Interview mit Carolin Kebekus Lasst uns über Sex lachen!

Ey, mach mich nicht an:  die Komikerin   Carolin Kebekus. Foto: Promo
Ey, mach mich nicht an: die Komikerin Carolin Kebekus. Foto: Promo

Carolin Kebekus, zum zweiten Mal in Folge Trägerin des Deutschen Comedy-Preises, nimmt alles selbst in die Hand – auch die Moderation der Preisgala in Köln, die RTL am Samstag um 22.15 Uhr ausstrahlt.

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Stuttgart – - Im vergangenen Jahr hat sie den Deutschen Comedy-Preis erhalten, in diesem Jahr hat sie ihn für RTL gleich selbst moderiert und obendrein wieder eine Auszeichnung gewonnen: Carolin Kebekus, zierlich, aber zäh und nur 1,64 Meter groß – Grund genug für ein paar Fragen an die 34-jährige, in Bergisch-Gladbach geborene Powerfrau, die als Komikerin vor keinem Thema zurückschreckt.
Frau Kebekus, knapp vierzig Prozent Ihrer Zuschauer sind Männer. Bedienen Sie eher einen männlichen Humor?
Wie meinen Sie das?
Sie spielen eine Frau, wie Männer sie gerne hätten. Eine, die lieber Bier trinkt als Prosecco. Die lieber Mettwurst isst als Salat. Und die vor allem offen über Sex redet.
Jaaa, aber dann müssten in meinen Vorstellungen ja zu hundert Prozent Männer da sein. Sind sie aber nicht.
Vermutlich haben einige Männer ihre Freundin als Anstandswauwau mitgebracht.
Nein, Männerhumor zu machen ist kein Vorsatz von mir. Wenn ich Texte schreibe, mache ich mir über weibliche oder männlichen Rollen keine Gedanken. Ich gucke einfach aus einem Menschenkopf heraus. Ich will aber lustiger sein als Männer. Und ich glaube, ich bin das auch.
Warum?
Ich möchte nicht, dass es nur heißt, „für ‘ne Frau ist die ganz lustig“. Ich will richtig gut sein, unabhängig vom Geschlecht. Auch, wenn das vielleicht arrogant klingt.
Überhaupt nicht. Gibt es etwas, worum Sie Männer beneiden?
Natürlich. Die werden in ihrem Job ganz anders wahrgenommen, auch in meiner Branche. Dabei habe ich selbst schon einen leichten Einstieg gehabt. Ich absolvierte nach dem Abitur ein Praktikum bei einer Filmfirma, die die RTL-Show „Freitagnacht News“ konzipiert hat. Eigentlich sollte ich bloß Kaffeekochen, aber jede Show ist froh darüber, wenn auch eine Frau dabei ist. Wenn Du fünf Minuten lustig sein kannst, bist Du dabei.
Stimmt es, dass Hugo Egon Balder Ihr schauspielerisches Talent entdeckt hat?
Ja, er hat sich dafür eingesetzt, dass ich zweimal die Woche freikriege, um Schauspielunterricht zu nehmen.
Gab es Vorbilder?
Als Kind fand ich Gaby Köster toll. Die war so kölsch und so laut. Ich habe ihr nie nachgeeifert, aber sie hat mir deutlich gezeigt: So geht es auch.
In Interviews erzählen Sie gerne, Sie seien in den Beruf als Komikerin reingeschlittert.
Ganz so war es nicht. Als ich den Job in der Filmfirma mit 23 verlor, musste ich mich entscheiden: Komikerin werden – oder doch Theaterwissenschaften studieren. Meine Eltern haben gesagt, probier das mit der Bühne, wir unterstützen dich. Das brauchten sie aber gar nicht. Schon eine Woche später wurde ich festes Mitglied in der Show von Kayar Yanar, „Was guckst Du?“
Vorher haben Sie schon im Kirchenchor gesungen. Welche Rolle hat die Kirche beim Erwachsenwerden gespielt?
Eine riesengroße. Meine Oma kam aus Oberschlesien und war sehr gläubig. Ich habe immer Schiss gehabt, wenn sie gesagt hat, Jesus sei auch für mich gestorben.
Das heißt, das kirchenkritische Video, das der WDR 2013 nach Kritik der Pius-Brüder aus Ihrer Sendung „Kebekus!“ rausgeschnitten hat, war Vergangenheitsbewältigung?
Auf jeden Fall.
Können Sie die Entscheidung des WDR nachvollziehen?
Nein. Der Film war harmlos. Man sieht mich, wie ich als Nonne verkleidet etwas Kirchenkritisches rappe. Madonna hat in den achtziger Jahren schon viel krassere Sachen gemacht.
Zuvor hatten Sie sich für die „Heute-Show“ bei der Bischofskonferenz als Päpstin beworben. Was haben die Herren wohl gedacht, als die „Pussyterroristin“ vor ihnen stand, die sonst beiläufig über Masturbation plaudert?
Aber das sind doch lustige Themen.
Nein, solche Themen sind eigentlich total peinlich. Wie schaffen Sie es, dass der ganze Saal trotzdem vor Lachen bebt?
Ich habe keine Ahnung. Wenn ich dieses Geheimnis wissen würde, hätte ich Angst, dass es kaputtgeht.
Lachen Frauen und Männer denn immer an den gleichen Stellen?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man beispielsweise für Binden-Witze ein gewisses Vorwissen braucht. Wenn ich erzähle, was passiert, wenn man sich die Binde falsch herum einlegt, lachen erst die Frauen. Wenn ich anschließend darauf hinweise, dass der Kleber dann oben liegt, lachen auch die Männer.
Wer schickt denn mehr Fanpost?
Bilder von Penissen bekomme ich eher von Männern. Aber ich kann meine Penisse an einer Hand abzählen. Andere Prominente bekommen tonnenweise solche Post.
Sie meinen Prominente wie Helene Fischer?
Also, wenn ich einen Penis hätte, ich würde ihn Helene Fischer schicken. Die ist so perfekt. Man würde gerne mal wissen, wie die reagiert, wenn ich ihr schreiben würde: „Du willst es doch auch.“
Ist Ihnen gar nichts peinlich?
Nö. Es kommt immer darauf an, wie man ein Thema umsetzt. Nur Pimmel zu sagen, ist nicht lustig. Ich erzähl dann einfach, wie peinlich es ist, solche Fotos zu bekommen. Es kommt immer auf den Inhalt an.




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