Interview mit AfD-Experte Starbatty „Werden nicht von rechts unterwandert“

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Bisher werden Sie weithin als Ein-Themen-Partei wahrgenommen?
Wir könnten auch über Rente, Vermögenssicherung oder Energiepolitik reden.
Ihr Programm ist noch nicht besonders umfangreich – etwa in der Sozialpolitik. Wie denken Sie über die Folgen der Agenda 2010?
Was Gerhard Schröder gemacht hat, war richtig. Wir müssen diesen Weg fortsetzen und ein auf Dauer finanzierbares Sozialsystem finden. Sonst läuft es irgendwann gegen die Wand. Unsere Sozialsysteme sind nicht aufs Sparen ausgerichtet, sondern auf die Möglichkeit, diese auszuschöpfen. Also müssen wir den Bedürftigen helfen und die Schnorrer disziplinieren.
Ist das Konsens in Ihrer Partei?
Das weiß ich nicht, es ist meine persönliche Meinung. Das ist wie die Rentenpolitik oder die Einwanderungspolitik noch eine Herausforderung, die uns bevorsteht. Aber wir konzentrieren uns jetzt einmal auf das, was europapolitisch ansteht.
Im Umgang mit Zuwanderern wird Ihnen eine rechtspopulistische Politik vorgeworfen, weil Sie nur qualifizierte Einwanderer nach Deutschland lassen wollen.
Das ist doch überall in der Welt so. Auswandern tun unsere best ausgebildeten Leute – also muss man darauf schauen, dass die Einwanderer zu uns passen und sich integrieren wollen. Ich war als Hochschullehrer immer stolz, wenn ich in meinen Seminaren türkischstämmige Studenten hatte.
Sehen Sie die AfD als Partei der Integration?
So würde ich das sagen.
In mehreren Ländern formieren sich systematisch rechte Gruppen, die auf die Partei Einfluss nehmen wollen – etwa in Hamburg. Werden Sie von rechts unterwandert?
Nein, es gibt einige Landesverbände, die Schwierigkeiten haben; Hamburg gehört dazu. Wir werden uns solche kritischen Bereiche vornehmen. Da muss man klar sagen: Wir wollen eine Partei Europas sein - wer damit nicht einverstanden ist, soll die Partei verlassen. Wir werden von Leuten getragen, die großteils aus CDU oder FDP, einige auch aus der SPD kommen. Die sind alle mitten aus dem Bürgertum. Sonst wären wir nicht so schnell vorangekommen.
350 von 2600 Mitgliedern der islamfeindlichen Splitterpartei „Freiheit“ sind schon zur AfD gewechselt. Baden-Württemberg ist der erste Landesverband, der keine Überläufer mehr aufnimmt. Warum war man da nicht von vorneherein sensibler?
Es muss doch erst eine Parteistruktur aufgebaut werden. Es ist wie bei einer Maschine: Da gibt es noch viele Räder, die ins Leere laufen. Das kann man am Anfang noch nicht so genau kontrollieren. Und jetzt machen wir Wahlkampf. Ich hätte es selbst nicht für möglich gehalten, dass man binnen fünf Monaten so schlagkräftig ist, dass andere Parteien nicht ruhig schlafen können, weil sie nicht wissen, wie viel Prozent wir bekommen.
Welches Rädchen sind Sie denn, wenn Sie weitere fünf Monate voraus denken?
Entweder mache ich dann meine Arbeit im Bundestag – oder Europawahlkampf. Dort werden wir mit unserem zentralen Thema wirklich stark sein.
Den Parteiversammlungen nach zu urteilen ist die AfD eine Partei der alten Herren?
Das Durchschnittsalter der Mitglieder ist bei uns mit 52 Jahren geringer als bei CDU und SPD mit 59 Jahren. Aber wir arbeiten daran, uns zu verjüngen: In Tübingen beispielsweise gibt es eine ganz starke Gruppe, die sich aus Studierenden zusammensetzt. Und wir haben jetzt schon eine bundesweite Jugendorganisation aufgebaut.
In der öffentlichen Wahrnehmung folgt hinter dem Vorsitzenden Lucke erst mal lange Zeit nichts – ein großer Nachteil?
Er hat etwas Unglaubliches gemacht: Er hat eine Partei aus dem Boden gestampft, die jetzt den etablierten Parteien Kopfzerbrechen bereitet. Ohne ihn gäbe es die Alternative für Deutschland nicht.




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