Die Triathletin Lilly Zednikova aus Rommelshausen absolviert den Ironman auf Hawaii und erfüllt sich damit einen Lebenstraum. Für 2023 hat die 42-Jährige, bei der 2013 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden war, schon neue und nicht minder herausfordernde Ziele.

Lilly Zednikova hat ihre Chance genutzt und sich einen Lebenstraum erfüllt. Am vorvergangenen Donnerstag hat die 42-Jährige den Ironman auf Hawaii, den ältesten – und manche sagen auch: den härtesten – Triathlon über die Langstrecken von 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen, erfolgreich überstanden. Nach elfeinhalb Stunden lief sie in Kona über die Ziellinie – mit einem breiten Grinsen. Das hat sie auch nach ihrer Rückkehr in heimische Gefilde noch im Gesicht, wenn sie von den beiden letzten Laufkilometern berichtet. „Die waren der Wahnsinn, die Stimmung am Streckenrand war unglaublich“, sagt die alleinerziehende Mutter zweier Söhne, die 17 und 15 Jahre alt sind.

Im Ziel wartete der Cousin aus Kalifornien

Im Ziel wurde Lilly Zednikova, die für den VfL Waiblingen startet, von ihrem Cousin geherzt. Der studiert in Kalifornien und war zum Ereignis angereist. „Das hatte er schon vor drei Jahren angekündigt. Dass er sein Versprechen eingelöst hat, hat mich zu Tränen gerührt“, sagt die Ausdauerathletin aus Rommelshausen. Von den daheimgebliebenen Söhnen kamen die Glückwünsche per Whatsapp. Sie haben den Wettkampf in einer speziellen App verfolgt, wussten zu jeder Zeit, wo ihre Mutter gerade unterwegs war.

Bereits zehn Tage vorher war die gebürtige Tschechin mit ihrer Freundin, Landsfrau und Trainingspartnerin Marketa Tvrda – beide treffen sich dreimal im Jahr im Trainingslager mit dem gemeinsamen Trainer Lubos Bilek – auf die Vulkaninsel gereist. Zur Akklimatisierung und um die Insel kennenzulernen. „Wir haben alles gesehen, was wir sehen wollten. Die tollen Strände, die Vulkane und die Schildkröten. Auch eine Schnorcheltour mit dem Boot haben wir gemacht“, sagt Lilly Zednikova.

Der Wettkampf war härter als gedacht

Der Wettkampf bei glühender Hitze erwies sich als hart. Viel härter, als es sich die Frau aus Rommelshausen vorgestellt hatte. „Aber aufgrund meiner mentalen Stärke konnte ich immer wieder positive Energie in mir abrufen“, sagt die Sportlerin, die 2015, zwei Jahre, nachdem bei ihr Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert worden war, ihren ersten Jedermann-Triathlon absolviert hatte.

Zum ersten Mal in einem Wettkampf Gehpausen gemacht

Bange war ihr vor allem vor dem Schwimmen im Ozean. Der Wellengang im offenen Meer erfordert deutlich mehr Kraft als in einem See. Doch die erste Disziplin lief überraschend gut. Bei ihrer Königsdisziplin, dem Radfahren, kamen dann die ersten zweifelnden Gedanken auf. „Bei einer ganz langen Steigung nach 85 Kilometern habe ich mich gefragt, wie ich später überhaupt noch einen Marathon laufen soll“, sagt sie. Sie ist ihn gelaufen – bis ins Ziel. Allerdings erwiesen sich die mehr als 42 Kilometer nicht nur als unfassbare körperliche Zerreißprobe sondern auch als eine mentale Herkulesaufgabe. Vor allem der zehn Kilometer lange Abschnitt auf dem Queen Kaahumanu Highway, bei dem keine Fans Zutritt haben, fordert die Athleten in ihrer Einsamkeit aufs Äußerste. „Man läuft auf glühendem Asphalt, schaut nach vorn und sieht keine Ende“, sagt Lilly Zednikova. Auf Hawaii habe sie zum ersten Mal in einem Wettkampf Gehpausen einlegen müssen. „Ich habe mich bei jeder Verpflegungsstation abgekühlt, gegessen und getrunken“, sagt sie. Abgenommen hat sie bei der Tortur trotzdem drei Kilogramm.

Im Ziel sind die Emotionen aufgestiegen

Spätestens auf den letzten zwei Kilometern waren aber alle Schmerzen und alle zweifelnden Gedanken wie weggeblasen. „Da wusste ich wieder, warum ich diesen Sport so liebe“, sagt Lilly Zednikova. Es seien Emotionen in ihr aufgestiegen, die man auch mit ein paar Tagen Abstand nicht beschreiben könne. „Es war genial.“

Zwei Wochen gönnt sie ihrem Körper nun Pause, die er sich auch verdient habe. Ob sie 2023 wieder in Hawaii dabei sein wird? Eher unwahrscheinlich. Jetzt, nachdem sie sich mit der diesjährigen erfolgreichen Teilnahme ihren Traum erfüllt hat, braucht sie etwas Neues. Ein Crosstriathlon reizt sie, außerdem stehen die Pyrenäen-Überquerung mit dem Rennrad und der Ötztaler Radmarathon auf ihrer Agenda. An Zielen mangelt es der 42-Jährigen also nicht.