Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof hat den nächsten Insolvenzantrag gestellt. Nach den jüngsten Pleiten und Hiobsbotschaften der Signa-Gruppe war dieser Schritt indes nur eine Frage der Zeit. Bei Galeria Karstadt Kaufhof spricht man von einem Befreiungsschlag – ein Eigentümerwechsel könnte die erhoffte Rettung sein. „Galeria Karstadt Kaufhof ist mit seinen über 15 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Markt erfolgreich und hat das erste Quartal des Geschäftsjahres 2023/24 über dem Vorjahresquartal abgeschlossen“, heißt es in der jüngsten Pressemitteilung des Unternehmens. „Die zahlreichen Insolvenzen der Signa-Gruppe schädigen jedoch Galeria massiv, behindern das laufende Geschäft und schränken durch hohe Mieten und teure Dienstleistungen die künftigen Entwicklungsmöglichkeiten stark ein.“ Um sich aus dieser Situation zu befreien, habe das Unternehmen am 9. Januar beim Amtsgericht Essen einen Insolvenzantrag gestellt. Es ist der dritte seit dem Jahr 2020.
Am 17. Januar schließt die Filiale an der Eberhardstraße
Zunächst wurden 2020 bundesweit 47 Häuser von Galeria Karstadt Kaufhof in prominenten Lagen geschlossen. Damals musste – im Oktober – auch die Filiale in Bad Cannstatt zumachen. Im März vergangenen Jahres wurde die nächste Streichliste veröffentlicht. 52 der damals 129 Standorte waren darauf zu finden. Nicht alle mussten am Ende schließen, doch eine weitere Filiale in Stuttgart war betroffen. Am 17. Januar werden die Galeria-Karstadt-Kaufhof-Türen an der Eberhardstraße zum letzten Mal aufgehen. Der Ausverkauf vor Ort ist schon auf der Zielgeraden.
Die Filiale an der unteren Königstraße in Stuttgart mit ihrer etwa 20 000 Quadratmeter großen Fläche soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Das ist auch nach dem erneuten Insolvenzantrag so. Galeria-Chef Olivier van den Bossche: „Jetzt zählt allein, was Galeria weiterbringt. Wir müssen die Signa-Mieten, teure Dienstleister, das Service-Center in Essen und die Effizienz unserer Logistik konsequent auf Kurs bringen. Unsere Filialen und die Vertriebsmannschaft funktionieren bereits gut und auch unser Online-Geschäft haben wir in die Profitabilität geführt. Jetzt sind unsere Ziele Eigentümerwechsel und Lösung aus der Umklammerung.“ Erste Gespräche mit potenziellen Investoren seien bereits angelaufen.
Die Grundstimmung bei Galeria ist positiv. Das ist auch in Stuttgart zu spüren. Filialgeschäftsführer Thomas Benedetti sieht den Insolvenzantrag als Chance auf einen Neuanfang – ohne Signa. „Vor etwa einem Jahr wurde unsere Miete auf einen Schlag um 100 Prozent erhöht. Das hat uns schier die Schuhe ausgezogen“, sagt Benedetti. Dennoch habe er es mit seinen 180 bis 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geschafft, dass die Filiale weiterhin auf gesunden Füßen steht. „Wir haben in den vergangenen sechs Monaten gemerkt, dass das Leben in die Stadt und auch in unser Haus zurückkehrt“, sagt der Geschäftsführer. Die Kundenfrequenz sei mittlerweile fast wieder so hoch wie 2019 – vor der Pandemie. Das würden auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort spüren. „Natürlich ist das heute kein Tag um sich zu freuen oder zu jubeln. Aber die Stimmung ist nicht so angespannt wie bei den Insolvenzen zuvor. Das letzte Mal gab es Existenzängste. Das ist dieses Mal nicht der Fall“, erklärt Benedetti. Klar sei, dass „das Warenhaus lebt. Wir haben ein Zukunftskonzept. Jetzt gilt es einen Weg zu finden, wie wir es umsetzen können“, betont er.
Die Perspektive sei gut. Wenn erst einmal der neue Bahnhof eingeweiht sei, werde das sicherlich noch mehr Besucherinnen und Besucher in die Innenstadt bringen. Zudem stehe dieses Jahr die Fußball-Europameisterschaft an, die ebenfalls für noch mehr Frequenz auf der Königstraße sorgen werde.
Auch Oberbürgermeister Frank Nopper blickt positiv in die Zukunft: „Der Galeria-Standort an der Königstraße gehört zu den stärksten in ganz Deutschland. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass es in Stuttgart in neuer Aufstellung weitergeht.“