Innovatives PV-Projekt in Oberstenfeld Energetische Unabhängigkeit für das Freibad

So ähnlich dürfte die PV-Überdachung am Freibad Oberstenfeld aussehen – nur größer. Hier der Parkplatz beim Rathaus in Neuötting, einer Stadt in Oberbayern. Foto: Energiegenossenschaft

Der Betreiber des Mineralfreibads Oberes Bottwartal will Photovoltaik-Dächer über den Parkplatz bauen.

Ludwigsburg: Sandra Lesacher (sl)

Es ist ein ziemlicher Coup, den die Verantwortlichen für das Mineralfreibad Oberes Bottwartal da landen: Eine Photovoltaik-Anlage soll den Parkplatz überdachen, das Freibad mit Sonnenstrom betreiben, Strom für E-Fahrzeuge liefern und zudem die Autos in der Sommerhitze beschatten. Ein Leuchtturm-Projekt, wie es bislang in der gesamten Region nicht und bundesweit kaum zu finden ist – und für das es obendrein einiges an Fördergeldern geben könnte. Am Dienstagabend hat der Zweckverband Mineralfreibad Oberes Bottwartal das Vorhaben mit großer Mehrheit auf den Weg gebracht.

 

Geplant ist, den asphaltierten Parkplatz-Bereich – das sind knapp 200 der insgesamt 700 Stellplätze – mit so genannten PV-Carports zu überbauen. Das ergibt eine Solarmodul-Fläche von gut 2350 Quadratmetern. Bestückt man die Dachflächen des Sanitärbereichs, des Kiosks und der Kasse ebenfalls, würden am Ende auf 3000 Quadratmetern Sonnenenergie erzeugt – 565 Kilowatt Peak, so die Berechnungen. 200 Tonnen CO2 könnten so pro Jahr eingespart werden.

Zum ersten Mal ein Freibad

Selbst für die Solarspezialisten vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) ist das Oberstenfelder Vorhaben ein Novum. Sie haben bereits viele Photovoltaik-Projekte begleitet, aber noch kein Freibad. Für die Anlage auf dem Parkplatz des Mineralfreibads lieferten sie die entsprechenden Berechnungen und Vergleiche und stellten sie bei der Zweckverbandssitzung vor.

Und zwar mit dem Ergebnis, dass sich die Idee durchaus lohnt. Ganz besonders, wenn alle Fördergelder abgerufen werden können. 75 Prozent könnte es vom Bund geben, und auch das Land Baden-Württemberg bezuschusst Projekte wie diese. Womit am Zweckverband als Betreiber und damit an den Kommunen Oberstenfeld und Beilstein nur ein geringer Anteil der Kosten hängen bleiben würde. Die sich im Übrigen auch bald amortisiert hätten, da das Freibad dann kaum noch auf Strom von außerhalb angewiesen und vom Strompreis unabhängig wäre. Zudem könnte der überschüssige Strom per direkter Leitung beispielsweise an ein Unternehmen in der Nähe verkauft werden, was sogar Einnahmen bringen würde.

„Was gibt es besseres, als den Strom fürs Freibad hier direkt vor Ort zu erzeugen?“, fragte der Oberstenfelder Gemeinderat Michael Meder (Freie Wähler) und fügte an: „Und das bei einer Förderung von 75 Prozent. Das kann man gar nicht ausschlagen.“ Was seine Kollegen ähnlich sahen. Die Mitglieder des Zweckverbands stimmten mit großer Mehrheit dafür, das Vorhaben weiter zu verfolgen, das dann – so alles glatt läuft – schon 2025 mit eigener Sonnenenergie betrieben werden könnte.

Einzig der Beilsteiner Stadtrat Oliver Kämpf (Bürgerliste) stimmte gegen das neue Energiekonzept. Ihm erscheine es als unsinnig, „nur aus ideologischen Gründen“ auf ein neues Pferd zu setzen. Nur: „Was wäre denn die Alternative?“, fragte der Zweckverbandsvorsitzende Markus Kleemann. „Weitermachen wie bisher sicher nicht.“ Er habe im Übrigen selten etwas gesehen, was so überzeugend sei, wie dieses Projekt.

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