InterviewInterview mit Barbara Bosch Reutlingen hält den Deckel auf der Stadthalle

Am Tag der offenen Tür wollten 15 628 Menschen das neue Gebäude besichtigen. Die Wartezeit betrug rund 45 Minuten. Foto: Grohe
Am Tag der offenen Tür wollten 15 628 Menschen das neue Gebäude besichtigen. Die Wartezeit betrug rund 45 Minuten. Foto: Grohe

Und es geht doch – Reutlingen hat mit dem Bau der neuen Stadthalle gezeigt, dass auch die öffentliche Hand Bauprojekte pünktlich und nicht teurer als geplant errichten kann. Wie das gelungen ist, erklärt Oberbürgermeisterin Barbara Bosch im StZ-Interview.

Landespolitik: Michael Petersen (mip)
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Reutlingen –Vom Olympia-Dach 1972 bis zum Flughafen in Berlin oder Stuttgart 21 – viele Großprojekte werden teurer als gedacht und später fertig. Nicht so bei der im Vergleich kleinen Stadthalle in Reutlingen. Oberbürgermeisterin Barbara Bosch erklärt, was in Reutlingen im Unterschied zu anderen richtig gemacht wurde.
Frau Bosch, heute laufen bei vielen Großprojekten Geld und Zeit davon. Welche Zutaten hat ihr Geheimrezept für die Punktlandung der Stadthalle Reutlingen hinsichtlich der Kosten und des Datums der Einweihung?
Das Geheimrezept hat mehrere Zutaten. Zunächst geht es darum, die Planungen präzise aufzusetzen und sich viel Zeit dafür zu nehmen. Beim Bürgerentscheid im Februar 2006 ging es darum, ob wir die Planungen für eine Stadthalle wieder aufnehmen, da waren Konzept wie Kostenkalkulation schon sehr weit gediehen. Sorgfalt geht vor Schnelligkeit.

Eine ordentliche Planung und Zeit, das klingt noch nicht nach einem Erfolgsrezept.
Kompetenz ist die nächste Zutat. Man ­benötigt früh kompetente Leute an Bord. Beim städtebaulichen Wettbewerb hatten wir einen Akustiker im ­Team, dabei ging es damals noch gar nicht um das Gebäude. Und ganz persönlich darf ich ­Ihnen sagen – mein emotionalster Moment bei dem ganzen Projekt war Ende 2012 zu hören, dass die Akustik auch ­funktioniert. Ganz sicher kann man sich da nie sein. Was ich sachlich sagen möchte, wir haben sehr früh Fach- und Sachverstand in das Projekt eingebunden.

Und diesen Fach– und Sachverstand hat eine Stadtverwaltung?
So etwas kann eine Stadtverwaltung nicht sozusagen nebenher machen. Das geht nur mit einer Projektstruktur, die klar definiert ist. Die muss bereits in der Planungsphase stehen und nicht erst, wenn man baut. Wir haben eine Projektgruppe eingerichtet mit einigen Leuten aus verschiedenen Ämtern, die das Rathaus gut kennen und überall hin kurze Drähte haben. Dazu haben wir zwei Architekten und einen Bauleiter für die Leitung dieser Projektgruppe von außen geholt. Es geht um eine Chefsache: Ansprechpartner für die Projektgruppe waren die Baubürgermeisterin Ulrike Hotz und ich. Wenn es irgendwo klemmt, haben wir das mitbekommen.

Nur Sie oder alle anderen auch?
Eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit gehört dazu und zwar vom ersten Tag an. Das wird oft übersehen. Da wird geplant und erst kurz vor dem Baubeschluss wird die Bevölkerung eingebunden. Wir haben das ganz anders gemacht und laufend informiert. Transparenz lautet das Stichwort, auch was die Kosten betrifft. Immer haben wir auf zu erwartende Baukostensteigerungen hingewiesen. In vielen Fällen läuft das nicht so.

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