Integration Stadtspaziergang soll Alt- und Neu-Esslinger zusammenbringen

Besuche religiöser Orte stehen auf der Agenda der Ehrenamtlichen, auch eine Visite in der Esslinger Synagoge. Foto: /Barbara Scherer

Ein Projekt der Stadt will mit neuen Ideen die Integration in der Stadt fördern. Das Ehrenamt wird dabei von den Beteiligten als ein wichtiger Baustein gesehen. Sobald es die Coronasituation zulässt, wollen die Arbeitsgruppen ihre Ideen umsetzen.

Esslingen - Ein Stadtspaziergang für Neue in der Stadt, eine digitale Plattform für ehrenamtliche Projekte, eine Sammlung von Begegnungsorten für eingesessene und neue Esslinger – diese und andere Gruppenarbeiten sind die ersten Ergebnisse aus dem Projekt „Integration durch Engagement Esslingen“ (IdEE). Ursprünglich war ein Treffen der Teilnehmer in Präsenz geplant, coronabedingt wurde daraus jedoch ein Online-Termin. Das Fazit: Esslingen hat ein hohes ehrenamtliches Potenzial, die einzelnen Akteure benötigen aber noch Hilfestellung und Unterstützung.

 

Gemeinsames Abendessen zum Abschluss

Bevor das Projekt in den „Winterschlaf“ geht, wollte Koordinatorin Janina Mader die Ideen der einzelnen Gruppen vorstellen. Mader ist im Amt für Soziales, Integration und Sport der Stadt zuständig für Bürgerengagement in der Flüchtlingsarbeit und bearbeitet das Projekt „IdEE“ gemeinsam mit ihrer Kollegin Claudia Reiff. Das zentrale Thema des Projekts ist ein gemeinsames ehrenamtliches Agieren von eingesessenen Esslinger Bürgern und zugewanderten Menschen. „Ehrenamt als Baustein für Integration“ nennt es Mader. So haben sich Männer und Frauen gefunden, die einen „Stadtspaziergang“ für Esslingen ersonnen haben. Das soll keine Stadtführung sein, sondern ein individueller Kennenlerngang durch die Stadt, bei dem sich Alt- und Neu-Esslinger mit Migrationshintergrund näher kommen. Der Gang könnte etwa mit einem gemeinsamen Essen beendet werden. Diese Gruppe hat bereits ein Flugblatt drucken lassen und wartet nun ungeduldig auf das Ende des Coronawinters, um loslegen zu können.

Digitale Plattform für Vereine und Initiativen

Eine andere Arbeitsgruppe – sie nennt sich Navi – hat begonnen, Esslinger Orte der Begegnung zusammenzustellen, mit dem Ziel, diese bekannter zu machen und stärker zu bespielen. Weitere Ehrenamtler sind dabei, eine digitale Plattform für Vereine, Initiativen und Organisationen in der Integrationsarbeit zu erstellen, auf der sich diese in ihrem eigenen Stil präsentieren können. „Brückenbauer“ nennen sich Aktivisten, die für Bildungsgerechtigkeit eintreten und vornehmlich Schüler mit Migrationshintergrund im Schulalltag unterstützen wollen. Eine Esslingerin hat eine Kontaktbörse für Ausbildung und Arbeitsstellen zusammengestellt und ein Vertreter der Religionsgemeinschaft Ahmadiyya möchte interkulturelle Besuche in religiösen Stätten anbieten.

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Beim dem virtuellen Treffen wurde schnell klar: Die Gruppen sind in ihrer Arbeit unterschiedlich weit gekommen, manche benötigen Hilfe in Form von technischem Knowhow oder Verwaltungsexpertise. Manche fanden „Schnittmengen“ mit anderen: So konnte sich die Gruppe „Stadtspaziergang“ vorstellen, ihr gemeinsames abschließendes Essen in einem der Orte der Begegnung der Gruppe Navi zu organisieren. Klar wurde aber auch, dass alle Gruppen noch Mitmacher brauchen können.

Wie lebt man besser zusammen?

Der Grundstein für „IdEE“ wurde im vergangenen Jahr gelegt. Anhand eines Fragebogens loteten Janina Mader und Claudia Reiff die Bereitschaft der Menschen in Esslingen aus, sich ehrenamtlich zu engagieren. „Wir hatten einen sehr starken Rücklauf“, sagt Janina Mader. Darunter seien sowohl Menschen gewesen, die schon ehrenamtlich unterwegs waren, als auch Neulinge auf diesem Gebiet. Ende April 2020 hatte eine Online-Ideenwerkstatt stattgefunden, zu der alle Bürger eingeladen waren. Im Vordergrund standen die Fragen: Wie wollen wir in Esslingen noch besser zusammenleben? Welche Ideen und Einzelprojekte können Engagierte alleine oder mit der Verwaltung und Politik zu guten Integrationsaktivitäten weiter entwickeln? Das Ergebnis waren „viele guten Ideen“, wie Janina Mader sagt, und jene fünf konkreten Arbeitsgruppen.

Pakt für Integration

Förderprogramm
„IdEE“ ist entstanden als förderfähiges Projekt zur Unterstützung von Integration. Das Landesministerium für Soziales, Gesundheit und Integration hat den „Pakt für Integration“ aufgelegt, in dessen Rahmen „Integration durch bürgerschaftliches Engagement und Zivilgesellschaft“ gefördert wird. Janina Mader hat sich im März 2020 mit dem „Programm zur Förderung bürgerschaftlichen Engagements bei der Integration von Migrantinnen und Migranten“ um Förderung beworben. Kommunen erhalten eine Prozessbegleitung über die Führungsakademie Baden-Württemberg in einem Wert von 40 000 Euro.

Wie es weiter geht
Die Landesförderung läuft Ende des Jahres aus. Doch „IdEE“ lebt weiter. Janina Mader sagt, sie werde weiterhin Fördermöglichkeiten für die Engagierten ausloten. Im Frühjahr soll es ein Präsenztreffen geben, bei dem auch die vielen über den Fragebogen gesammelten Ideen angeschaut werden.

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