InterviewInterview „Es sind Dinge hinter den Kulissen passiert“

Von Harald Landwehr 

Der Echterdinger Giuseppe Ricciardi spricht im Interview über seinen Ausstieg als sportlicher Leiter beim SSV Reutlingen – und über seinen Ex-Verein Calcio.

Giuseppe  Ricciardi will erst einmal ein halbes Jahr Pause machen. Foto: Günter Bergmann
Giuseppe Ricciardi will erst einmal ein halbes Jahr Pause machen. Foto: Günter Bergmann

Echterdingen/Reutlingen - Vor zwei Jahren hat Giuseppe Ricciardi nach 19 Einsätzen und vier Toren im Trikot des Verbandsligisten Calcio Leinfelden-Echterdingen seine aktive Fußballkarriere beendet, um beim Oberligisten SSV Reutlingen als sportlicher Leiter anzuheuern. An der Kreuzeiche ist für den Ex-Profi, der nach wie vor in Echterdingen lebt, am Saisonende nun schon wieder Schluss. Über die Gründe und über seine Zukunftspläne spricht der 35-Jährige im Interview.

Herr Ricciardi, in sechs Wochen ist das Kapitel SSV Reutlingen für Sie erst einmal erledigt. Warum?

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass die Entscheidung nichts mit dem sportlichen Absturz der vergangenen Wochen oder mit der finanziellen Situation des Vereins zu tun hat, wie vielfach behauptet wird. Ich hatte einen unterschriftsreifen Anschlussvertrag vorliegen, aber ich habe mich entschieden, gemeinsam mit dem Fußballchef Michael Schuster zum 30. Juni aufzuhören.

Man hört aber nicht einfach auf, wenn alles im grünen Bereich wäre. . .

Das ist schon richtig. Es gibt mehrere Faktoren, die mein Handeln beeinflusst haben, und es sind auch einige Dinge hinter den Kulissen passiert, über die ich im Detail nicht sprechen möchte. In einem Verein mit solch einer Tradition reden immer viele Menschen mit, und man macht ebenso positive wie negative Erfahrungen.

Gab es Abwerbeversuche anderer Vereine?

Mir lagen und liegen drei Angebote von Oberligisten und eines Regionalligisten vor, als sportlicher Leiter weiterzumachen, aber diese Kontakte hatten nichts mit meiner Entscheidung zu tun, beim SSV aufzuhören. Ich habe auch keines davon angenommen und werde jetzt erst einmal mindestens ein halbes Jahr Pause für meine Familie machen.

Und danach?

Klar ist, dass ich meine Zukunft genau in diesem Bereich sehe. Ich habe als Kind schon davon geträumt, Sportdirektor zu sein und wollte nie Trainer werden. Ich habe in Reutlingen einen ganz anderen Blick auf das Geschäft bekommen, als ich ihn zu meiner aktiven Zeit hatte.

Wäre eine Rückkehr zu Calcio vorstellbar?

Ganz sicher nicht kurzfristig, aber im Fußball weiß man ja nie, wo man irgendwann landet. Ich freue mich, dass Angelo Vaccaro jetzt als sportlicher Leiter im Gespräch ist. Er stammt wie ich aus Mössingen; wir haben einen guten Draht zueinander. Im Übrigen gefällt mir die Entwicklung bei Calcio in den vergangenen zwei, drei Jahren sehr. Erst vergangene Woche habe ich mit dem Trainer Francesco Di Frisco telefoniert.

Sie hatten zuletzt auch zwei ehemalige Echterdinger im Reutlinger Kader. . .

Gökhan Gümüssü hatte aus privaten Gründen etwas Anlaufschwierigkeiten, war aber zuletzt ein wichtiger Stammspieler. Und Sidy Niang hat aufgrund eines Knorpelschadens noch kein Saisonspiel absolviert. Da ist leider die Frage, ob er überhaupt wieder wird Fußball spielen können.

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