InterviewInterview zur Lage der Automobilbranche „Ich bin jetzt nicht in Panik oder Hysterie verfallen“

Von Frank Wahlenmaier 

Rund 450 Maschinenbaustudenten aus Stuttgart-Vaihingen werden nach diesem Semester einen Abschluss in der Tasche haben. Dennis Hillinger ist einer davon. Die Umstrukturierung in der Automobilbranche schmälert die Aussicht auf eine Festanstellung. Panik hat der Student trotzdem nicht.

Abgestellt: Was bedeutet ein möglicher Stillstand für Universitätsabsolventen bei der Jobsuche? Foto: Pixabay 5 Bilder
Abgestellt: Was bedeutet ein möglicher Stillstand für Universitätsabsolventen bei der Jobsuche? Foto: Pixabay

Vaihingen - Daimler hat es angekündigt, Bosch auch: wird in den nächsten Jahren Tausende Arbeitsplätze kosten. Wie geht es jungen Leuten, die dort beruflich Fuß fassen wollen? Dennis Hillinger ist Maschinenbaustudent an der Uni in Vaihingen und tüftelt derzeit an seiner Masterarbeit. Er hat sich zudem im hauseigenen Rennstall engagiert – und Preise abgesahnt. Dass dies keineswegs ein Garant dafür ist, dass es für ihn nahtlos ins Arbeitsleben weitergeht, ist ihm schon länger bewusst. Bis dato hat er noch keine passende Stelle gefunden.

Herr Hillinger, wie fühlt sich das an, wenn womöglich all die Mühen der vergangenen Jahre umsonst gewesen sind? Wie groß ist die Sorge, keinen Job zu finden?

Nun ja, ganz umsonst waren die Mühen ja nicht. Es geht voraussichtlich eben nicht so weiter, wie man es sich ursprünglich vorgestellt hatte. Ich kann jetzt auch nur spekulieren. Keiner kann mit absoluter Gewissheit sagen, wie die Welt und die Industrie morgen aussehen werden.

Als ehemaliges Teammitglied des Rennstalls der Universität Vaihingen haben Sie damals auch geholfen, den heiß begehrten „Michigan Speedway International“-Titel zu holen. Quasi den Oscar der Nachwuchsschrauber. Da müsste doch jeder Arbeitgeber in der Branche mit den Ohren schlackern.

Das ist noch lange kein Garant für eine Festanstellung bei einem Automobilhersteller oder Zulieferer. Es macht sich zwar gut im Lebenslauf, aber inwieweit das beim Arbeitgeber ankommt, muss immer individuell betrachtet werden.

Wie war Ihre Reaktion, als Sie von der zunehmenden Umstrukturierung in der Industrie erfahren haben?

Klar sind das erst einmal keine guten Nachrichten, aber ich bin jetzt nicht in Panik oder Hysterie verfallen. Der Arbeitsmarkt wechselt doch ohnehin alle paar Monate den Kurs.

Was meinen Sie damit konkret?

Nachdem die hiesigen Firmen wie Daimler oder Bosch jeweils einen Stellenabbau verkündeten, kam auch schon Tesla um die Ecke und sprach von einem Werk bei Berlin, das dort gebaut werden soll.

Bedeutet es also, dass Sie sehr optimistisch in die Zukunft sehen und damit rechnen, irgendwo unterzukommen?

Ich muss optimistisch bleiben, anders geht es nicht. Irgendwo möchte ich jetzt nicht unterkommen, da man ja auch seine Wunschziele hat. Jetzt muss ich eben erst einmal schauen, dass ich meine Masterthesis fertig bekomme. Die Bewerbungsphase läuft zurzeit eher nebenher.

Was braucht es denn Ihrer Meinung nach noch, um beim potenziellen Arbeitgeber als Erster durch die Ziellinie zu fahren?

Man braucht den richtigen Treibstoff und einen großen Tank, um mal in Metaphern zu sprechen. Sprich: Motivation und Ausdauervermögen.

Um im Bild zu bleiben: Und sollte der richtige Treibstoff nichts bringen, und man bleibt auf dem Seitenstreifen stehen, was dann?

Wie gesagt, ich schaue optimistisch in die Zukunft, und die Masterarbeit verlangt mir gerade einiges ab. Sollte ich partout nichts finden, gönne ich mir erst einmal ein paar Wochen Urlaub und versuche, dann irgendwo zu jobben.




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