Interview mit Warminski-Leitheußer „Ich empfinde das als Kesseltreiben“

Von Bettina Grachtrup, dpa 

Seit Monaten steht Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) heftig in der Kritik. Am Freitag überstand die 49-Jährige im Landtag einen Entlassungsantrag der Opposition. Viele Vorwürfe hält sie aber auch für überzogen.

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Stuttgart - Seit Monaten steht Kultusministerin Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD) heftig in der Kritik. Am Freitag überstand die 49-Jährige im Landtag einen Entlassungsantrag der Opposition. Sie selbst gesteht Fehler ein und beteuert, dass diese künftig vermieden werden sollen. Viele Vorwürfe hält sie aber auch für überzogen, wie die Ministerin der Nachrichtenagentur dpa sagte.

Wie geht es Ihnen?

Ich bin im Augenblick angestrengt, weil diese Schlagzeilen natürlich nicht spurlos an mir vorübergehen. Ich mache mit großer Freude meine Arbeit als Ministerin, aber im Augenblick empfinde ich das als Kesseltreiben. Ich habe natürlich auch Fehler gemacht, das muss ich einräumen, und wir werden daran arbeiten, sie künftig zu vermeiden.

Es wird gemunkelt, dass sie bald als Ministerin abgelöst werden könnten. Was ist daran dran?

Ich lasse mich von solchen Spekulationen nicht ablenken. Mir kommt es darauf an, dass wir zur Sacharbeit zurückkehren und wieder über bildungspolitische Inhalte diskutieren.

Die Ablösungsdebatten sind für Sie Spekulationen?

Ja, natürlich. Solche Gerüchte entstehen in der politischen Arbeit schnell. Aber mir ist, wie gesagt, bewusst, dass es auch Kritik gibt. Es ist auch verständlich, dass Abgeordnete beunruhigt sind, wenn wir negative Schlagzeilen haben.

Welche Kritik empfinden Sie als ungerecht und welche Kritik ist aus Ihrer Sicht vielleicht doch ein Stück weit gerechtfertigt?

Die Kritik daran, dass ich die Schuljahres-Pressekonferenz nicht persönlich gemacht habe, war sicher berechtigt. Die habe ich auch aufgenommen. Aber momentan will man mir doch insgesamt das Etikett anheften: Sie hat keine Lust auf ihre Arbeit und kommt immer zu spät. Sicher, ich mache Fehler, weil ich auch viel arbeite. Aber diese Kritik ist doch völlig überzogen. Dass Kultusminister es nie allen recht machen können, haben schon alle meine Vorgänger erfahren. Im Übrigen treffen diese Angriffe nicht nur mich persönlich, sondern auch die Mitarbeiter im Kultusministerium, die sich für den Erfolg unserer Arbeit sehr engagieren.

Sie waren vorher in der Kommunalpolitik tätig. Ist das Ministeramt so, wie sie es sich vorgestellt haben?

Ich empfinde es als bereichernd, diese Gestaltungsmöglichkeiten zu haben. Als Ministerin kann ich zum Beispiel eine neue Lernkultur an den Schulen etablieren. Das ist eine große politische Verantwortung und macht mir sehr viel Freude. Was mich schockiert hat, das war die Art und Weise, wie man im Landtag miteinander umgeht. Es herrscht teilweise von der CDU ein sehr rüder Ton, teilweise gibt es auch sehr zotige Zwischenrufe.

Kritiker sagen, dass Sie mit ihrem Ministeramt überfordert sein könnten und dass Grün-Rot in der Bildungspolitik zu viel auf einmal angeschoben habe.

Ich weiß, es gibt diese Diskussion: Musstet ihr alles auf einmal machen? Das war anfangs schwer zu widerlegen. Aber wir wollten wesentliche Veränderungen sofort umsetzen, um auch das positive Signal an die Schulen zu senden, es bewegt sich etwas. Im Nachhinein kann ich sagen, dass das die richtige Entscheidung war. Die Gemeinschaftsschulen zum Beispiel sind der große Renner.

Sie haben auch mit SPD-Landeschef Nils Schmid über diese Dinge gesprochen - was war der Tenor des Gesprächs?

Wir verstehen uns wirklich gut, und wir ziehen beide an einem Strang. Wir sind uns beide bewusst, dass die Bildungspolitik ein sehr schwieriges Feld ist.

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