Investitionen in Stuttgarter Friedhof 14 Millionen Euro für den Pragfriedhof
Der Stuttgarter Gemeinderat hat im Doppelhaushalt grünes Licht für eine umfassende Sanierung der Einrichtungen auf dem Pragfriedhof gegeben.
Der Stuttgarter Gemeinderat hat im Doppelhaushalt grünes Licht für eine umfassende Sanierung der Einrichtungen auf dem Pragfriedhof gegeben.
Stuttgart - Volker Schirner, der Chef des Garten-Friedhofs- und Forstamts, steht vor einer enormen Herausforderung. Unter seiner Regie soll der Pragfriedhof im Stuttgarter Norden für rund 14 Millionen Euro saniert werden. Diesen Betrag hat der Gemeinderat jetzt im Doppelhaushalt 2022/23 bewilligt. „Noch in diesem Monat werden die Meilensteine für das Projekt gesetzt“, sagt Schirner und meint damit, dass Absprachen mit dem Denkmal- und Naturschutz getroffen werden und der Rahmen für den Ablauf der Sanierung gesteckt wird.
Krematorium Die kostspieligste der vier geplanten Maßnahmen ist die Sanierung des denkmalgeschützten Krematoriums. Allein dafür sind 11,8 Millionen Euro angesetzt. Die Anlage soll grundlegend Instand gesetzt werden. Und es soll eine zweite Ofenlinie eingebaut werden. „Krematorien haben eine Lebensdauer von etwa zehn Jahren. Die vorige Sanierung liegt etwa acht Jahre zurück, ist also wieder fällig“, sagt Schirner. Mit der zweiten Ofenlinie soll eine Überlastung der Anlage verhindert werden. „Wir kommen mit der Auslastung zurecht, aber es darf nicht viel dazwischen kommen“, stellt Schirner fest. Das bedeutet: Wartungsarbeiten oder technische Störungen bedeuten derzeit einen kompletten Stillstand der gesamten Anlage. Außerdem wäre das Krematorium in der jetzigen Ausstattung bei Katastrophen und Pandemien mit einer entsprechend hohen Anzahl von Verstorbenen mit nur dem einen Ofen überlastet. „Mit einer höheren Kapazität soll auch dem Leichentourismus in die Krematorien im Umland entgegen gewirkt und dadurch ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden“, sagt Schirner. Ob das Krematorium während der Sanierung in Betrieb sein kann, ist ungewiss. Eventuell arbeitet das Friedhofsamt in dieser Zeit dann mit Betreibern von Anlagen in der Region Stuttgart zusammen.
Urnennischen Im alten denkmalgeschützten Leichenhaus soll ein Kolumbarium mit etwa 1000 Urnennischen entstehen. Dafür wird mit Kosten von rund 500 000 Euro gerechnet. Während 40 000 von insgesamt 160 000 Gräbern in Stuttgart nicht belegt sind, auf dem Pragfriedhof sind es 10 000 von 30 000, ist die Nachfrage nach Kolumbarien beziehungsweise Urnennischen seit Jahren enorm. So sind die rund 1000 Nischen, die es beim Krematorium auf dem Pragfriedhof gibt, laut Schirner fast alle belegt. Da der Pragfriedhof Stuttgarts einziger Friedhof mit diesem Angebot ist, gibt es immer wieder Anfragen aus den Bezirken und von Angehörigen Verstorbener nach weiteren Nischen. Daran hat auch das Angebot von pflegefreien Gräbern nichts geändert. Die alte Leichenhalle hat ihre Funktion nach rund 100 Jahren 1991 verloren. 2010 wurde dort ein Trauermuseum eingerichtet, in dem die Stationen vom Leben über Krankheit bis hin zum Tod dargestellt sind. Mehr als vier Besucher pro Woche hat die Ausstellung allerdings nicht mehr.
Alte Kapelle Die Alte Kapelle, die wie die anderen Gebäude unter Denkmalschutz steht, muss unter anderem wegen Wasserschäden im Untergrund und Dach komplett saniert werden. Dafür stehen zunächst 450 000 Euro im laufenden Doppelhaushalt zur Verfügung.
Wege -und Baumstandortsanierung Diese Maßnahme schlägt mit insgesamt rund 1,3 Millionen Euro zu Buche. Davon entfallen 400 000 Euro auf die Sanierung der Leitungen und Baumstandorte. Bei letzterem werden verdichtete Bodenschichten im Wurzelbereich per Druckluft gelockert. Die größte Investition in dem Bereich macht die Sanierung des Eckhartshaldenwegs auf dem Pragfriedhof mit 870 000 Euro aus.
Die Mammutaufgabe, die auf dem Pragfriedhof mit der Millionensanierung ansteht, wird laut Schirner auch im kommenden Doppelhaushalt aufschlagen. Abgeschlossen sein dürfte sie in fünf Jahren. Schirner: „Ich bin froh, dass der Gemeinderat den Investitionen zugestimmt hat.“