InterviewInterview mit Box-Ikone Henry Maske Maske und der neue Boxboom

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)
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Was folgte, war die allseits bekannte Erfolgstory des „Gentleman“-Boxers Henry Maske. Mit elf gewonnenen WM-Kämpfen in Serie – und bis zu 18 Millionen Fans am Fernseher. Was glauben Sie, warum es der Junge aus dem Osten zum Quotenmagnet brachte?
Das liegt nicht nur an mir. Das Boxen hat ja etwas ganz Spezielles. Es wird geliebt oder gehasst – aber immer gerne angeschaut. Die meisten Leute haben zwar nicht den Mut, selbst zu boxen, dennoch lassen sie sich gerne von der Dramatik einfangen. Der bekannteste Sportler der Welt, Muhammad Ali, war ein Boxer; einer der beliebtesten Deutschen, Max Schmeling, war ebenfalls ein Boxer. Vor diesem Hintergrund war mein Erfolg und der von Axel Schulz möglich, obwohl unser Sport in Westdeutschland mit Beginn der neunziger Jahre einen schlechten Ruf hatte.
Das Profi-Boxen hatte damals in der Tat ein mieses Image, weil sich bei Kämpfen von oft zweifelhaftem Niveau auch die Halbwelt gerne am Ring blicken ließ.
Ich glaube, die Leute haben bei mir und Axel schnell gemerkt, dass wir authentisch sind und unseren Sport lieben. Dazu kam, dass ich, Feststellung eines Journalisten, auch mehr als zwei Sätze hintereinander sprechen konnte. Die quasi noch jungfräuliche Situation bei RTL hat uns ebenfalls geholfen: Da gab es den Formel-1-Reporter Kai Ebel, der sich fürs Boxen interessierte. Der hat uns einfach bei seinem Sportchef vorgeschlagen. Auch der damalige RTL-Chef Helmut Thoma war in einem sehr stark wachsenden Unternehmen noch wesentlich mutiger, als man das heute ist. Da hat man gesagt: Schaun wir mal, ob es mit dem Boxen läuft. Wenn ja, dann ist es gut. Sonst lassen wir es eben.
Mit dem Boxen allein war es aber nicht getan. Schließlich waren Ihre WM-Kämpfe auf RTL bald gesellschaftliche Events. Wurde Ihnen der große Auftritt in die Wiege gelegt?
In der DDR bot der Sport wohl den einzigen Bereich, in dem es etwas medialen Freiraum gab. Aus einem 1:0 im Fußball konnte man eben kein 0:1 machen. Also ging es in der Sportpresse relativ kritisch zu. Ich war schon in der DDR ein bekannter Boxer, der aber eher untypisch, weil defensiv, gekämpft hat. Da war die Musik immer etwas lauter, wenn ich mal verloren hatte. Also war ich einiges gewöhnt, wenn auch nicht in dem Ausmaß. Da ich aber nicht ganz auf den Kopf gefallen bin – und mich immer kritisch hinterfrage, konnte ich mich relativ schnell weiterentwickeln.
Auch die Wünsche der Boulevardpresse bekamen Sie ziemlich schnell in den Griff.
Der frühere „Bild“-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje hat zu mir einmal gesagt: „Herr Maske, solange Sie erfolgreich sind, bekommen Sie bei uns allen Platz der Welt.“ Da habe ich geantwortet: „Mit dieser Aussage kann ich hervorragend leben.“

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