Internationaler Tag des Kusses So küsst die Welt

Von Melanie Maier 

Am 6. Juli ist der internationale Tag des Kusses. Ein Zungenkuss ist so intim wie kaum ein anderer Liebesbeweis zwischen zwei Menschen. Küsse in der Öffentlichkeit sind aber nicht überall erlaubt. In einigen Ländern gilt ein inniger Kuss sogar als sexuelles Vorspiel.

  Foto: Michael Luz
  Foto: Michael Luz

Stuttgart - Leidenschaftlich mögen es die Mexikanerinnen beim Knutschen. Die Engländerinnen dagegen legen Wert auf nicht allzu feuchte Küsse. Welche Kuss-Rituale in anderen Ländern aber auch in Deutschland selbst praktiziert werden, erklären wir anlässlich des Internationalen Tag des Kusses.

Der Begrüßungskuss

Küsschen links, Küsschen rechts: Vor allem im Mittelmeerraum ist es üblich, Familienmitglieder, Freunde und Bekannte mit Küssen zu begrüßen und zu verabschieden. Für Verwirrung sorgt bei Deutschen oft die Frage, in welchem Land wie viele Küsse angebracht sind. Während in Griechenland (erst rechts, dann links), in Italien und Spanien (erst links, dann rechts) zwei Küsse die Regel sind, küssen sich die Schweizer und die Belgier gleich dreimal (links, rechts, links). In Frankreich wird es kompliziert: Je nach Region und nach Bekanntheitsgrad gibt es mal zwei, mal drei und mal vier Küsse. Dabei werden werden die Wangen meistens nur leicht aneinandergedrückt und nicht geküsst (Ausnahmen bestätigen die Regel). Ausarten kann die Begrüßungszeremonie in Äthiopien: Je nachdem, wie innig die Beziehung zwischen den Beteiligten ist, werden zehn oder mehr Küsschen ausgetauscht – drei Küsse sind jedoch das Minimum.

Küsschen im Büro

Auch in manchen Teilen Deutschlands ist das Begrüßungsküsschen verbreitet. Bei der Arbeit jedoch gehört sich das Busserln nach Meinung des Knigge nicht. In einer Sondersitzung in Weissach bei Stuttgart beschloss die Arbeitsgruppe „Bussi-Bussi“ ein Kussverbot im Büro. In „leidenschaftlichen Diskussionen“, so heißt es auf der Webseite der Knigge-Akademie, fanden die Experten den Kusskonsens: privat sei der Begrüßungskuss okay, im Büro dagegen ein No-Go. „Im Business gilt als Begrüßungsritual der Handschlag. Die zulässige Distanz dabei beträgt in Deutschland etwa 60 Zentimeter oder eine Armlänge. Das ist eindeutig. Von Bussi-Bussi keine Spur“, erläutert Uta Kilian, die Kussbeauftragte der Deutschen Knigge Gesellschaft. Für das private Bussi gilt den Experten zufolge: Das erste Küsschen landet auf der linken Wange, das zweite auf der rechten.

Küss’ die Hand

„Küss’ die Hand, schöne Frau“: In Italien, Österreich, Frankreich und Polen ist der Handkuss noch immer recht verbreitet. In Deutschland dagegen beschränkt sich diese altmodische Geste des Respekts zumeist auf Adel und Prominenz. Geküsst werden darf die Hand laut Knigge nur in geschlossenen Räumen und auf Bahnsteigen. Ein Handkuss, so der Knigge weiter, stehe einer Dame erst dann zu, „wenn sie verheiratet beziehungsweise älter als 30 Jahre ist.“ Keinesfalls dürfe die Dame einen Handkuss selbst erzwingen, indem sie ihre Hand dem Herrn entgegenstrecke – entscheidend sei, dass beide Personen „eine unverkrampfte Gewohnheitsmäßigkeit walten lassen.“ Der Herr seinerseits sollte ungefähr zwei Zentimeter Abstand zum Handrücken der Dame einhalten – geküsst wird streng genommen also gar nicht. Gut zu wissen: Begrüßt ein Herr eine Dame im Raum mit Handkuss, muss er dies auch bei allen anderen anwesenden Damen tun.

