Interview mit Thomas Züfle "Am Montag gibt es keine Wasserwerfer"

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Die nächsten Demonstrationen gegen S 21 und damit verbundene Polizeieinsätze stehen bevor. Der neue Polizeipräsident Züfle setzt auf Deeskalation.

Stuttgart - Die nächsten Demonstrationen gegen S 21 und damit verbundene Polizeieinsätze stehen bevor. Der neue Stuttgarter Polizeipräsident Thomas Züfle setzt auf Deeskalation. Dass durch Stuttgart nie wieder Wasserwerfer rollen werden, verspricht er indes nicht.

Herr Züfle, was sagen Sie Ihren Kollegen, die jeden Morgen Blockierer von den Baustellen am Bahnhof wegtragen müssen?

Die Einsatzleiter und ihre Kollegen machen es gut. Sie gehen auf die Leute zu und reden mit ihnen. Ich kann die Kollegen nur ermuntern, dass sie diesen guten Weg weitergehen. Die psychische und physische Belastung ist trotzdem enorm.

Ist es aber nicht wie im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier", wenn man täglich vor der gleichen Situation steht?

Da haben Sie recht. Aber es ist unsere Aufgabe; nicht unsere Lieblingsaufgabe zwar, aber das können wir uns nun mal nicht aussuchen. Nicht unser Gutdünken bestimmt das Handeln, sondern Recht und Gesetz.

Zerreißt es die Polizei nicht bei solchen Belastungen, zumal die Haltung zu Stuttgart 21 auch die Bevölkerung spaltet?

Auch bei uns gibt es Befürworter und Gegner. Einen Riss gibt es aber nicht. Ich habe gerade von Kollegen, die besonders belastet sind, gehört, dass die Stuttgart-21-Einsätze die Kollegen auch enorm zusammengeschweißt haben.

Wie oft waren Sie im Einsatz?

In diesem Jahr waren 15.219 Polizeikräfte schon 79.376 Stunden im Einsatz. Seit 2010 bis heute leisteten 66.942 Kräfte 426.509 Stunden Dienst in Sachen S21.

Wie kann man diese Belastung abfangen?

Es klingt abgedroschen, ist aber ganz einfach: mit unseren Leuten reden und sie erzählen lassen, was sie leisten. Viel mehr an Motivation steht uns nicht zur Verfügung.

 

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