheit mit Rollstuhl und Rollator befahrbar. Darüber hinaus wurde bei mehreren Spielplätzen die Zugänglichkeit verbessert.