Integrationsmanager helfen Flüchtlingen Neue Lotsen im Dschungel der Bürokratie

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In Fellbach kümmern sich fünf Integrationsmanager um die Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung. Eine App für das Smartphone soll ihnen dabei helfen.

Integrationsmanager Nelson Müller hillft Flüchtlingen in Fellbach. Foto: Sascha Sauer
Integrationsmanager Nelson Müller hillft Flüchtlingen in Fellbach. Foto: Sascha Sauer

Fellbach - Das war dann doch zu viel für das WLAN-Netz des Rathauses: Mehr als 70 Flüchtlinge wollten am Dienstagabend zeitgleich eine neue digitale App testen. Die Technik streikte. Doch die Aufregung war nur von kurzer Dauer. Die neuen Integrationsmanager boten sofort Termine in ihren Büros in den Unterkünften der Anschlussunterbringung an.

In Fellbach kümmern sich seit diesem Monat die fünf Integrationsmanager Nina Denz, Bashier Yusuf, Lisa Fiegel, Nathalie Ulbrich und Nelson Müller um die rund 560 Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung. Möglich macht das die Landesregierung mit dem „Pakt für Integration“. Sie stellt den Kommunen in diesem und im kommenden Jahr insgesamt 320 Millionen Euro für Integrationsarbeit zur Verfügung.

Die Betreuung von Flüchtlingen soll in Fellbach noch besser werden

Fellbach hat fast 300 000 Euro bekommen. „Damit können die kompletten Personalkosten der Integrationsmanager bezahlt werden“, sagt Christine Hug, die Leiterin der Stabsstelle für Senioren und Integration. „Ich hoffe, dass es nach den zwei Jahren noch weitergeht.“ Auch Erster Bürgermeister Günter Geyer freut sich über die Verstärkung in der sozialen Begleitung von geflüchteten Menschen: „Dadurch wird die Betreuung noch besser.“

Die Vorstellung der App „Jobkraftwerk“ im Rathaus sorgte für volle Stuhlreihen. Fellbach ist die erste Stadt in der Region Stuttgart, die diese Software nutzt. Es ist eine Plattform für Flüchtlinge und Arbeitgeber. Ein Beispiel: Die Geflüchteten können ihren Lebenslauf in Englisch, Arabisch, Farsi oder Tigrinya (wird in Äthiopien und Eritrea gesprochen) auf dem Smartphone eingeben und bekommen am Ende einen Lebenslauf in deutscher Sprache. „In der App haben wir auch alle Berufe dieser Welt und viele Schulsysteme gespeichert“, erklärt Oliver Queck, Mitgründer von Jobkraftwerk. Firmen könnten so passgenau nach geeigneten Kandidaten suchen – und Flüchtlinge nach potenziellen Arbeitgebern.

Die Online-Plattform hilft bei der Zusammenarbeit der fünf Integrationsmanager

Die Online-Plattform hilft aber auch, die Zusammenarbeit der fünf Integrationsmanager, die sich 4,5 Stellen teilen, zu fördern. „Die App ist sehr vielseitig“, sagt Nelson Müller, der für die Flüchtlinge im Gebäude 2 der Bruckstraße zuständig ist. „Unser Ziel ist, dass sich die Menschen im Regelsystem unserer Gesellschaft selbstständig zurechtfinden“, erklärt der 28-jährige Islamwissenschaftler.

Auch Nina Denz, die ihr Büro in der Unterkunft an der Esslinger Straße beim alten Freibad hat, hilft beim Ausfüllen von Anträgen für Kindergeld, GEZ-Befreiung oder bei der Jobsuche. „Wir unterstützen die Flüchtlinge aber nur dabei. Sie sollen das so gut lernen, dass ich irgendwann überflüssig bin“, erklärt die 39-Jährige ihre Aufgabe. Ihr Kollege Bashier Yusuf, der im Roncalli-Haus in Oeffingen sein Büro hat, weiß, was die Flüchtlinge außerdem unbedingt lernen müssen: „Deutsch sprechen ist der Schlüssel in Deutschland.“