„Intriganten-Stadl“ am Islam-Zentrum Arabisch-Lektor klagt gegen das Land wegen Mobbings
Tübinger Islamtheologen hätten ihn als Spion des Iran diffamiert, klagt ein Mann. Eine Schlichtung ist noch möglich.
Tübinger Islamtheologen hätten ihn als Spion des Iran diffamiert, klagt ein Mann. Eine Schlichtung ist noch möglich.
Der Arabisch-Lektor A. am Tübinger Zentrum für islamische Theologie (Zith) klagt gegen das Land auf Unterlassung und Schmerzensgeld. Er sei 2022 monatelang gemobbt worden. Ein Professor habe in einer Zith-Sitzung den Verdacht geäußert, A. sei ein iranischer Agent. Ein andermal habe ihn ein Zith-Professor als „Herrn Ahmadinedschad“ verunglimpft, nach Irans Ex-Staatschef Mahmud Ahmadinedschad, einem notorischen Israel-Hasser. Zudem habe man ihm wesentliche Aufgaben entzogen. Der Lektor klagt auf Unterlassung und ein Schmerzensgeld in Höhe von 10 000 Euro.
Michel Kurz, der Rechtsanwalt des Klägers, betont beim Gütetermin vor dem Reutlinger Arbeitsgericht am Freitag, sein Mandant habe sich lange vergeblich um eine Mediation, eine außergerichtliche Beilegung des Konflikts, bemüht. „Wir klagen, damit sich endlich was bewegt.“ A. betont nach dem Gerichtstermin, sein Fall sei nicht der einzige am Islam-Zentrum. „Es gibt ständig Mobbing-Fälle. Ich bin nur der einzige, der sich traut, das öffentlich zu machen.“ Er gebe viele Missstände, problematische Umgangsformen und strukturelle Probleme.
Der Beklagten-Vertreter, Rechtsanwalt Rüdiger Gaenslen, spricht zunächst von „Wertungen und Befindlichkeiten“ des Klägers, die für eine Klage nicht geeignet seien. Die Universität habe sich intensiv um die Beschwerden gekümmert, auch habe der lange krankgeschriebene A. inzwischen einen neuen Arbeitsplatz. Die Universität, betont Gaens-len später, sei daran interessiert, den Konflikt schnell beizulegen. „Da spielt auch die Politik eine Rolle.“ Zuvor hatten sich beide Seiten darauf verständigt, bis Ende September die Chancen auf eine Mediation mit Hilfe eines Güterichters auszuloten. Bleibt dieser Versuch erfolglos, kommt es zu einem Gerichtsverfahren – wohl im Februar 2024.
Der Rechtsstreit um den Arabisch-Lektor A. wirft ein Schlaglicht auf offenbar gravierende Probleme am Zith. Insider berichten von großen persönlichen Animositäten zwischen den Professoren. „Das ist kein funktionierender Betrieb“, erzählt einer. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei unmöglich, eine andere. Von einem „Intriganten-Stadl“ spricht eine Dritte. Unter dem Organisationschaos leide auch die Qualität der Lehre, die immer schlechter würde, heißt es.
Am 2011 gegründeten (Zith) werden nach offiziellen Angaben 200 Studierende zum Religionslehrer, Sozialarbeiter oder als Seelsorger ausgebildet. Die Idee: Die Ausbildung moderner islamischer Religionspädagogen ist nötig, damit in Deutschland ein friedlicher und mit der pluralen Gesellschaft verträglicher Islam heimisch wird. Immer wieder aber landete das Institut in den Schlagzeilen. So hatte unsere Zeitung 2019 über Kontakte von Tübinger Dozenten zur islamistischen Muslimbruderschaft berichtet. Der Tübinger Professor Abdelmalek Hibaoui geriet in die Kritik, weil er im Herbst 2019 an einer Konferenz in Ankara teilnahm, bei der zur Vernichtung Israels aufgerufen wurde. Die Uni-Leitung wies die Vorhaltungen stets zurück, kündigte Leitlinien zum Umgang mit Personen und Einrichtungen aus dem radikalen Spektrum an. 2021 wurde Hibaouis Professur in Tübingen nicht verlängert.
Für die öffentliche Hand sind die Details heikel: Land und Bund schultern für das Prestigeprojekt viele Millionen Euro. Im Frühjahr soll das Zentrum einen Neubau beziehen, gemeinsam mit den evangelischen und katholischen Fakultäten an einem Theologie-Campus.