Interview mit Iba-Leiter Andreas Hofer „Mut zu Dichte und Größe“

Von Maria Wetzel 

Große Wohnquartiere werden geschätzt, wenn die Qualität stimmt, sagt Andreas Hofer, Leiter der Internationalen Bauausstellung 2027.

Andreas Hofer, Architekt aus Zürich, ist der künstlerische Leiter der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Andreas Hofer, Architekt aus Zürich, ist der künstlerische Leiter der Internationalen Bauausstellung 2027 StadtRegion Stuttgart. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - In der Schweiz haben größere Projekte, häufig als Ersatzneubauten und Nachverdichtungen, in den letzten Jahren in den Städten Akzeptanz gefunden, sagt Andreas Hofer, Leiter der Internationalen Bauausstellung 2027. Allerdings nur, wenn man das sorgfältig und mit hoher Qualität macht.

Herr Hofer, wie geht günstig bauen, wenn Bauflächen fehlen?

Mut zur Dichte und Größe ist einer der stärksten Hebel, wenn wir schnell vielen Menschen Zugang zu bezahlbaren Wohnungen schaffen wollen. In Deutschland beobachte ich leider eine Gegenbewegung. Nach den schlechten Erfahrungen mit den Großsiedlungen aus den 1960er und 1970er Jahren traut sich keiner mehr an solche Vorhaben. In der Schweiz haben größere Projekte, häufig als Ersatzneubauten und Nachverdichtungen, in den letzten Jahren in den Städten Akzeptanz gefunden, wenn man das sorgfältig und mit hoher Qualität macht. Die Genossenschaften haben Erfahrungen mit qualitätsvollen und umfangreichen Projekten gewonnen. Die Leute sind hochzufrieden und stolz, in solchen urbanen Quartieren wohnen zu können.

In Zürich werden kommunale Baugrundstücke nicht mehr verkauft, sondern nur noch in Erbpacht ver­geben. Ist das sinnvoll?

Das ist vor allem für die Kommunen ein interessantes Modell. Sie haben langfristige Erträge und können dauerhaft beeinflussen, was auf den Grundstücken passiert. In Zürich haben wir die Erfahrung gemacht, dass unsere großen genossenschaftlichen Bestände und die Erbbaugrundstücke wichtig für die Stabilisierung des Wohnungsmarktes sind – in Krisen wie in Boomzeiten. Ich glaube, ein solch stabilisierendes Element fehlt derzeit in Stuttgart.

In Stuttgart machen manche Vorschriften zu Fahrradstellplätzen oder Fassadenbegrünung für die Zurückhaltung bei den Bauherren verantwortlich.

Das ist lächerlich. Preistreiber sind nicht Stellplätze oder Begrünung, sondern die Preise für den Boden, der durch die niedrigen Zinsen zu einem Spekulationsobjekt geworden ist. Hier sind Regulationen nötig, etwa Vorkaufsrechte für Kommunen, Erbpacht und Vorrang für Konzepte, die nicht nur Wohlhabende im Blick haben. Wichtig ist eine stabile soziale Mischung, damit sich keine Ghettos bilden.

Sie haben die künstlerisch-inhaltliche Leitung der Internationalen Bauausstellung 2027 in Stuttgart übernommen. Was ist Ihnen wichtig?

Es geht mir um Selbstermächtigung. Dass man die Stadt als Raum zu verstehen beginnt, den man gestalten und sich aneignen kann, dass Eigeninitiative funktioniert. Als Architekt spielt für mich auch die architektonische und baukulturelle Qualität eine große Rolle. Wenn ich schlechte Siedlungen baue, muss ich mich nicht wundern, wenn die Nachbarn erklären, davon wollten sie nicht mehr. Das Thema Dichte ist vor allem eine Frage der Qualität.

Von der IBA 1927 ist Stuttgart die Weißenhofsiedlung geblieben. Was möchten Sie nach 2027 hinterlassen?

Mein Auftrag heißt, in der Region Stuttgart sichtbare Zeichen der Zukunftsfähigkeit und des Aufbruchs zu setzen. Daran arbeiten wir jetzt.