Inklusionsprojekt in Kooperation mit dem Verein Zuhause leben Von Heslach hinaus ins Land

Von Petra Mostbacher-Dix 

„Wir machen Heslach bunter“: Menschen mit und ohne Behinderung malen gemeinsam.

Miteinander  malen und reden.  Das ist das Ziel des Projektes „Wir machen Heslach bunter“. Dem hat sich die Projektleiterin Susanne Wirth (links) verschrieb en, aber auch Gerda Mahmens (mit Hut) vom Verein Zuhause leben und der Künstler Alessandro Benigni (rechts). Foto: Petra Mostbacher-Dix
Miteinander malen und reden. Das ist das Ziel des Projektes „Wir machen Heslach bunter“. Dem hat sich die Projektleiterin Susanne Wirth (links) verschrieb en, aber auch Gerda Mahmens (mit Hut) vom Verein Zuhause leben und der Künstler Alessandro Benigni (rechts). Foto: Petra Mostbacher-Dix

S-Süd - Du musst in das Rot einen Tropfen Blau mischen.“ Konzentriert betrachtet der Künstler Alessandro Benigni das Bild, das ihm Dani entgegenhält: eine Landschaft. Die Kunst- und Theaterpädagogin will die Nuancen des Himmels noch verfeinern. Heidi, Karin und Christine wiederum nutzen die Farbe pur. Gemeinsam setzen sie auf der unteren Hälfte einer großen Leinwand Pinselschwünge in allen Farben des Regenbogens. In der oberen geht es figurativ zu: Dort schält sich ein Gesicht sich aus dem Meer der Linien und Punkte.

„Das Malen macht total Spaß, aber vor allem auch die Gemeinschaft, eben dass man etwas zusammen tut“, schwärmt Karin. Christine nickt und lacht. Die beiden Frauen wohnen im Generationenhaus Heslach. Dort im Gebrüder Schmid Zentrum findet auch der Mal-Workshop unter dem Motto „Wir machen Stuttgart bunter“ statt – einmal im Monat, samstags zwischen 13 und 17 Uhr – kostenlos.

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen

„Man muss sich nicht anmelden, jeder ist willkommen“, betont Susanne Wirth, die das Projekt ehrenamtlich leitet. Und das kommt an. An diesem Samstag haben sich mittlerweile rund 20 Menschen eingefunden – mit und ohne Behinderung, Ältere und Jüngere, verschiedene Nationen. „Die Hauptsache dabei ist die Inklusion“, betont Benigni, der den Kurs anleitet und dafür aus der Nähe von Baden-Baden mit seiner Frau Claudia nach Stuttgart reist. Im Schwarzwald ist Benigni der Vorsitzende des Vereins Kunst und Inklusion, den er mitgegründet hat. „Inklusion bedeutet nicht nur, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen kreativ tätig sind“, betont er. „Mitmachen sollen auch Menschen, die wie auch immer ausgeschlossen sind – oder nicht die Mittel haben. Es geht um Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“

So sieht das auch Gerda Mahmens, die Vorsitzende des Vereins Zuhause leben, der schon den Vorgänger des Kunstprojekts im Stuttgarter Stadtteil Heslach initiiert und Benigni ins Boot geholt hat. Wir machen Heslach bunter hieß dieser und wurde mit 5000 Euro von der Aktion Mensch finanziert. Das Ganze basierte wiederum auf einem Malworkshop, der vor drei Jahren vom Handels- und Gewerbeverein Heslach bezuschusst wurde.

Die erste Ausstellung läuft bereits

Wie gut das Geld angelegt war, das zeigt nun eine Ausstellung im Generationenhaus: Im Café Nachbarschafft sind bis Anfang Juni die Werke, die dabei entstanden sind, zu sehen. Die Vernissage, eröffnet vom Bezirksvorsteher des Stuttgarter Südens, Raiko Grieb, sei super besucht worden, freut sich Alejandro Boye, der sich im Vorstand von Zuhause leben engagiert. „Es gab sogar Kaufinteressenten.“

Boye, Mahmens, Benigni und Projektleiterin Wirth ist wichtig, dass das Erreichte, der Austausch und die Freundschaften, die sich entwickelten, nicht verpuffen. „Wir wollen Nachhaltigkeit und Verstetigung“, so Mahmens. Also haben sie das neue Projekt konzipiert, das vom Gesundheitsamt der Stadt Stuttgart unterstützt wird. Zudem sei man auf der Suche nach Sponsoren, sagt Mahmens. Und Benigni fügt hinzu: „Wir gehen nun von Heslach aus in die Stadt hinaus, malen an anderen Orten, es wäre schon, wenn wir uns auch anderswo präsentieren könnten, vielleicht mal im Rathaus.“ Geplant seien außerdem Ausflüge, etwa zur Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall. Und freilich erhoffen sich die Macher, dass die Kerngruppe von rund zehn Teilnehmern größer und bunter wird.

„Schön wäre, wenn auch Flüchtlinge kommen würden, um die Kultur auszutauschen – oder Jugendliche“, sagt Benigni. Das Team kann sich Kooperationen mit Jugendhäusern vorstellen. „Wer weiß, vielleicht können wir uns in einigen Jahren auf einer Kunsthandwerkermesse zeigen.“

Prominente Fans hat die Gruppe bereits. Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung im Staatsministerium Baden-Württemberg, hat sich auf Facebook bei Gerda Mahmens gemeldet: „Sie findet toll, was wir tun.“

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