Interview mit Wanderexperte Wie Wandern wirkt
Was bringt stundenlanges Wandern über Stock und Stein wirklich? Und wozu braucht man eigentlich Packsäcke? Christian Hlade, Autor eines neuen Ratgebers, hat darauf Antworten.
Was bringt stundenlanges Wandern über Stock und Stein wirklich? Und wozu braucht man eigentlich Packsäcke? Christian Hlade, Autor eines neuen Ratgebers, hat darauf Antworten.
Stuttgart - Ob Tagestour auf der Schwäbischen Alb oder mehrtägiges Trekking in Nepal oder den Alpen – jeder Tour hat ihre Besonderheiten und erfordert eine andere Ausrüstung. Christian Hlade, Wanderbuchautor und Chef des Reiseveranstalters Weltweitwandern, weiß, was man einpacken sollte und wo es sich lohnt, sich zu Fuß auf den Weg zu machen.
Herr Hlade, es gibt schon zig Bücher übers Wandern, nun auch noch eines von Ihnen. Was erfahre ich da Neues?
Es gibt tatsächlich viele Wanderführer zu einzelnen Regionen oder Ländern. Viele beschäftigen sich auch mit der Philosophie des Gehens. Bei meinem Buch handelt es sich aber um einen ganz praktischen Ratgeber und solche gibt es bisher kaum. Ich behandele alle Aspekte, die beim Wandern wichtig sind: die Planung, Ausrüstung, Kartenmaterial, Packtipps, Höhenanpassung und gebe auch Tourentipps. Und es geht auch darum, welche Rolle Yoga und Meditation beim Wandern spielen.
Was sollte man immer dabeihaben?
Ich bin ein Fan von Packsäcken, denn damit lassen sich Sachen sortieren und man muss nicht ewig im Rucksack kramen. Also alle Müsliriegel oder Snacks in den einen Sack, alle Socken in den anderen. Generell besteht die Gefahr, dass man sowohl zu wenig als auch zu viel mitnimmt. Für eine Mehrtagestour ins Outback brauche ich mehr und andere Dinge als etwa für eine Tagestour in einem Mittelgebirge. Und das liste ich in meinem Buch alles genau für die jeweiligen Anforderungen auf.
Sie sind auch von der lebensverändernden Wirkung des Wanderns überzeugt. Wie sieht die aus?
Wandern bringt einen dazu, mit sich selbst in Kontakt zu kommen und sein Leben zu reflektieren. Gerade wenn man länger als drei Tage unterwegs ist, wird man ruhiger und kommt zu sich selbst. Prägend waren für mich meine Touren im Himalaja, einer Landschaft, die mit Spiritualität aufgeladen ist. Seit meinem 18. Lebensjahr bin ich dort immer wieder unterwegs. Für mich gibt es zudem kaum eine andere Tätigkeit, bei der man so tolle Gespräche führen kann wie beim Wandern.
Und wie hat sich Ihr Leben verändert?
Ich habe eigentlich Architektur studiert und bin erst mit 40 quasi zum hauptberuflichen Wanderer geworden. Damals lebte ich mehrere Monate in Ladakh (Indien) in einem abgelegenen Dorf, um dort eine Dorfschule zu bauen. Um diese Auszeit und den Bau zu finanzieren, habe ich begonnen, Reisen zu organisieren. Das war vor 20 Jahren die Geburtsstunde von „Weltweitwandern“.
Obwohl Wandern so in ist, gehen wir im Alltag immer weniger zu Fuß. Was läuft da schief?
Ja, das ist schon paradox. Ich sehe auch Leute, die auf dem Weg ins Fitnessstudio den Fahrstuhl nehmen oder mit dem Auto fahren. Aber so sind wir halt. Ich denke aber, die Sehnsucht nach Natur wird immer größer, und darüber freue ich mich. Wenn man die Natur wertschätzt, schützt man sie auch mehr und das ist wichtig.
Warum lohnt es sich, ein neues Land oder eine Region wandernd zu erkunden?
Gehen ist ein Tempo, das uns Menschen entspricht. Die Strecken, die ich zu Fuß gehe, prägen sich viel mehr ein. Wir spüren Kälte, Wärme, Muskelkater und sind auch kontaktfreudiger. Wandern ist für mich nicht einfach ein Sport, sondern eine ideale Möglichkeit, um die Kultur eines fremden Landes zu erleben und auch sich selbst zu begegnen.
Welche Länder empfehlen Sie?
Zum Wandern liebe ich Nepal und Madeira – dort verbindet mich auch eine Freundschaft mit unseren dortigen Guides und Partnern. Aber eigentlich hat jedes Land Ecken, die schön sind. Besonders eignen sich aber kleinstrukturierte Landschaften, weil sie so abwechslungsreich sind. Ich bin auch gern in meiner Heimat, der Steiermark, und generell in den Alpen unterwegs wie zum Beispiel beim Herbstwandern im Lesachtal. Ein echter Wander-Geheimtipp ist für mich Georgien mit seiner Weite und beeindruckenden Bergen.
Buchtipp: Christian Hlade, Das große Buch vom Wandern (Braumüller Verlag), 25 Euro.
Lesen Sie hier die Geschichte über einen neuen Wanderweg über die Alpen