Über diesen klobigen Supercomputer kann man aus heutiger Sicht nur schmunzeln. Damals, als US-Wissenschaftler 1946 das Metallmonster mit einem Gewicht von knapp 30 Tonnen präsentierten, war es eine Sensation. Umgerechnet rund sieben Milliarden Euro hatte das US-Militär für den sogenannten Eniac (Electronic Numerical Integrator and Computer) ausgegeben. Vier Jahre lang hatten Ingenieure an dem riesigen Geheimkasten getüftelt, der mit knapp 18 000 Vakuumröhren und mehr als 7000 Dioden gespickt war.
Damals galt die Hochgeschwindigkeits-Rechenmaschine als Wunderwerk der Technik und nahm den Platz eines halben Fußballfeldes ein. Heute ist jedes Billig-Handy schneller. Dennoch war die Erfindung ein wichtiger Schritt in das Zeitalter der Computer. Der Eniac legte den Grundstein für das Tech-Imperium von Apple, Google und Microsoft.
Die Art, wie Einsen und Nullen durch die Kondensatoren schossen, hat sich bis heute bewährt. Doch das Tempo hat deutlich angezogen. Teure Rechenschränke sind innerhalb weniger Jahrzehnte auf Smartphone-Größe geschrumpft – und die Rechenleistung ist explodiert. Während der Eniac gerade einmal 5000 Additionen pro Sekunde schaffte, gelingen dem iPhone 15 Pro heutzutage bis zu 35 Billionen – das ist sieben Milliarden Mal schneller.
Apple 1 läutet das Zeitalter der Heimcomputer ein
Wie rasant sich die Hardware in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt hat, zeigen Jens Müller und Julius Wiedemann in ihrem Buch „The Computer“. Auf den bunt bebilderten 240 Seiten wird klar: Kaum eine Technologie hat die Welt so radikal umgekrempelt wie die Informatik. Während es von der Kutsche bis zum Auto mehrere Hundert Jahre dauerte, lagen zwischen den ersten sündhaft teuren Superrechnern und erschwinglichen Heim-Computern wie dem Apple 1 gerade einmal 30 Jahre. 1976 verkauften Steve Wozniak und Steve Jobs den Bürorechner für 666,66 Dollar, was heute rund 3500 Euro entspricht.
Mittlerweile ist Apple das wertvollste Unternehmen der Welt. Der US-Konzern machte nicht nur den Heimcomputer massentauglich, sondern 2007 mit dem iPhone auch tragbare Telefone mit Wischdisplay zum Standard. Mit der Kreativität externer Entwickler wurde der Konzern noch erfolgreicher. Denn mit dem iPhone stellt Apple eigentlich nur eine leistungsfähige Rechenmaschine für die Hosentasche zur Verfügung. Für Apps wie Word, Photoshop und Whatsapp waren andere Unternehmen verantwortlich, die das iPhone aber mit ihren Programmen in Mini-Bürocomputer verwandelten und sogar Künstliche Intelligenz (KI) damit bändigten.
Anfänge im Zweiten Weltkrieg
Doch bevor Textroboter-Apps wie ChatGPT ihr gewaltiges Sprachwissen aufsaugen konnten, hatte das Militär einen weiteren Meilenstein in der Computergeschichte auf den Weg gebracht. Der Eniac war nur der Anfang, um sich im Zweiten Weltkrieg einen Rechenvorsprung bei der Berechnung von Artilleriegeschossflugbahnen zu verschaffen. 1955 wurde der Supercomputer schon wieder eingemottet.
13 Jahre später sollte ein militärisches Kommunikationsmittel noch viel wichtiger werden für die digitale Revolution. Das US-Verteidigungsministerium finanzierte von 1968 an während des Kalten Krieges die digitale Vernetzung mehrerer Rechenzentren. Das sogenannte Arpanet sollte im Falle einer bombardierten Forschungseinrichtung den digitalen Austausch der verbliebenen Rechenzentren aufrechterhalten.
Geburtsstunde des Internets
1989 griff der britische Computerexperte Tim Berners-Lee diese Idee auf und verknüpfte digitale Textseiten mit einer speziellen Übertragungssprache, dem Hypertext Transfer Protocol (HTTP). Die Geburtsstunde des Internets.
Die Tragweite war damals selbst den größten Tech-Pionieren zunächst nicht bewusst. Bei einer Rede an der Universität von Washington erzählte Microsoft-Gründer Bill Gates 1998: „Manchmal werden wir auch überrascht. Als beispielsweise das Internet aufkam, hatten wir es als fünfte oder sechste Priorität eingestuft.“ Er habe das Internet zwar auf der Rechnung gehabt. „Aber es kam ein Punkt, an dem wir merkten, dass alles sehr schnell ging und es sich um ein viel tiefergreifendes Phänomen handelte, als es in unserer Strategie berücksichtigt worden war.“
Die nächste Generation der Superrechner
Dieses geballte Wissen saugen mittlerweile nicht nur Heimcomputer und Smartphones aus dem Netz. Auch Uhren, Waagen und Zahnbürsten wählen sich im Internet ein. Das ist keine Science-Fiction mehr. Es ist zum Alltag geworden, dass fast alle Geräte miteinander vernetzt sind und man jederzeit das Wetter oder Fußballergebnisse abrufen kann.
Nach der rasanten Entwicklung bleibt nur die Frage, welche Technologie die Geschichte des Computers als Nächstes prägen wird. Mit KI hat die Wissenschaft die Tür in die Zukunft zumindest einen Spalt weit aufgestoßen, um E-Mails sauber zu formulieren und fotorealistische Bilder zu erzeugen. Das ist aber höchstens eine Kostprobe auf Spezialfähigkeiten wie selbstfahrende Autos und sekundenschnelle Impfstoffforschung.
Vier Minuten statt 10000 Jahre
Vielleicht klappt es aber bald mit der nächsten Generation der Superrechner: den Quantencomputern. In den Google-Entwicklungszentren steht so ein Rechner bereits herum. Und der Quantencomputer soll auch schon eine komplexe Rechenaufgabe in weniger als vier Minuten gelöst haben. Eine Aufgabe, für die ein aktueller Supercomputer etwa 10 000 Jahre bräuchte.