Interview Schüler für Sofia begeistern

Der Stuttgarter Lehrer Sven Hanssen ist mit dem fliegenden Observatorium Sofia mitgeflogen. Foto: privat
Der Stuttgarter Lehrer Sven Hanssen ist mit dem fliegenden Observatorium Sofia mitgeflogen. Foto: privat

Ein wichtiger Teil des Sofia-Projekts ist die Bildungsarbeit: Schüler und Lehrer dürfen den Astronomen bei Missionen der fliegenden Sternwarte über die Schulter schauen – so wie der Physiklehrer Sven Hanssen aus Stuttgart.

Lokales: Inge Jacobs (ja)
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Als einer von vier deutschen Lehrern hat Sven Hanssen vom Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Gymnasium im Februar in Kalifornien an einem Forschungsflug von Sofia teilgenommen. Er leitet seit 2004 eine Sofia-AG.
Herr Hanssen, was sagen Sie zu den Schließungsplänen für Sofia?
Wenn es tatsächlich so wäre, wäre es für die Forschung ein gewaltiger Einschnitt. Denn Sofia ist das einzige Teleskop, das in diesen Wellenlängen überhaupt arbeiten kann.
Sie sind selber mitgeflogen. Was hat Sie dabei besonders beeindruckt?
Wie die Ideen dort umgesetzt worden sind, aber auch die Technik. Wie man ein Teleskop so in ein Flugzeug hineinbekommt, dass es ruhig ist, dass es eine kleine Winkelauflösung hat und dass die Bewegungen des Flugzeugs ausgeglichen werden können. Die Ingenieurtechnik war begeisternd, die Nachführungstechnik, die Präzision der Messungen. Wir hatten den Eindruck, das Teleskop bewegt sich – aber es war das Flugzeug.
Was haben Sie durchs Teleskop gesehen?
Es geht in erster Linie darum, Spektrallinien zu messen. Wir konnten aber auch die zugehörigen Nebel und Quasare erkennen,
also sehr weit entfernte Galaxien.
Wie profitieren Ihre Schüler davon?
Es macht einen großen Unterschied, ob man etwas bloß anschaut – ich bin zweimal mit meinen Schülern in Kalifornien gewesen – oder ob man unmittelbar davon erzählen kann, wie es ist mitzufliegen. Wenn man eigene Fotos zeigen kann, zum Beispiel von diesen Spektrallinien.
Wie setzen Sie Ihre Erlebnisse konkret um?
Wir haben an unserer Schule Astronomie und Raumfahrttechnik als Vertiefungsbereich in Naturwissenschaften und Technik. Ich gehe dabei besonders auf die Infrarot-Astronomie ein. Sofia spielt dabei eine wichtige Rolle und ermöglicht auch, Schüler über die Spektralanalyse und Spektralbereiche zu informieren. Wir reden nicht nur über das Sichtbare, über den Regenbogen, sondern wir gucken darüber hinaus.
Was würde ein Sofia-Aus für Ihre Schule bedeuten?
Dann wäre ein wunderbarer Anknüpfungspunkt weg. Wir könnten dann nicht mehr sagen: Schaut mal her, da gibt es Spitzenforschung in einem Bereich, mit dem es kein anderes Teleskop – weder auf der Erde noch im Weltall – aufnehmen kann.

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