Küssen verboten

Der Abschiedskuss am Flughafen oder am Bahnhof ist in Deutschland Alltag. In anderen Ländern dagegen ist das Küssen in der Öffentlichkeit nicht erlaubt – und wird teils mit hohen Strafen geahndet. Mit dem Küssen zurückhalten sollten sich Reisende etwa in Indien, Indonesien und Malaysia. In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sollten Urlauber in der Öffentlichkeit nicht einmal Händchen halten: Denn bei einer Anzeige werde der Austausch von Zärtlichkeiten auch strafrechtlich geahndet, teilt das Auswärtige Amt mit. In anderen Ländern steht das öffentliche Knutschen zwar nicht unter Strafe, wird aber nicht gern gesehen. In China und in Japan etwa gilt Küssen schon als Teil des Vorspiels. Dort sollten sich Verliebte daher nur im Hotelzimmer küssen. Selbst in Europa ist Knutschen mancherorts verboten: Nach Angaben der Reiseversicherung Secure Travel wird in der italienischen Stadt Eboli das Küssen im Auto mit einer Geldstrafe von 500 Euro belegt. Sogar in Frankreich, dem Land der Liebe, sind Abschiedsküsse an Bahnübergängen seit mehr als 100 Jahren offiziell untersagt. Geahndet wird ein Verstoß gegen das Gesetz aber schon lang nicht mehr.

Kein Interesse

Küssen gehört nicht überall auf der Welt zu einer Liebesbeziehung dazu. Ganz im Gegenteil: In den meisten Kulturen sei der romantische Kuss nicht die Norm, so Justin Garcia vom Kinsey-Institut an der US-amerikanischen Indiana University. „In manchen Kulturen rufen Küsse ein unbehagliches Gefühl hervor, andere empfinden sie sogar als abstoßend“, schrieb Garcia 2015 in dem Fachmagazin „American Anthropologist“. Zusammen mit seinem Team untersuchte er weltweit 168 Kulturen und fand heraus, dass der Kuss auf den Mund nur bei 46 Prozent von ihnen praktiziert wird. Am weitesten verbreitet ist der romantisch-sexuelle Kuss den Forschern zufolge im Nahen Osten, in Nordamerika, Europa und in Asien. In Zentralamerika, im Amazonasgebiet und in den afrikanischen Gebieten unterhalb der Sahara küssen sich die Menschen, die in traditionellen Kulturen leben, kaum auf den Mund. Dass Küssen zur Liebe gehört, sei eine sehr westliche Vorstellung, schlussfolgern die Forscher.

Andere Sitten, andere Küsse

An der Frage nach dem perfekten Kuss scheiden sich die Geister. Für Mexikanerinnen zum Beispiel geht nichts über die Leidenschaft: Fast drei Viertel von ihnen empfinden es als abtörnend, wenn ihr Partner sich beim Küssen zu sehr zurückhält. Das geht aus dem „Cora Romance Report 2003“ hervor, für den mehr als 4000 Frauen und Männer aus 18 Ländern befragt wurden. Jede zweite Engländerin graut es dem Bericht zufolge dagegen vor zu feuchten Lippen. Für die Deutschen ist der Zungenkuss gar so etwa wie ein erster Test. 42,5 Prozent von ihnen meinen: Wer nicht gut küssen kann, ist auch beim Sex ein Langweiler. Weltweit sind sogar 44 Prozent der Frauen dieser Ansicht.

Auch was den optimalen Kuss-Ort angeht, gehen die Vorlieben auseinander: Für 17 Prozent der finnischen Männer etwa ist das Auto der romantischste Ort zum Knutschen. Ein Viertel der Japaner würden das lieber an einem einsamen Strandabschnitt tun. 16,5 Prozent der Deutschen halten ein prasselndes Kaminfeuer für den perfekten Hintergrund zum Kuscheln und Küssen. In einem Punkt sind sich alle Nationen einig: Mit dem richtigen Partner ist überall der ideale Ort zum Küssen, sagen 53,1 Prozent.




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