Interview mit Eric Gauthier Die Hirne zum Tanzen bringen

Von uh 

Am Samstag findet im Stuttgarter Theaterhaus zum vierten Mal die Gauthier Dance Tanzgala zu Gunsten der Alzheimer-Forschung statt. Sich sozial zu engagieren, das liegt bei uns im Blut, sagen der Choreograf Eric Gauthier und sein Vater, der Wissenschaftler Serge im StZ-Interview.

Mit Rhythmus, und  Musik lässt sich Apathie vertreiben – das wissen Serge (links) und Eric Gauthier. Foto: Heinz Heiss
Mit Rhythmus, und Musik lässt sich Apathie vertreiben – das wissen Serge (links) und Eric Gauthier. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart – - Serge Gauthier ist ein renommierter Alzheimer-Forscher in Kanada, sein Sohn Eric ein großer Tanz- und Choreografie-Star hier in Stuttgart. Wissenschaft und Tanz – das scheint weit auseinander zu liegen. Doch der Schein trügt, wie sich im Interview herausstellt.

Eric Gauthier, zu Ihrer Tanzgala zu Gunsten der Alzheimer-Forschung laden Sie Kompanien aus ganz Europa ein. Wie reagieren die Ballettintendanten, wenn Sie sie anrufen?
Eric Gauthier: Sie sind sehr überrascht. Eine Aids- oder eine Krebs-Gala kennt jeder. Aber eine Alzheimer-Gala? Das macht sonst niemand! Mit dieser Benefizveranstaltung will ich auch meinem Vater eine Ehre erweisen: Seit vierzig Jahren will er die Welt vor dieser Krankheit retten. Aber natürlich geht das Geld, das wir mit der Gala einnehmen, nicht an ihn, sondern kommt der Alzheimer-Gesellschaft Baden-Württemberg zugute.
Was erwartet die Zuschauer?
Eric Gauthier: Wir haben unter anderem Tanzkompanien aus Holland und Spanien zu Gast, es wird mehrere Pas de deux geben, aber auch Stücke mit vielen Tänzern; ich selbst tanze eine Premiere, eine Choreografie von Alexander Ekman. Und am Schluss haben wir noch eine schöne Überraschung für unser Publikum!
Monsieur Gauthier, wie finden Sie es, dass Ihr Sohn mit seiner Disziplin, dem Tanz, Ihre Arbeit als Wissenschaftler unterstützt?
Serge Gauthier: Es erfüllt mich mit großem Stolz. Die Gala stellt eine Brücke zwischen unseren unterschiedlichen beruflichen Welten her – das finde ich sehr schön!
Sie sind seit Jahrzehnten in Kanada in der Alzheimer-Forschung tätig. Wo liegt deren Schwerpunkt im Moment?
Serge Gauthier: In den letzten zwanzig Jahren hat die Medizin vor allem versucht, Medikamente zu entwickeln, die die Symptome der Krankheit lindern – allerdings nur mit begrenztem Erfolg. Inzwischen hat man die Strategie geändert und konzentriert sich auf die Prävention.
Was machen Sie konkret?
Serge Gauthier: Ich entwickle Studien, um herauszufinden, welche Maßnahmen wirksam sein könnten. Bei Patienten, die zwar schon vergesslich sind, aber noch nicht das Alzheimer-Stadium erreicht haben, setzen wir beispielsweise auf Gehirntraining. Wenn man Erinnerungen an die Vergangenheit wieder hervorruft, verändert das die Chemie im Gehirn, und das kann, so vermuten wir, Alzheimer verhindern. Bei Menschen, die erblich vorbelastet sind, aber keine Symptome zeigen, haben wir heraus­gefunden, dass körperliche Bewegung, Diät, aber auch Medikamente gegen Arthritis präventiv wirken. Und ich schreibe Bücher . . . 
Eric Gauthier: . . . sehr viele Bücher! Bei meinen Eltern gibt es ein ganzes Regal, das voll mit seinen Büchern ist. Jedes Mal, wenn ich heim komme, zeigt er mir ein neues.
Was kann ich denn tun, um zu verhindern, im Alter an Alzheimer zu erkranken?
Serge Gauthier: Sie tun genau in diesem Moment etwas dagegen: Sie sprechen mit uns, sie beschäftigen Ihr Gehirn. Zu Fuß gehen, abends Fisch essen, ein Glas Rotwein trinken – mit all diesen Dingen betreiben Sie Vorsorge. Wer raucht, sich schlecht ernährt, nicht bewegt und keine sozialen Kontakte hat, vergrößert sein Risiko, selbst wenn er erblich nichts zu befürchten hat. Umgekehrt kann man mit einem gesunden Lebensstil das vererbte Risiko minimieren.