Integration Flüchtlingskinder dürfen nun doch in die Nachmittagsbetreuung

Maysaloun Al Habeeb ist froh, dass ihre Zwillinge Zahra (links) und Alaa jetzt schneller Deutsch lernen Foto: Otto-H. Häusser
Maysaloun Al Habeeb ist froh, dass ihre Zwillinge Zahra (links) und Alaa jetzt schneller Deutsch lernen Foto: Otto-H. Häusser

Eine irakische Flüchtlingsfrau konnte ihre Zwillinge bisher nicht in die Kernzeitenbetreuung schicken. Die Stadtverwaltung von Filderstadt will nun helfen.

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Harthausen - Man merkt ihr an, dass sie Gas geben will. Die Irakerin Maysaloun Al Habeeb, die erst im Juli mit ihren Zwillingen Zahra und Alaa nach Deutschland gekommen ist, will den beiden Mädchen den Start in der Fremde erleichtern. Dazu gehört, dass sie möglichst schnell Deutsch lernen. Al Habeeb, die im Irak als Lehrerin für Arabisch und Englisch gearbeitet hat, weiß, wie wichtig es ist, die örtliche Sprache sprechen zu können, wenn man in die Schule kommt.

Ihre siebenjährigen Zwillinge sind im September kurz nach ihrer Ankunft in Filderstadt eingeschult worden. Bisher können sie nur einzelne Wörter oder Zahlen auf Deutsch sprechen. „Gut ist, dass die Lehrerin die Zwillinge immer wieder auf Englisch anspricht“, sagt Martina Fritzsche vom Filderstädter Arbeitskreis Asyl. Sie betreut Flüchtlinge, die wie Al Habeeb und ihre Töchter eine Zuflucht im Harthäuser Wohnheim an der Robert-Bosch-Straße gefunden haben.

Ab Dezember Plätze frei

„Es ist schön, dass die Mädchen nun in die Kernzeitenbetreuung gehen können“, sagt Firtzsche, die gestern von der Stadtverwaltung darüber informiert wurde, dass ab Dezember zwei Plätze frei seien. Nun habe zum einen die Mutter mehr Zeit, um selbst Deutsch zu lernen. Und zum andern könnten ihre Kinder jetzt spielerisch an die deutsche Sprache herangeführt werden. „Dort kommen die Zwillinge mit deutschen Kindern zusammen“, sagt sie. Das ist nach ihrer Ansicht besser, als wenn sie nur mit anderen Flüchtlingskindern zusammen sind.

Davon ist auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Bauer überzeugt. Er war von Martina Fritzsche über den Fall informiert worden und hatte ihn dann im Bildungs-, Kultur- und Sozialausschuss vorgebracht. „Es freut mich sehr, dass das nun geklappt hat“, sagt er auf Nachfrage. Die Stadtverwaltung habe schnell und unbürokratisch gehandelt.

Keine Privilegien für Flüchtlinge

Denn eigentlich gibt es laut der Benutzungsordnung für die Kernzeitenbetreuung keine Privilegien für Flüchtlinge. Alleinerziehende wie Maysaloun Al Habeeb werden demnach nur dann bei der Vergabe der Plätze bevorzugt, wenn sie arbeiten gehen. Doch das ist Al Habeeb noch nicht möglich. „Das Jobcenter hat gesagt, ich müsse zunächst Deutsch lernen“, erklärt Al Habeeb auf Englisch. Die Verwaltung hat sich jedoch kulant gezeigt. Alleinerziehende, die eine Fortbildung oder einen Sprachkurs machen, um sich auf die Arbeit vorzubereiten, würden so behandelt als ob sie arbeiten würden, sagt Jens Theobaldt, der Leiter des Amts für Familie, Schulen und Vereine. Nach Ansicht von Martina Fritzsche sollten Flüchtlingskinder generell ein Anrecht auf einen Kernzeitenplatz haben.

Maysaloun Al Habeeb ist froh darüber, dass ihre Kinder nun schneller Deutsch lernen können und in Kontakt mit deutschen Kindern kommen. Außerdem kann sie sich so besser für die Zukunft rüsten. Derzeit besucht die 46-Jährige eine Fahrschule, damit ihr irakischer Führerschein auch in Deutschland gilt. Außerdem will sie sich um einen Sprachkurs bemühen.

Ziel: Fuß zu fassen

Ihr Ziel ist es, als Asylantin anerkannt zu werden und in Deutschland Fuß zu fassen. Ihre Flucht aus dem Irak war nicht einfach. Dort hatte sie keine Zukunft mehr gesehen, nachdem ihr Mann eine zweite Frau heiratete. „Weil ich ihm fünf Mädchen und keinen Sohn geboren hatte“, erklärt Habeeb. Nachdem ihr Mann sie und die Kinder geschlagen habe, sei für sie nur noch die Scheidung in Frage gekommen. „Doch die war teuer“, sagt sie. Sie habe ihr Auto verkaufen müssen.

Weil sie ihr Vater dann auch verstoßen habe, sei sie geflüchtet. Während die älteste Tochter bereits verheiratet ist, habe sie ihre zehn und 13 Jahre alten Töchter beim Ex-Mann zurücklassen müssen. Mit ihren Zwillingen gelangte sie erst beim sechsten Versuch ohne gestoppt zu werden im Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland. Von dort kam sie schließlich per Flugzeug von Griechenland nach Belgien und von dort nach Deutschland.




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