Interne Klagewelle bei Volksbank Ludwigsburg Schlammschlacht im Geldhaus
Die Volksbank Ludwigsburg verklagt ihren ehemaligen Chef. Er soll viel Geld verjuxt haben. Dabei hat Karlheinz Unger die Bank einst gerettet.
Die Volksbank Ludwigsburg verklagt ihren ehemaligen Chef. Er soll viel Geld verjuxt haben. Dabei hat Karlheinz Unger die Bank einst gerettet.
Ludwigsburg - Das Geld, für das sich die Volksbank Ludwigsburg zurzeit ganz besonders ins Zeug legt, ist ihr eigenes: Von ihrem früheren Vorstandschef fordert sie einen sechsstelligen Betrag. Dafür hat sie Karlheinz Unger nun auf Schadenersatz verklagt. Der Schaden soll entstanden sein, weil sich Unger beim Umgang mit Einladungen und Geschenken im Namen der Bank nicht an die Regeln des Hauses gehalten haben soll.
Diese Klage ist der vorläufige Höhepunkt eines Streits, der im März des vergangenen Jahres schon dazu geführt hat, dass Karlheinz Unger seinen Vorstandssitz abgeben musste, knapp drei Jahre vor seinem regulären Ruhestand. Eine externe Anwaltskanzlei wurde mit der Prüfung möglicher Verstöße beauftragt. Das Ergebnis: Laut Volksbank soll Unger allein in der Vip-Loge, die die Bank in der MHP-Arena unterhielt, mehr als 250 000 Euro verjubelt haben. Details nennt der jetzige Vorstandsvorsitzende Thomas Palus keine.
Nach Informationen unserer Zeitung jedoch wird Unger vorgeworfen, die Loge mehr oder weniger als sein Wohnzimmer genutzt zu haben. Die Gäste dort soll er nach seinem Gutdünken und nicht zum Vorteil der Bank eingeladen haben. Anders als üblich und auch vorgeschrieben, soll es über diese Zusammenkünfte keine Gästelisten gegeben haben. Dies hatte die damals neue Compliance-Beauftragte misstrauisch gemacht, die die Sache letztlich ins Rollen brachte.
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Allerdings, berichten Insider, soll sich Unger auch bei anderen Veranstaltungen unangemessen großzügig auf Kosten der Bank gegeben haben. Auch von missbrauchten Werbegeschenken ist die Rede – die allerdings eigens ohne das Logo der Bank bestellt und nach persönlichem Gefallen verschenkt worden sein sollen.
Ungers Anwalt Alexander Deicke weist die Vorwürfe zurück. „Ich halte es für grob fahrlässig, eine solche Klage einzureichen“, sagt Deicke. Die Gäste in der Loge zum Beispiel seien stets betrieblich bedingt dort gewesen. Entweder waren sie Kunden oder sie sollten Kunden werden. Der Experte für Bank- und Kapitalmarktrecht mutmaßt, die Volksbank wolle über Unger die Kosten für das Gutachten der externen Kanzlei amortisieren. „Das ist eine Farce.“
Auf jeden Fall ist der Vorgang einigermaßen spektakulär: Allzu häufig kommt es nicht vor, dass eine Bank ihren früheren Chef verklagt. Und der Fall ist auch einigermaßen tragisch: Denn nur dank dieses früheren Chefs existiert die Volksbank Ludwigsburg überhaupt noch.
Als Karlheinz Unger 2002 von der Kreissparkasse Ludwigsburg in die Vorstandsriege der Volksbank kam, ging es dem Unternehmen sehr schlecht. Die Insolvenz der Wümeg – einst Deutschlands zweitgrößte Malergenossenschaft – hatte die Volksbank als Hausbank in eine existenzgefährdende Krise gestürzt. Millionenschwere Kredite waren ausgefallen. Doch Unger brachte das Geldinstitut wieder auf Kurs. Mit einer Bilanzsumme von knapp 2,2 Milliarden Euro und rund 82 000 Mitgliedern in der Region nimmt es heute unter den 168 genossenschaftlichen Banken im Land Platz 18 ein.
Es ist allerdings nicht nur dieser Sanierungserfolg, mit dem sich Unger einen Namen über die Branche hinaus gemacht hat. In nachhaltiger Erinnerung ist auch sein Kampf gegen die Betriebsratsvorsitzende Andrea Widzinski geblieben. Mit härtesten Bandagen kämpfte er 2007 dafür, sie loszuwerden, weil sie sich angeblich despektierlich über ihn geäußert hatte. Letztlich – und nach vielen negativen Schlagzeilen bundesweit – gab er auf und zog alle Verfahren zurück. In der Branche wunderte es niemanden, dass Mitarbeiter wegen Ungers Gebaren kündigten oder neue sich wegen Ungers Ruf gar nicht erst bewarben. Bei seinen Vorstandskollegen im Kreis hatte er schon schlechte Karten, seit er aus dem Kreisverband- der Volks- und Raiffeisenbanken ausgetreten war.
Als Thomas Palus im vergangenen Frühjahr den Posten von Unger übernahm, war ihm denn auch nichts so wichtig wie ein Imagewandel. Mehr Austausch mit anderen Geldinstituten, ein vertrauensvollerer Umgang untereinander – das waren die Schlagworte zum Kurswechsel.
Die aktuelle Situation jedoch könnte dem korrigierten Image Kratzer zufügen. Denn nicht nur verklagt die Volksbank Ludwigsburg ihren früheren Chef. Es ist auch so, dass Karlheinz Unger inzwischen auch seinen Nachfolger und dessen Stellvertreter verklagt hat. Wegen Verleumdung und übler Nachrede.
Außerdem hat die Volksbank auch Klage gegen ein früheres Mitglied ihres Aufsichtsrats eingereicht: Gerhard Heilemann hat sich aus Sicht der Bank von Unger unzulässigerweise in die Vip-Loge der MHP-Arena einladen lassen. Von ihm fordert die Volksbank 100 000 Euro. Auch Heilemann weist die Vorwürfe zurück.
„Die Bank hat keine Vorstellung davon, was passieren wird“, sagt Alexander Deicke, dessen Kanzlei Unger und Heilemann vertritt. „Wir lassen uns von Poltereien nicht beeindrucken“, hält Michael Kerker dagegen, der Vorsitzende des Bank-Aufsichtsrats. Ruhe kehrt bei der Volksbank Ludwigsburg so schnell nicht ein.