Islamischer Moscheeverein in Stuttgart-Botnang Muslime grenzen sich klar ab

Die Räume des islamistischen Moscheevereins in Stuttgart-Botnang sind am Donnerstag durchsucht worden. Der Verein wurde verboten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die Räume des islamistischen Moscheevereins in Stuttgart-Botnang sind am Donnerstag durchsucht worden. Der Verein wurde verboten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Vertreter von Moscheegemeinden aus Stuttgart haben sich am Donnerstag vom „Islamischen Bildungs- und Kulturzentrum Mesdschid Sahabe e.V.“ distanziert. Innenminister Reinhold Gall (SPD) hatte den Verein zuvor verboten.

Lokales: Viola Volland (vv)
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Stuttgart - Vertreter von Moscheegemeinden aus Stuttgart haben sich am Donnerstag vom „Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum Mesdschid Sahabe e.V.“ klar abgegrenzt. Innenminister Reinhold Gall (SPD) hat den Verein verboten. So sagte beispielsweise Kamal Ahmad, der Sprecher der Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat Stuttgart: „Es ist nur in unserem Interesse, dass Behörden aktiv werden, wenn zu Gewalt aufgerufen wird.“ Wer sich nicht an die rechtsstaatlichen Spielregeln halte, sollte auch die Konsequenzen zu spüren bekommen. Er fragt sich aber auch, wieso sich überhaupt Anhänger für den gewaltbereiten Salafismus begeistern lassen: „Für uns stellt sich die Frage, wie wir dem Ganzen theologisch entgegen treten können.“ Er glaubt, dass der innermuslimische Dialog hier verstärkt werden muss.

„Was denen vorgeworfen wird, ist schrecklich“, sagt Elvir Ibrahimovic von der Islamischen Gemeinschaft der Bosniaken in Stuttgart. Mehr als 99 Prozent der Muslime lehnten Gewalt ab. „Für uns ist klar, dass wir mit denen nicht in einen Topf gehören“, so Ibrahimovic. „Doch sie ziehen die ganze muslimische Gemeinschaft in Mitleidenschaft“, sagt er in Richtung gewaltbereiter Salafisten. Deshalb sei er froh, „dass die Polizei da ihre Arbeit macht“. Auch Ali Ipek von der Ditib-Moschee in Feuerbach distanziert sich: „Befürwortung von Gewalt und Terrorismus ist unvereinbar mit unserem religiösen Verständnis und unserer Glaubenspraxis“, betont er.

Kritik am Sprachgebrauch des Ministeriums

Andererseits übt Ipek aber auch Kritik am Sprachgebrauch des Ministeriums. Dieses zitiert den Innenminister in seiner Mitteilung mit dem Satz: „Zudem verherrlichen der Verein und seine Mitglieder den Jihad sowie den religiös motivierten Terrorismus.“ Ali Ipek stört sich daran, dass der Begriff Jihad verwandt wird. Rechtswidrige Bestrebungen sollten nicht mit religiösen Begriffen wie zum Beispiel Jihad beschrieben werden. Dies verleihe diesen Aktivitäten eine scheinbare religiöse Legitimität, die von radikalen Kräften als Selbstbestätigung missbraucht werde, meint er. „Hier dürfen sich die Sicherheitsbehörden und der öffentliche Sprachgebrauch nicht zu unfreiwilligen Helfern von Extremisten machen und gleichzeitig religiöse Begriffe in unzulässiger Weise kriminalisieren.“

Der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) hat den islamistischen Moscheeverein in Stuttgart-Bontang verboten. Am Donnerstagmorgen seien den Vorständen des Vereins „Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum Mesdschid Sahabe e.V.“ (MSM) die Verbotsverfügung zugestellt und die Räumlichkeiten im Stuttgarter Stadtteil Botnang durchsucht worden.

Bei dem MSM handele es sich um eine von Salafisten dominierte Einrichtung, die in erster Linie von Islamisten des Westbalkans besucht werde. „Wir dulden keine Vereine, die Gewaltanwendung als Mittel zur Durchsetzung religiöser Belange befürworten und Spenden für terroristische Gruppierungen sammeln“, sagte Gall.




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